Bern – Die Rechenzentren in der Schweiz haben 2024 rund 2,1 Terawattstunden (TWh) Strom verbraucht. Das entspricht etwa 3,6 Prozent des gesamten Schweizer Stromverbrauchs. Bis 2030 könnte der Bedarf auf 2,5 bis 3,2 TWh steigen – bei einem maximalen Szenario sogar auf 3,5 TWh. Das zeigt eine neue Studie des Bundesamtes für Energie (BFE), die am Donnerstag veröffentlicht wurde.
Seit der letzten Erhebung 2019 ist der Verbrauch um knapp 20 Prozent gestiegen (bei vergleichbarer Abgrenzung um 18 Prozent). Das Wachstum fiel jedoch moderater aus als befürchtet. Während große kommerzielle Rechenzentren (Colocation und Hyperscaler) ihren Anteil deutlich ausbauten und nun 44 Prozent des Verbrauchs ausmachen, stagniert oder sinkt der Strombedarf bei vielen unternehmensinternen Serverräumen. Grund dafür sind Effizienzgewinne und die Auslagerung in die Cloud.
„Viele Unternehmen haben ihre eigene IT-Infrastruktur verkleinert oder in professionelle Hände gegeben“, erklärt die Studie. Dies dämpfte den Gesamtanstieg spürbar.
Noch grosses Einsparpotenzial
Trotz Fortschritten schlummert in den Rechenzentren weiteres erhebliches Effizienzpotenzial: Rund 0,8 TWh, also fast 38 Prozent des aktuellen Verbrauchs, könnten eingespart werden. Die Möglichkeiten sind bei der IT-Ausstattung (effizientere Server, bessere Virtualisierung) etwas grösser als bei der Gebäudeinfrastruktur (Kühlung, Stromversorgung).
Maßnahmen wie höhere Kühlungstemperaturen, Abwärmenutzung oder modernere Hardware könnten hier einen wesentlichen Beitrag leisten – ohne Komfort oder Leistung einzubüßen.
KI spielt bisher eine untergeordnete Rolle
Anders als in den USA oder Teilen Europas treibt künstliche Intelligenz den Schweizer Rechenzentrumsverbrauch noch kaum an. Einzige Ausnahme ist der KI-Supercomputer des CSCS in Lugano. Große Trainings-Rechenzentren für Large Language Models mit Hunderten Megawatt Leistung gibt es in der Schweiz bisher nicht. Die bestehenden großen Anlagen dienen vor allem Cloud-Diensten.
Das könnte sich jedoch ändern. Die Studie warnt, dass der Verbrauch kommerzieller Rechenzentren sich bis 2030 mehr als verdoppeln könnte, sollte der internationale KI- und Cloud-Boom stärker auf die Schweiz durchschlagen.
Ein Thema für die Energiepolitik
Der moderate Anstieg ist eine gute Nachricht für die Schweizer Stromversorgung, die bereits mit Winterknappheit und dem Ausbau erneuerbarer Energien kämpft. Dennoch zeigt der Bericht klar: Rechenzentren sind kein Randphänomen mehr. Bei weiterem Wachstum könnten sie bis 2030 einen deutlich spürbareren Anteil am Gesamtverbrauch ausmachen.
Das BFE will den Sektor in den kommenden Jahren deshalb intensiver überwachen. Experten fordern zudem eine bessere Integration der Rechenzentren ins Energiesystem – etwa durch Flexibilität bei der Stromaufnahme und konsequente Nutzung der entstehenden Abwärme für die Gebäudeheizung.
Der Bericht liefert eine nüchterne Bestandsaufnahme: Die Digitalisierung frisst Strom, aber durch kluge Effizienzmaßnahmen lässt sich der Hunger deutlich zügeln. Ob das reicht, wird in den nächsten Jahren die zentrale Frage sein – besonders wenn die Schweiz nicht nur Cloud-Standort, sondern auch KI-Standort werden will.
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