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  • 14. Juni 2026 8:38

ME/CFS – eine lange unterschätzte Erkrankung

ByDavid Aebischer

Mai 9, 2026

Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS) gilt seit Jahrzehnten als rätselhaft. Betroffene erleben extreme Erschöpfung, kognitive Einschränkungen und körperliche Beschwerden – doch lange Zeit wurden ihre Symptome medizinisch oft nicht ernst genommen. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen: ME/CFS ist eine komplexe, biologisch verankerte Erkrankung mit weitreichenden gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen.

Wenn jede Anstrengung zur Qual wird

ME/CFS äußert sich nicht nur durch Müdigkeit. Ein zentrales Merkmal ist die sogenannte post-exertionelle Malaise (PEM): Schon moderate körperliche oder geistige Belastung kann Symptome wie Erschöpfung, Schmerzen oder kognitive Beeinträchtigungen über Tage oder Wochen verschlimmern. Weitere häufige Beschwerden sind Schlafstörungen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit sowie Kreislaufprobleme.

Die Diagnosestellung bleibt herausfordernd. Ärzt:innen stützen sich auf internationale Kriterien wie die kanadischen Konsensuskriterien. Einen eindeutigen Biomarker gibt es bislang nicht, weshalb andere Krankheiten zunächst ausgeschlossen werden müssen.

Biologische Mechanismen rücken ins Blickfeld

Jüngste Studien belegen, dass ME/CFS tief im Körper verankert ist. Forschende der Charité Berlin (2023) fanden Hinweise auf Störungen in der Zellenergieproduktion, Auffälligkeiten im Immunsystem sowie Veränderungen bei Blutgefäßproteinen. Genetische Analysen deuten auf eine Kombination aus Veranlagung und Umweltfaktoren hin.

Innovative Methoden wie Multi-Omics-Analysen könnten künftig dabei helfen, Krankheitsmuster genauer zu erkennen, Diagnosen zu verbessern und gezielte Therapien zu entwickeln. Erste Ansätze mit epigenetischen Bluttests befinden sich aktuell in der Erprobung, ihre Wirksamkeit muss jedoch noch unabhängig bestätigt werden.

Gesellschaftliche Dimensionen

Epidemiologische Untersuchungen schätzen, dass ME/CFS häufiger auftritt, als lange angenommen – in einigen Studien wird von 0,2 bis 0,4 Prozent der Bevölkerung ausgegangen. Die Erkrankung kann zu Arbeitsunfähigkeit, sozialem Rückzug und psychischer Belastung führen. Weltweit werden Diagnose, Versorgung und Forschung häufig vernachlässigt. In mehreren Ländern, darunter Großbritannien und Kanada, wird diskutiert, ME/CFS offiziell als ernsthafte neurologische Erkrankung anzuerkennen und entsprechende Strukturen auszubauen.

ME/CFS ist mehr als Müdigkeit. Es handelt sich um eine ernsthafte, biologisch verankerte Erkrankung, deren Ursachen noch nicht vollständig verstanden sind. Aktuelle Forschungen liefern neue Erkenntnisse über Mechanismen, die Diagnosemöglichkeiten verbessern könnten. Für die Betroffenen bleibt die koordinierte, internationale Forschung entscheidend, um Lebensqualität nachhaltig zu steigern.

Übersichtsarbeiten

  • 2021 Review, in dem der aktuelle Stand zu möglichen Krankheitsmechanismen, zur Diagnose und zu potentiellen Behandlungsmöglichkeiten zusammengefasst ist.
  • Die National Academy of Medicine (ehemals Institute of Medicine) hat im Jahr 2015 einen Report zu ME/CFS veröffentlicht, für den 9000 Studien ausgewertet wurden. Das Fazit: ME/CFS ist eine körperliche Erkrankung mit dem Leitsymptom Post-Exertional Malaise und muss dringend stärker erforscht werden.

Studien: 

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By David Aebischer

David Aebischer ist Journalist und Autor mehrerer Bücher, darunter Romane und literarische Texte. Er schreibt zudem zu gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Themen. Seine Texte zeichnen sich durch Vielseitigkeit, klare Struktur und reflektierte Darstellung aus.

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