KOMMENTAR
Was auch immer wir über den Trump-Besuch nun lesen werden, die alles entscheidende Bewertung steht schon fest: Wandel durch Handel funktioniert ganz exzellent. Ich verstehe nicht, warum es daran so viele Zweifel gibt.
“Der Westen” hat mit Systemen wie Russland und vor allem China tiefe Handelsbeziehungen aufgebaut und diese Systeme diktieren uns nun, wie wir uns zu verhalten haben, um diese Handelsbeziehungen weiter nutzen zu können.
Das klappt wirklich großartig!
Der vorliegende Akt versteht sich so, dass der Superstratege Trump, der bereits Deals mit Handelsbeziehungen verwechselt, mit den Chefs von Tesla, Apple, Nvidia und Boing in China war. Die beabsichtigten “Deals” waren klar:
- Tesla will ein paar Genehmigungen für autonome Fahrzeuge, weil die im US-Markt gegen Waymo/Google keine Schnitte bekommen. Da Musk aber mal wieder viel versprochen hat, braucht er viel mehr Daten und Testfläche, das geht in China besser.
- Apple braucht von beiden Seiten Sondergenehmigungen bei den Zöllen, sonst brennt der nächste Quartalsgewinn ab. Xi war etwas “indigniert”, dass der Apple-CEO Cook bei Sondierungen zu dem Thema nicht persönlich in Peking war. Jetzt ist Cook brav hin geflogen.
- Nvidia will KI-Chips der letzten Generation, für die man massig Produktionskapazitäten hat, nach China abdrücken. Auch dazu müssen beide Seiten mitspielen und auch hier hatte Xi signalisiert, dass Huang dafür besser mal persönlich vorbei schaut.
- Boing braucht nach diversen “kleineren” Störungen schlicht Aufträge. Da wäre so ein China-Volumen ganz nett.
- Trump selbst muss Soja verkaufen, weil seine Farmer ihm die Hölle heiß machen. Außerdem muss er Seltene Erden einkaufen. Das ist bestimmt ein besonders großer Deal geworden.
- Nicht zu vergessen: Die US LNG-Industrie fürchtet Überkapazitäten, weil die Welt jetzt so schnell elektrifiziert. Frau Reiche ist da bekanntlich gut handhabbar, Van der Leyen war auch geschmeidig. Aber ausgerechnet Xi? Das wollen wir dann doch besser mal abwarten.
Man muss feststellen, dass die strategische Tiefe und geostrategische Wucht dieser Delegation des US-Präsidenten direkte Vergleiche mit diversen Kanzler- und Kanzlerin-Maschinen nach Peking erlaubt. Auch da wurden ein paar Krämerseelen bedient, damit die Quartalsergebnisse passen. Ansonsten wurde die deutsche Industrie immer tiefer in den chinesischen Maschinenraum gezogen, bis man die nun schrittweise wieder da raus wirft – das kann jetzt mal weg.
Ansonsten, war da was?
In der Tat: Das WSJ hat sehr schön heraus gearbeitet, wie zuerst die Deals gemacht wurden, bis Xi ganz zum Schluss Onkel Donald noch mitgegeben hat, dass er in der Taiwan-Sache zukünftig besser das große Maul hält. Bezüglich Iran hat Xi freundlich und hoffnungsvoll seine Erwartung geäußert, dass die Amerikaner das gefälligst mal lösen.
Die Börsen werden die Deals jetzt feiern. Die bewerten ganz rational den resultierenden Cashflow. Mehr aber auch nicht.
Was für ein Beleg, wohin unterkomplexe Ökonomie führen kann!
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