Von der Forschung in die Anwendung: Elena Mavrona und Erwin Hack bringen ultradünne THz-Filter auf den Markt – für Satelliten, künftige 6G-Netze und mehr.
Dübendorf, Mai 2026 – Terahertz-Strahlung gilt als eines der vielversprechendsten, aber bisher am wenigsten genutzten Bereiche des elektromagnetischen Spektrums. Zwischen Mikrowellen und Infrarot gelegen, umfasst der Terahertz-Bereich Wellenlängen von etwa 0,03 bis 3 Millimetern. Neben Anwendungen in der Kommunikation eröffnet er Perspektiven in der Spektroskopie, der Astro- und Geophysik sowie in Sicherheitsanwendungen, etwa bei der berührungslosen Kontrolle von Personen oder Gepäck.
Das Empa-Spin-off Lepto GmbH will mit ultradünnen Filtern aus einer nur ein Mikrometer dünnen Gold-Polymer-Folie maßgeschneiderte Lösungen für diese „Terahertz-Lücke“ anbieten. Neben Filtern entwickelt das Unternehmen auch weitere Komponenten wie Polarisatoren für den THz-Bereich. Die mikrostrukturierten Elemente werden auf hochtransparenten Polymerfolien gefertigt, deren Rahmen je nach Anwendung individuell ausgelegt und unter anderem mittels 3D-Druck hergestellt werden können.
Das Unternehmen entstand aus sechs Jahren gemeinsamer Forschung an der Empa. Der Name Lepto leitet sich vom griechischen Wort für „dünn“ ab. Im folgenden Interview erklären die Gründer Elena Mavrona und Erwin Hack ihre Motivation, die Technologie und ihre Zukunftspläne.
Sie haben sechs Jahre an der Empa geforscht und sagen, Sie wollten eigentlich nie eine Firma gründen. Was hat Sie dann doch umgestimmt?
Während unserer gemeinsamen Zeit an der Empa fragten namhafte Forschungsgruppen nach unseren Terahertz-Komponenten, die mit einem von uns patentierten Prozess hergestellt werden. Keine der auf dem Markt tätigen Firmen konnten ihre Anforderungen an Frequenzselektivität und Transmission erfüllen, geschweige denn in nützlicher Frist liefern. Solche Anfragen machten uns den zunehmenden Bedarf an THz-Komponenten bewusst. Wir waren überzeugt, dass auch außerhalb der Forschung Terahertz-Anwendungen vermehrt zum Einsatz kommen. Mit 6G, dem Nachfolger des heutigen 5G-Mobilfunknetzes, wird sich zudem ein riesiger THz-Markt öffnen. Weil Elena nach ihrer Forscherzeit in die Industrie gehen wollte, entschlossen wir uns, eine neue Herausforderung als Jungunternehmer gemeinsam anzunehmen.
Die Terahertz-Lücke gilt als eines der schwierigsten Gebiete im gesamten Spektrum. Warum glauben Sie, dass ausgerechnet Ihre dünne Goldfolie hier einen echten Fortschritt bringt?
In den letzten Jahren wurde viel Forschung auf der THz-Detektor- und Quellenseite gemacht. Die Komponenten dazwischen wurden eher stiefmütterlich behandelt, werden nun aber mit den aufkommenden Anwendungen essenziell. Da wir vom Design über die Produktion zum Verkauf die ganze Wertschöpfung in unseren Händen haben, können wir kundenspezifische Lösungen ohne Lagerhaltung anbieten.
Ihre Filter sind nur ein Mikrometer dünn. Worin liegt der konkrete Vorteil gegenüber den bisherigen Lösungen auf dem Markt?
