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  • 14. Juni 2026 9:07

Zu teuer ist nur die Infrastruktur, die man nicht hat!

ByDirk Specht

Mai 21, 2026

KOMMENTAR

Im 10. Fünfjahresplan, der 1998 entwickelt und 2001 in Kraft trat, stellte China Wirtschaftswachstum als prioritäres Ziel heraus und folgerte bei den Maßnahmenplänen, dass Infrastrukturausbau dessen Grundlage ist.

2026 stellt Goldman Sachs in „Power Supply Dynamics and Infrastructure Bottlenecks“ zu China fest:

  • Die Reservemarge (Reserve Margin) in China beträgt ca. 100 %, das Land plant also seit Jahren die Infrastruktur mit dem Doppelten der normalen Spitzenlast.
  • Bis 2030 plant China eine 400-GW-„Überkapazität“ als reine freie, ungenutzte Stromkapazität (Spare Capacity).
  • Das ist etwa dreimal so viel Strom, wie die gesamte weltweite Flotte an KI-Rechenzentren zu diesem Zeitpunkt nach heutigen Schätzungen überhaupt verbrauchen wird.
  • Allein im Jahr 2024 hat China 543 Gigawatt an neuen Stromkapazitäten ans Netz gebracht – das ist mehr, als die USA in ihrer gesamten Geschichte kumuliert aufgebaut haben.
  • Ultra-High-Voltage (UHV) Leitungen: China hat das Problem der räumlichen Trennung (Erzeugung im Norden/Westen durch Wind/Solar/Kohle, Verbrauch im Osten) technologisch gelöst. Bereits 2024 hatte das Land 38 Ultra-Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen (UHV) im Betrieb. Diese Leitungen transportieren gigantische Strommengen fast verlustfrei über Tausende Kilometer. Den USA fehlt eine solche transkontinentale UHV-Infrastruktur nahezu vollständig.
  • Kapitalkosten: China sichert Infrastruktur extrem niedrige Zinsen. Staatliche Netzbetreiber oder staatliche Investmentgarantien limitieren die Refinanzierungszinsen auf ca. 1,7%. So werden 2026 bis 2030 bis zu 730 Milliarden USS in den Netzausbau investiert, was zum bereits hohen Niveau des letzten Fünfjahresplans eine Steigerung um nochmals 40% bedeutet.

Für die USA stellt Goldman Unterkapazitäten und Unterinvestments fest, die alleine den Bedarf für Rechenzentren und hier keineswegs nur AI, sondern schon das Cloud-Wachstum nicht decken (siehe Chart). Als Gründe werden aufgeführt:

  • Im Petrostaat USA wurde der Stromsektor unterpriorisiert.
  • Die Reservemarge ist durch Planung nach Vergangenheitsdaten kollaboriert und liegt teilweise unter 15 %.
  • Bürokratie: Der Bau neuer Kapazitäten, vor allem die Genehmigung neuer Stromtrassen dauert 5-7 Jahre.
  • Marktstruktur: Es gibt bis zu 3.000 Netzbetreiber, von privatwirtschaftlichen, börsennotierten Konzernen bis zu genossenschaftlichen Betreibern und kommunalen Stadtwerken. Diese Fragmentierung führt zu einem Technologie-Zoo und macht übergeordnete Projekte unmöglich. Jeder Betreiber, jeder Bundesstaat und jede lokale Behörde redet mit und blockiert.
  • Kapitalkosten: In den USA wird Infrastruktur über den US-Kapitalmarkt zu langfristigen Zinssätzen finanziert, was die Netzkosten für den Verbraucher explodieren lässt. Fast 2/3 der Kosten gehen in die Finanzierung, 1/3 in den realen Ausbau.
  • Preis/Investment-Deadlock: Die Unterkapazität lässt Strompreise eskalieren, wodurch Elektrifizierungsmaßnahmen unwirtschaftlich werden. Die Kapitalkosten sind für Abnehmer nicht finanzierbar. Nachfragerisiken erhöhen die Finanzierungskosten.

Das kann man vollständig auf Deutschland übertragen, wobei die Daten bei uns auf die Größe umgerechnet noch schlechter sind, so leistet sich das kleine Deutschland fast 1.000 Netzbetreiber. Die haben unter staatlichem Regulierungsschirm teilweise bessere Eigenkapitalrenditen als Investmentbanken – für ein staatlich abgesichertes Geschäftsmodell. Dafür liefern sie seit Jahren eine Planunterschreitung von 75-80%.

Underperformance zum Wucherpreis.

Während das in den USA wenigstens offen angesprochen wird, haben wir Wirtschaftsverbände (BDI, DIHK), die Infrastruktur für zu teuer halten. Ferner leistet sich das Land eine Energieministerin, die allen Ernstes behauptet, die Anforderungen der Wirtschaft müssten sich an der existierenden Infrastruktur orientieren. Diese Ministerin vertritt die Interessen der Netzbetreiber, statt die Behebung von Underinvestments, Underperformance, und Undercapacity zu ihrer uneingeschränkten Priorität zu machen. Dafür wird sie von „der Wirtschaft“ auch noch gefeiert, weil sie endlich … spart.

Derweil mehren sich täglich Berichte von Unternehmen, die in moderne Elektrifizierung investieren möchten sowie von einzelnen Bauprojekten bis zu Gebietsentwicklungsplänen, die alle nicht machbar sind, weil der lokale Netzbetreiber die Anschlüsse nicht legen oder nicht versorgen kann, oft beides.

China plant also “Überkapazitäten”, das kommt hoffentlich jedem inzwischen bekannt vor. Die Amerikaner merken es endlich. Deutschland verwaltet und spart.

Strom, den keiner braucht, lesen wir dazu. Was für ein Satz!!

Dieses Land spart sich weiter ins Grab und führt dabei auch noch die komplett falschen Debatten. Was alleiniges Thema für unsere Energiedebatte sein sollte, steht im 1998 entwickelten Plan eines damaligen Schwellenlandes: Infrastruktur.

Die plant man „von oben“ und „im Voraus“, nicht „nachlaufend“ oder gar „bloß nicht zu teuer“.

Zu teuer ist nur die Infrastruktur, die man nicht hat!

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By Dirk Specht

Dirk Specht ist deutscher Autor und Kommentator mit den Schwerpunkten Wirtschafts-, Energie- und Gesellschaftspolitik. Er veröffentlicht Analysen und Kommentare zu aktuellen Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Technologie. Zuvor war er Digitalchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) und ist als Dozent und Gesprächspartner in Fachveranstaltungen aktiv. Seine Texte in der DMZ-News zeichnen sich durch analytische Tiefe und die klare Einbindung wirtschaftlicher und technischer Zusammenhänge aus.

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