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  • 18. Juli 2026 11:22

Duschen? Du schon. Ich dagegen lieber nicht

ByPeter Biro

Mai 17, 2026

SATIRE

Ein jeder muss mal duschen. Mindestens einmal im Monat. Das ist keine regelmäßig anfallende Vergnüglichkeit – nein, Duschen ist eine Notwendigkeit. Sobald man dermaßen heftig müffelt, dass selbst Telefongespräche für das Gegenüber zur olfaktorischen Belastungsprobe werden, muss man sich halt aufraffen und sich unter den Beschuss mit Wasser begeben. Und Seife in die Hand nehmen. So einfach ist das.

Ich habe diese Last inzwischen dermaßen verinnerlicht, dass ich unabhängig von der Intensität meiner Ausdünstungen bereits jede Woche einmal den Hahn aufdrehe – egal, wie viel Überwindung es mich kostet. Da muss man eine gewisse Routine walten lassen.

Natürlich habe ich mich seit Langem gefragt, woher diese verbreitete Abneigung der Menschen gegen das Duschen kommt. Schließlich besitzt die Prozedur nachweisbare Vorteile für Körperhygiene und Gesundheit. Die Abbauprodukte des Schweißes, insbesondere in diversen Engstellen und Spalten des Körpers, entwickeln dank der sorgfältigen Arbeit unzähliger Mikroben jene Essenz, die der Volksmund schlicht mit dem Ausdruck „bestialischer Gestank“ umschreibt: Buttersäure.

Schon winzige Mengen davon verströmen eine nahezu unerträgliche Duftnote, welche den Menschen instinktiv zur Abstandswahrung veranlasst. Besonders beunruhigend ist allerdings der Umstand, dass der Verursacher der besagten Absonderung sich mit der Zeit an seinen Eigengeruch gewöhnt und ihn irgendwann nicht mehr wahrnimmt. Das wiederum führt zu befremdlichen Erfahrungen, wonach sich Mitmenschen plötzlich und scheinbar grundlos von einem abwenden – sei es in der Warteschlange beim Metzger oder im Aufzug zur achten Etage – und einen dort wortlos stehen lassen oder allenfalls mit diskretem Nasenrümpfen ihre Ablehnung von Nähe und freundlichem Austausch bekunden.

Kurz gesagt: Man stinkt.

Natürlich existieren wasserlose Hilfsmittel, um das unangenehme Müffeln etwas in Zaum zu halten. Deosticks, Deosprays und eigens geförderte Verhaltensweisen westlich-liberaler Deokratien helfen dabei, die Zeitspanne bis zum nächsten unausweichlichen Abduschen hinauszuzögern. Aber diese Mittel funktionieren nicht unbegrenzt. Irgendwann durchbricht die „Kraft der zwei Achselhöhlen“ mitsamt ihren Komplizen die künstlich errichtete Duftstoffbarriere – und man stellt sich nolens volens unter den wohltemperierten Wasserstrahl. Pure Resignation unter dem Duschkopf.

Allerdings befindet man sich damit bereits mitten in den ärgerlichen Randbedingungen des Duschens, die einem den Nutzen der ganzen Aktion nachhaltig vermiesen.

Da ist zunächst der initiale Kälteschock zu nennen. Erst muss nämlich der Inhalt der zuführenden Schläuche ausgestoßen werden, bevor das gemäß Hahnstellung temperierte Wasser auf einen niederprasselt. Die aggressiv vorpreschende eiskalte Vorhut hat zu diesem Zeitpunkt jedoch längst exponierte Körperteile überfallen und dort arktische Schmerzzustände ausgelöst.

Doch damit nicht genug. Sobald sie nass ist, besticht die Seife bekanntlich durch extrem verminderte Griffigkeit, was nach dem ersten Hinlangen regelmäßig dazu führt, dass sie davonflutscht wie ein zu Recht gezüchtigtes Wiesel. Sie prallt von der Kachel, trifft das Knie und landet schließlich in der Duschwanne – keineswegs bereit, sich widerstandslos einfangen zu lassen. Das glitschige Ding fügt sich erst, wenn man sich mit vollem Körpereinsatz darauf stürzt und es endlich einklemmt wie einen flüchtigen Straftäter. Belohnt wird man für den Jagderfolg dann mit einem Ausrutschen auf der von der Seife hinterlassenen Schleimspur.

