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  • 14. Juni 2026 8:17

SARS-CoV-2 laut Langzeitstudie weltweit stark verbreitet

ByAnton Aeberhard

Mai 12, 2026

Fünf Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie deutet eine niederländische Langzeitstudie darauf hin, dass sich SARS-CoV-2 bei der großen Mehrheit der Weltbevölkerung ausgebreitet hat und inzwischen endemisch zirkuliert.

Ein Team des National Institute for Public Health and the Environment (RIVM) und der Amsterdam Cohort Studies hat über Jahre Blutproben von 468 Teilnehmenden analysiert, die bereits vor 2020 in die Kohorte aufgenommen worden waren. Die Gruppe besteht überwiegend aus Männern, die Sex mit Männern haben, gilt den Forschern zufolge aber hinsichtlich Atemwegsinfektionen als weitgehend repräsentativ für die Allgemeinbevölkerung.

Die Wissenschaftler suchten nach Antikörpern gegen das Nucleocapsid-Protein von SARS-CoV-2. Diese Antikörper entstehen ausschließlich nach einer natürlichen Infektion, nicht durch Impfung.

Bis Ende 2024 hatten 77 Prozent der Teilnehmenden (359 Personen) eine Serokonversion durchgemacht und damit eine Infektion hinter sich. Nur zwölf Personen blieben seronegativ. Bei neun von ihnen gab es auch keine positiven Selbsttests.

Eine Kaplan-Meier-Analyse ergab, dass bis Ende 2024 lediglich etwa sechs Prozent der Kohorte (95%-Konfidenzintervall: 4–9 Prozent) noch keine nachweisbare Infektion gehabt hatten. Die meisten Neuinfektionen ereigneten sich 2022 – in dem Jahr, in dem die Omicron-Varianten dominierten und die meisten Schutzmaßnahmen aufgehoben wurden.

Die im Fachjournal The Lancet Microbe veröffentlichte Studie kommt zu dem Schluss, dass sich SARS-CoV-2 innerhalb von nur vier bis fünf Jahren sehr weit verbreitet hat. Die Autoren halten es deshalb für wahrscheinlich, dass weltweit die Mehrheit der Menschen mindestens einmal mit dem Virus infiziert wurde. Impfungen und frühe Schutzmaßnahmen hätten die Ausbreitung zunächst verlangsamt, Virusmutationen und nachlassende Immunität später jedoch für eine breite Durchseuchung gesorgt.

Die Forscher machen aber auch deutlich, wo die Grenzen der Studie liegen: Die Teilnehmenden stammen vor allem aus dem Raum Amsterdam, sind gesundheitsbewusst und größtenteils geimpft. Zwar hatten frühere niederländische Untersuchungen keinen starken Einfluss von Geschlecht oder Urbanisierungsgrad auf die Seroprävalenz gezeigt, eine direkte Übertragung auf die gesamte Weltbevölkerung ist dennoch nicht möglich. Außerdem können Antikörper mit der Zeit abnehmen.

Die Studie misst allein die Häufigkeit von Infektionen. Sie macht keine Aussagen zur Schwere der Erkrankungen oder zu Long COVID.

Die vollständige Arbeit mit dem Titel „Time to endemicity of SARS-CoV-2 in a sentinel cohort in the Netherlands“ ist Open Access erschienen.

Hinweis zur Studie:
In der niederländischen Untersuchung spielt das Geschlechtsleben der Teilnehmer keine Rolle für die Ergebnisse. Die Forscher haben eine bereits seit den 1980er Jahren bestehende Langzeitkohorte (Amsterdam Cohort Studies) genutzt, die überwiegend aus Männern besteht, die Sex mit Männern haben (MSM). Diese Gruppe dient als sogenannte „Sentinel-Kohorte“ – also als gut überwachte Wächtergruppe –, weil sie über Jahrzehnte hinweg regelmäßig medizinisch begleitet wird. Die Autoren betonen ausdrücklich, dass sich das Verhalten dieser Teilnehmer hinsichtlich Atemwegsinfektionen nicht wesentlich von der Allgemeinbevölkerung unterscheidet. Deshalb gelten die Ergebnisse zur Durchseuchung mit SARS-CoV-2 (rund 94 % mindestens einmal infiziert bis Ende 2024) als weitgehend übertragbar auf die breite Bevölkerung. Es handelt sich nicht um eine Studie zu sexuellen Übertragungswegen. SARS-CoV-2 wird primär über die Atemwege übertragen. Der Hinweis auf die sexuelle Orientierung der Kohorte ist rein methodisch bedingt.

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By Anton Aeberhard

Anton Aeberhard ist Journalist und schreibt zu gesundheitlichen, wissenschaftlichen sowie politischen und gesellschaftlichen Themen. Seine Beiträge befassen sich mit aktuellen Entwicklungen und deren Hintergründen. Seine Texte zeichnen sich durch analytische Tiefe und eine klare Gewichtung der zentralen Argumente aus.

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