London/Cambridge – Ein Alphacoronavirus aus afrikanischen Fledermäusen kann menschliche Zellen über einen bislang unbekannten Mechanismus erreichen. Wie Forschende im Fachjournal Nature berichten, nutzt das Virus das Oberflächenprotein CEACAM6, das unter anderem in der menschlichen Lunge vorkommt, als Eintrittsfaktor.
Die Studie eines internationalen Teams unter Leitung des Pirbright Institute und der Universität Cambridge erweitert das Verständnis darüber, wie flexibel Coronaviren potenziell den Sprung auf den Menschen vorbereiten könnten.
Untersucht wurden Spike-Proteine verschiedener Alphacoronaviren aus Fledermäusen. Die meisten dieser Viren konnten keine bekannten menschlichen Rezeptoren nutzen. Bei einem Virus aus der afrikanischen Fledermausart Cardioderma cor (Stamm CcCoV-KY43) zeigte sich jedoch ein deutlicher Unterschied: Es war in der Lage, in menschliche Zellen einzudringen.
Der entscheidende Faktor ist das Protein CEACAM6. Wurde es experimentell in zuvor resistente Zellen eingebracht, ermöglichte dies den Viruseintritt. Strukturbiologische Analysen zeigen, dass das virale Spike-Protein gezielt an eine bestimmte Domäne dieses Proteins bindet – ein klassischer Schlüssel-Schloss-Mechanismus auf molekularer Ebene.
Hinweise auf eine Übertragung auf den Menschen gibt es bislang nicht. Blutproben aus betroffenen Regionen in Kenia zeigten keine Anzeichen früherer Infektionen. Die Autorinnen und Autoren betonen zudem, dass der Zell-Eintritt nur eine Voraussetzung für eine mögliche Übertragung ist. Für eine tatsächliche Ausbreitung wären weitere Anpassungen notwendig, etwa eine effiziente Virusvermehrung und Mechanismen zur Umgehung des Immunsystems.
Die Studie hat dennoch Signalwirkung: Sie legt nahe, dass Alphacoronaviren ein breiteres Spektrum an Eintrittswegen nutzen können als bislang angenommen. Ähnliche Viren könnten auch in anderen Regionen vorkommen.
Methodisch stützt sich die Arbeit auf einen computergestützten Ansatz, mit dem sich die genetische Vielfalt von Coronaviren systematisch analysieren lässt. Ziel ist es, potenziell zoonotische Viren frühzeitig zu identifizieren – noch bevor es zu einem Übersprung auf den Menschen kommt.
Auch wenn derzeit keine unmittelbare Gefahr besteht, liefert die Studie wichtige Hinweise darauf, wie neue Pandemieerreger entstehen könnten – und wie sich solche Risiken künftig besser erkennen lassen.
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