KOMMENTAR
Die Ölversorgung muss man als komplexe Lieferkette voller unübersichtlicher Zwischenlager verstehen. Lagerstätten von den Fördergebieten über Öltanker als schwimmende Reserve bis den vielen Öltanks von den Häfen bis zu den Raffinerien.
Die Treibstoffsorten, vom Diesel bis zum Kerosin, haben komplett eigene, nochmals tiefere Lieferketten ab eben diesen Raffinerien, die teilweise selbst vor Hormuz stehen.
Die IEA hat schon vor Wochen davor gewarnt, diese Lieferketten nicht zu lange nach ihrem Output, sondern früh genug nach dem Input zu bewerten. Dabei waren die ersten Prognosen eher etwas zu pessimistisch, die Versorgung doch resilienter. Was dabei leider übersehen wurde, war der systemische Hinweis der IEA, dass es gar nicht darauf ankomme, wann diese Kette genau reiße, sondern zu verhindern, dass sie es tut.
Der alles entscheidende Unterschied zu früheren Phasen, in denen auch immer mal wieder die Lagenbestände gesunken sind (siehe Chart): Damals war jederzeit der Input in Takt, das ist jetzt keinesfalls so. Die IEA weist darauf hin, dass auch bei diesen Daten der Vergangenheit die Bestände nach Ausweitung der Produktion zuerst noch einige Monate weiter gesunken sind. Diese Lieferketten laufen also sehr träge leer, aber die füllt man auch nicht mal eben.

Wie Ministerin Reiche das Thema mit einer nur durch fachliche Überforderung erklärbare Gelassenheit unverändert herunter spielt, passt gar nicht dazu. Es könnte sich als fahrlässig erweisen, dass es keinerlei Maßnahmen gegeben hat, den Verbrauch rechtzeitig zu reduzieren, um eben jene Lieferkette zu entlasten. Das wäre ohnehin der bessere Preiseingriff gewesen als dieser kontraproduktive Tankrabatt.
Sollte es zum physischen Versorgungsabriss kommen, darf die Frage, warum es keine Maßnahmen zur Verbrauchsreduktion gab, sondern im Gegenteil vom Tankrabatt bis zur Rhetorik eher ein weiter so gefördert wurde, mal zur fachlichen Eignung der Ministerin weiter entwickelt werden.
Dass die leeren Gasspeicher die Vorbereitung auf den kommenden Winter jetzt drastisch verteuern, scheint bisher niemanden zu interessieren. Aus meiner Sicht ist es sehr wahrscheinlich, dass die Sachlage seit Hormuz korrekt bewertet schon jetzt kaum mit der Arbeitsweise der Ministerin vereinbar ist.
Zuerst das teure Versäumnis leerer Speicher, muss uns jetzt auch noch real die Versorgung auf die Füße fallen, bis wir die Eignung von Führungspersonal prüfen?
Kein Unternehmen könnte sich so etwas leisten. Selbst, wenn das mit viel Glück gut geht, wäre bei der Führung dieses Ministeriums eine viel kritischere Prüfung überfällig. Jenseits der Frage, ob man die Energiepolitik so unterstützt oder nicht, es geht hier um eine relevante Aufgabe des Managements unserer Versorgung.
Muss der erste Malle-Touristenbomber ausfallen, damit das Thema mal auf den Tisch kommt?
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