Unsere Elemente haben eine überdurchschnittliche Transmission (Transparenz) und durch den frei wählbaren Rahmen eine hohe Anpassbarkeit und Integrationsfähigkeit. Das geringe Gewicht der Elemente ist ein Vorteil für Weltraumanwendungen; das Material ist speziell für den THz-Bereich geeignet und hat im Vergleich zu anderen Materialien kaum Absorption. Damit sind unsere Elemente auch effizienter und schwächen das Signal kaum ab.
Wie groß ist Ihr technischer Vorsprung wirklich? Schauen Sie sich schon Konkurrenz aus den USA oder China an?
Es gibt kleinere Firmen, die auch Komponenten kommerziell anbieten, die meisten mit einer anderen Technologie. Diese und deren Produkte kennen wir aus unserer Forscherzeit. Und wir haben unsere Produkte und das Portfolio weiterentwickelt, um den Vorsprung zu wahren.
Welche Raumfahrt- oder Satelliten-Projekte haben bereits konkretes Interesse an Ihren Filtern gezeigt?
Wir sind in Kontakt zur ESA und zu schweizerischen Partnern, die an Satellitenprojekten beteiligt sind und Interesse an unseren Komponenten angemeldet haben. Dazu gehören nicht nur Hochschulen, sondern auch Firmen.
Viele setzen große Hoffnungen auf Terahertz für 6G. Wann könnte Ihre Technologie tatsächlich in kommerziellen 6G-Systemen landen – oder ist das noch Science-Fiction?
6G wird zur Zeit standardisiert und wird 5G nicht von einem Tag auf den anderen ablösen. Während große Firmen wie Nokia, Ericsson oder Huawei bereits an der Entwicklung von Modulen dran sind, sind wir überzeugt, dass die ersten 6G-Anwendungen in der Satellitenkommunikation stattfinden werden. Dafür breiten wir uns aktuell vor. Darüber hinaus haben viele Länder 6G-Initiativen gestartet und rechnen mit ersten kommerziellen Anwendungen ab 2030.
Wie nah sind Sie dran an medizinischen Anwendungen, zum Beispiel bei Hautkrebs-Diagnosen?
THz-Strahlung wird in der Diagnostik verwendet, und unsere Komponenten könnten dort zum Einsatz kommen, zum Beispiel, um das Signal zu filtern und Störsignale zu unterdrücken. Es ist aber nicht unser primärer Fokus.
Sie suchen Pre-Seed-Kapital. Wie viel Geld brauchen Sie und wofür wollen Sie es hauptsächlich ausgeben?
Wir sind tatsächlich mitten in unserer Pre-Seed-Finanzierungsrunde. Über den genauen Betrag möchten wir Stillschweigen wahren. Aber im Moment geht es um Vergrößerung des Teams, Anschaffung von Gerätschaften und natürlich F&E.
Noch kommt fast die gesamte Nachfrage aus der Forschung. Wie wollen Sie den Sprung in die Industrie schaffen?
Wir sind daran, uns mit OEMs zu vernetzen, um direkt auf deren Kundenbedürfnisse einzugehen und unsere Produkte maßgeschneidert anzubieten oder gemeinsam zu entwickeln. Ein wichtiger Meilenstein in unserem Businessplan ist die Unterzeichnung des ersten OEM-Vertrags. Mit unseren Ideen zur Skalierung der Produktion würden wir bald von einem Zulieferer zu einem Partner.
Wenn Sie in drei, vier Jahren zurückblicken – was müsste passiert sein, damit Sie sagen: Das war ein richtig guter Schritt mit Lepto?
Wenn unsere ersten Komponenten in der Satellitentechnik eingesetzt sind und wir einen industriellen Partner, idealerweise aus der Telekom, gefunden haben, würde das unsere Strategie bestätigen.
Lepto positioniert sich als agiler Partner, der kundenspezifische Terahertz-Komponenten vom Labor in die industrielle Anwendung bringt – mit Fokus auf Raumfahrt, Satellitentechnik und zukünftige 6G-Anwendungen. Das Startup wird durch den Empa-Inkubator glatec unterstützt.
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