Bern / internationale Onkologie – Neue klinische Daten zu einem experimentellen KRAS-Inhibitor sorgen in der Onkologie für Aufmerksamkeit, ohne jedoch bereits als Durchbruch gelten zu können. Im Mittelpunkt steht der Wirkstoff Daraxonrasib (RMC-6236) des US-Unternehmens Revolution Medicines, der in frühen und laufenden Studien bei metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs untersucht wird.
Die Substanz gehört zu einer neuen Klasse sogenannter RAS(ON)-Inhibitoren, die gezielt gegen aktiviertes KRAS vorgehen – ein Treibergen, das bei mehr als 90 Prozent der Pankreaskarzinome mutiert ist und lange als therapeutisch kaum angreifbar galt.
Frühe Wirksamkeitssignale in Phase-I/II-Studien
Erste klinische Daten aus einer Phase-I/II-Studie bei metastasiertem Pankreaskarzinom wurden 2025 und 2026 auf den Jahrestagungen der American Association for Cancer Research (AACR) sowie der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt.
Nach Angaben des Unternehmens erreichte Daraxonrasib in dieser frühen Kohorte eine objektive Ansprechrate (ORR) von rund 40 bis knapp 50 Prozent in der Monotherapie, abhängig von Vortherapie und Subgruppe. In Kombination mit Chemotherapie wurden in ausgewählten Patientenkohorten höhere Ansprechraten berichtet.
Die Daten stammen aus einer laufenden, nicht vollständig publizierten Auswertung der frühen Studienarme. Eine vollständige, peer-reviewte Veröffentlichung steht bislang aus.
Ein Teil der Patienten zeigte dabei deutliche Tumorverkleinerungen, in seltenen Fällen auch komplette Remissionen im bildgebenden Verfahren nach RECIST-Kriterien. Die Dauer dieser Remissionen ist jedoch bislang nicht ausreichend dokumentiert.
Erste Phase-III-Daten mit Überlebenssignal
Ergänzend dazu wurden aus dem Phase-III-Programm RASolute 302 Zwischenanalysen präsentiert, die einen statistisch signifikanten Vorteil gegenüber Standardchemotherapie nahelegen. Laut Unternehmensangaben lag das mediane Gesamtüberleben unter Daraxonrasib bei rund 13 Monaten gegenüber etwa 6–7 Monaten im Kontrollarm.
Diese Ergebnisse wurden bislang primär über Unternehmensmitteilungen und Kongresspräsentationen kommuniziert und sind noch nicht vollständig in einer Fachzeitschrift mit Peer Review veröffentlicht.
Einordnung: Hohe Aktivität, offene klinische Fragen
Fachleute sehen in den Daten ein ungewöhnlich starkes Aktivitätssignal für eine Erkrankung, die bislang nur begrenzte therapeutische Fortschritte erlebt hat. Gleichzeitig bleibt die Einordnung vorsichtig.
Weder die Phase-I/II-Daten noch die aktuellen Phase-III-Zwischenergebnisse erlauben Aussagen über Heilung oder langfristige Krankheitskontrolle. Die Nachbeobachtungszeiten sind begrenzt, und insbesondere die Dauerhaftigkeit der Remissionen ist offen.
Auch die Frage, welche Patientengruppen besonders profitieren und wie sich Resistenzmechanismen entwickeln, ist Gegenstand laufender Forschung.
Klinischer Kontext bleibt schwierig
Das metastasierte Pankreaskarzinom zählt weiterhin zu den aggressivsten soliden Tumorerkrankungen. Die Erkrankung wird häufig erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert. Trotz moderner Therapien liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate insgesamt weiterhin im niedrigen einstelligen bis unteren zweistelligen Prozentbereich, abhängig vom Stadium bei Diagnosestellung.
Die bisherigen Daten zu Daraxonrasib markieren einen der bislang stärksten klinischen Hinweise auf Wirksamkeit einer gezielten KRAS-Inhibition beim Pankreaskarzinom. Sie ändern jedoch nichts an der grundlegenden Prognoseeinschätzung für die Erkrankung.
Ob aus den frühen Ansprechraten ein langfristiger Überlebensvorteil oder gar ein neuer Therapiestandard entsteht, müssen die laufenden Phase-III-Studien sowie unabhängige Publikationen in peer-reviewten Fachjournalen zeigen.
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