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  • 14. Juni 2026 9:04

Die Herausforderungen der Automobilindustrie sind tief – die Berichte dazu sind es nicht

ByDirk Specht

Mai 16, 2026

KOMMENTAR

Über den chinesischen Autosektor lesen wir fast nur unterkomplexe Meinungsberichte. Das fängt mit den wirklich jährlich statt findenden “Einbrüchen”, die jedes Jahr durch die Neujustierung von Fördermaßnahmen sowie durch die Hersteller an der Stelle geplanten Modellwechsel statt finden. Das passiert genauso zuverlässig wie die Schrottberichte über irgendwelche Einbrüche der Datendetails, die der jeweilige Autor unbedingt einbrechen sehen will.

Die langfristigen Charts sind eindeutig und durch eine statistische Glättung über 12 Monate nimmt man methodisch simpel diese “Zacken” aus den Daten.

  • Chinas angeblicher Wachstumsmarkt ist seit 2022 längst aus einem Versorgungs- in einen Ersatzmarkt übergegangen, weshalb der mit 7% pro Jahr sinkt.
  • Kompensiert wird das durch den Export, der um 21% wächst. In der Gesamtproduktion bleibt daher ein Wachstum von 2,2%.
  • Im Inland ist der Verbrenner tot. Der fällt um 26,5%. Der EV wächst um 10,4%. Das sind bei Glättung über 12 Monate und über mehr als vier Jahre dramatische Zahlen!
  • Im Export wachsen beide, der EV aber deutlich schneller. Auch hier wird die Ablösung kommen.
  • Diese Trends werden sich fortsetzen, wegen Hormuz vermutlich beschleunigen. Der Export zeigt eine wachsende Dynamik, der EV-Trend auch.

Die ökonomischen und strategischen Bewertungen sind nicht trivial, auch hier wird vieles zu schnell geschrieben. Das Narrativ von “Überkapazitäten”, die nun wegen “Inlandsschwäche” in den Export “drängen” ist mein Favorit für ignorante Meinungsbestätigung.

Wenn man sich den 12. und 13. FYP ansieht (also Planungen, die auf 2007 zurück gehen und seit 2011 ausgerollt werden), so erkennt man, dass das schlicht strategisch genau so geplant war. Mag sein, dass der Binnenmarkt nicht wie erwartet läuft, aber das Zusammenwirken Binnen/Exportmarkt ist genau so beabsichtigt. Wer nun “Überkapazität” sagt, weil diese Industrie auf mehr als den Binnenbedarf ausgelegt ist, darf mal hinterfragen, ob irgendeine Industrie weltweit so blöde plant?

Die Herausforderungen liegen viel tiefer. Diese Stückzahlen sind mit massiven Preiskämpfen verknüpft und auch das halte ich persönlich für gewollt. Zu beachten ist nämlich in den FYP zugleich die Errichtung von Schlüsselindustrien mit Wertschöpfungsketten, die hier vom Rohstoffmix über die Robotik bis zum elektrifizierten Endprodukt zu beachten sind.

Entlang dieser hoch automatisierten und mit Spitzentechnologie entwickelten Wirkungskette können viele Hersteller in China selbst zu den Preisen cash-positiv weiter produzieren, in der gesamten volkswirtschaftlichen Wertschöpfung sogar mit hohen Zuflüssen. Während der Cashflow bei schlechter aufgestellten Herstellern und dahinter liegender Wertschöpfungskette viel früher negativ wird.

Noch einfacher: BYD&Co fließt trotzdem Geld in die Kasse, China fließt richtig viel zu. VW&Co sind bei den Preisen cash-negativ, Deutschland erst recht.

Diese Kombination aus Automatisierung, Skalierung, Preiselastizität, das alles komplett in der tiefen Wertschöpfungskette, ist schwer angreifbar. Die globalen Wettbewerber haben ein Technologie-, Kosten-, Vor- und Endproduktproblem zugleich.

Auf dem chinesischen Markt ist das voll sichtbar, hier werden alle ausländischen Anbieter weiter frei fallen. Auf den Weltmärkten wird das auch passieren. Mit Zollschranken lässt sich das nicht lange aufhalten und die sind nur dann zu rechtfertigen, wenn die Zeit genutzt wird.

DAS erklärt die Stellenstreichungen in Industrie und Zulieferern, nicht “der Strompreis”, “die Kernkraftwerke”, “die Migranten” oder “die Sozialabgaben”.

Der “hoch effiziente Verbrenner” ist genau die falsche Antwort darauf. Die Frage ist, ob die deutsche Industrie bis in die tiefen Vorprodukte die erkennbaren Preisschwellen der Chinesen wirtschaftlich darstellen kann. Falls nicht, muss insbesondere strategisch und wirtschaftspolitisch konsequent gehandelt werden.

Die Interessen dieser Industrie sind dann nicht mehr die unserer Volkswirtschaft.

Ich hoffe unverändert, dass diese Frage gestellt und positiv beantwortet wird. Ich befürchte aber zunehmend, dass die befürchtete Antwort bereits verhindert, die Frage zuzulassen.

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By Dirk Specht

Dirk Specht ist deutscher Autor und Kommentator mit den Schwerpunkten Wirtschafts-, Energie- und Gesellschaftspolitik. Er veröffentlicht Analysen und Kommentare zu aktuellen Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Technologie. Zuvor war er Digitalchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) und ist als Dozent und Gesprächspartner in Fachveranstaltungen aktiv. Seine Texte in der DMZ-News zeichnen sich durch analytische Tiefe und die klare Einbindung wirtschaftlicher und technischer Zusammenhänge aus.

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