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  • 16. Mai 2026 9:57

Klimawandel und Extremwetter: Was die Wissenschaft tatsächlich zeigt

ByLena Wallner

Apr. 28, 2026

In der öffentlichen Debatte wird häufig die Frage gestellt, ob einzelne Extremwetterereignisse direkt dem Klimawandel zugeschrieben werden können. Die Klimaforschung beantwortet diese Frage differenziert: Ein konkretes Ereignis lässt sich in der Regel nicht eindeutig als Folge des Klimawandels „verursachen“. Wohl aber lässt sich heute mit hoher wissenschaftlicher Sicherheit sagen, dass sich Häufigkeit und Intensität vieler Extremereignisse durch die globale Erwärmung verändern.

Deutliche Unterschiede je nach Extremwettertyp

Der Sechste Sachstandsbericht des Weltklimarats zeigt ein klares, aber differenziertes Bild. Besonders deutlich sind die Veränderungen bei Hitzewellen. Hier kommt der IPCC zu dem Schluss, dass Häufigkeit und Intensität seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit durch menschlichen Einfluss zugenommen haben.

Auch bei Starkniederschlägen sieht die Wissenschaft robuste Hinweise auf eine Zunahme. In vielen Regionen der Nordhalbkugel werden sowohl intensivere Regenereignisse als auch höhere Niederschlagsmengen beobachtet. Physikalisch ist dieser Zusammenhang gut erklärbar: Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Wasserdampf aufnehmen, was die Wahrscheinlichkeit intensiver Regenfälle erhöht.

Anders stellt sich die Lage bei Dürren dar. Hier ist die Datenlage uneinheitlicher, da regionale Unterschiede und verschiedene klimatische Prozesse eine große Rolle spielen. Während in einigen Regionen eine Zunahme von Trockenheit beobachtet wird, lassen sich global keine eindeutig einheitlichen Trends feststellen. Der IPCC bewertet die Evidenz daher insgesamt vorsichtiger.

Was einzelne Ereignisse aussagen können

Um den Einfluss des Klimawandels auf konkrete Wetterereignisse zu untersuchen, hat sich in den vergangenen Jahren die sogenannte Event-Attribution-Forschung etabliert. Forschungsgruppen wie das World Weather Attribution-Netzwerk vergleichen dabei reale Wetterereignisse mit Klimamodellen einer hypothetischen Welt ohne menschengemachte Emissionen.

Die Ergebnisse dieser Analysen sind bemerkenswert: Die Hitzewelle in Europa im Jahr 2022 wurde in Teilen der Forschung um ein Vielfaches wahrscheinlicher durch den Klimawandel eingeordnet. Auch die extreme Hitzewelle im Nordwesten Nordamerikas 2021 gilt als Ereignis, das ohne globale Erwärmung nach heutigem Kenntnisstand äußerst unwahrscheinlich gewesen wäre. Beim Starkregen im Ahrtal 2021 zeigen Studien, dass die Niederschlagsintensität durch den Klimawandel messbar erhöht wurde, wenn auch in einem moderateren Ausmaß.

Diese Ergebnisse basieren nicht auf Vermutungen, sondern auf dem Vergleich von Beobachtungsdaten mit physikalisch fundierten Klimamodellen.

Physikalische Grundlagen

Die grundlegenden Mechanismen hinter diesen Veränderungen sind gut verstanden. Ein zentraler physikalischer Zusammenhang ist die Clausius-Clapeyron-Beziehung: Pro Grad Celsius Erwärmung kann die Atmosphäre etwa sieben Prozent mehr Wasserdampf speichern. Das erhöht das Potenzial für intensivere Niederschläge.

Bei Hitzewellen spielen zusätzlich atmosphärische Zirkulationsmuster eine Rolle. Bestimmte stabile Hochdrucklagen können sich unter veränderten Klimabedingungen länger halten oder häufiger auftreten – ein Forschungsfeld, das derzeit intensiv untersucht wird.

Dürren als komplexes Signal

Bei Dürren ist das Bild deutlich komplexer. Zwar zeigen einige Regionen – etwa der Mittelmeerraum oder Teile Nordamerikas – Hinweise auf zunehmende Trockenheit. Gleichzeitig gibt es jedoch Regionen ohne klare Trends oder sogar mit zunehmenden Niederschlägen.

Hinzu kommt, dass steigende Temperaturen die Verdunstung verstärken und damit die sogenannte atmosphärische Dürre begünstigen können. Ob sich diese Effekte tatsächlich in einer stärkeren Austrocknung der Böden niederschlagen, hängt jedoch stark von lokalen Bedingungen ab.

Ein klarer wissenschaftlicher Konsens – mit Abstufungen

Der IPCC fasst den Stand der Forschung entsprechend abgestuft zusammen:

Bei Hitzewellen besteht ein sehr hoher wissenschaftlicher Konsens, dass sie durch den Klimawandel häufiger und intensiver geworden sind.

Bei Starkniederschlägen ist die Evidenz in vielen Regionen ebenfalls hoch, wenn auch räumlich unterschiedlich ausgeprägt.

Bei Dürren bleibt die Unsicherheit größer, da regionale Faktoren eine entscheidende Rolle spielen.

Die wissenschaftliche Literatur zeichnet ein konsistentes Gesamtbild: Der Klimawandel verändert die physikalischen Bedingungen der Atmosphäre messbar und nachvollziehbar. Besonders deutlich zeigt sich das bei Hitzewellen, gefolgt von Starkniederschlägen. Bei Dürren bleibt die Lage komplexer und regional stark variabel.

Wichtig ist dabei eine zentrale Unterscheidung: Einzelne Wetterereignisse lassen sich nicht kausal dem Klimawandel „zuschreiben“. Ihre Wahrscheinlichkeit und Intensität jedoch sehr wohl im Kontext der globalen Erwärmung verstehen und einordnen.

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By Lena Wallner

Lena Wallner ist Journalistin und behandelt vor allem politische und gesellschaftliche Themen. Sie schreibt über aktuelle Entwicklungen und gesellschaftliche Zusammenhänge. Ihre Texte zeichnen sich durch ein ausgezeichnetes Netzwerk und die Einbindung relevanter Quellen aus.

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