Ich wundere mich ohnehin, warum der Gebrauch von Seife nicht längst gesetzlich verboten worden ist, nachdem doch allgemein bekannt sein dürfte, welche Gefahren von ihr ausgehen.

Dann wäre noch die Sache mit dem Duschvorhang zu erwähnen. Besagte wasserdichte Barriere zwischen heiterer Außenwelt und trostloser Duschkabine hängt in Friedenszeiten in anmutigen Falten von der Stange herab und deutet nichts von den Qualen an, die sie dem duschenden Menschen zufügen wird. Denn kaum hat man den Wasserhahn geöffnet – selbst wenn der erste Strahl den Wannenboden noch gar nicht erreicht hat –, da wölbt sich dieses textile Monstrum plötzlich nach innen und sucht sich zielsicher irgendein Körperteil des Duschenden aus, an dem es sich großflächig festsaugt. Und dort haftet es dann mit der emotionalen Penetranz eines einsamen Tintenfischs, der verzweifelt nach seinem Partner sucht.

Die Folge sind unangenehme, überwiegend kalte Wahrnehmungen unschicklicher Berührungen, welche selbst die gerade erst zaghaft aufkeimende Freude an der überteuerten, eigens aus Prestigegründen installierten Regendusche augenblicklich zunichtemachen.

Alles in allem ist es also keineswegs verwunderlich, dass die Abneigung gegen häufiges oder zumindest regelmäßiges Duschen so weit verbreitet ist. Moderne Technik macht zwar vieles möglich: Neben der Ausdehnung der Intervalle zwischen den Torturen existieren diverse Hilfsmittel, welche erträglich lange duschfreie Übergangszeiten ermöglichen. Nasse Handtücher, parfümierte Papiertüchlein oder das Tragen von Wäscheklammern auf den zugedrückten Nüstern gehören dazu – und selbstverständlich Badewannen.

Neueste Forschungen haben gezeigt, dass reinigendes Wasser nicht ausschließlich von oben kommen muss. Es ist möglich und zweckbestimmend, dass man sich zur Verringerung der Geruchsemission mit dem gesamten Körper in waagerecht eingefasstes Badewasser legen kann. Voraussetzungen sind hierbei selbstverständlich angemessene Wassertemperaturen sowie der Einsatz geeigneter Badezusätze.

Zugegeben, der Wasser- und Ressourcenverbrauch ist dabei zwar deutlich höher als beim simplen Duschen, dafür aber auch der Komfort. Der Mensch liegt dort würdevoll wie ein römischer Senator im Caldarium, statt unter feindlichem Wasserbeschuss hektisch nach entkommener Seife zu haschen. Vielleicht erklärt das auch, warum die Menschheit jahrtausendelang badete und erst in der Moderne auf die Idee kam, sich täglich mit Hochdruck abzuspritzen. Nicht jede technische Entwicklung ist automatisch ein Fortschritt.

Und während man in der Badewanne immerhin noch entspannt mit den Zehen kleine Plastikenten im Wasser herumschieben kann, bleibt die Dusche letztlich das, was sie immer war: eine Nasszelle mit Überraschungsangriffen.

Die Wissenschaft wird sich dieser Frage noch widmen müssen. Bis dahin bleibt Duschen ein riskanter Balanceakt zwischen Körperhygiene, Kälteschock und seifenbedingten Unfällen mit Personenschaden.

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By Peter Biro

Prof. Dr. med. Peter Biro ist pensionierter Anästhesiearzt und Titularprofessor an der Universität Zürich. Er veröffentlicht Satiren, Parodien, kulturhistorische Betrachtungen sowie Prosawerke im Genre des Magischen Realismus. Seine Texte zielen auf literarisch gehobene Unterhaltung, die Wissen, Humor und Reflexion miteinander verbindet.

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