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  • 16. Mai 2026 9:58

Neue Studie liefert Hinweise auf Gefäßschäden und Immunreaktionen bei Long Covid – auch bei jungen Menschen

ByDavid Aebischer

Apr. 26, 2026

Eine im April 2026 in der Fachzeitschrift Pediatric Research veröffentlichte Studie liefert erstmals detaillierte Einblicke in biologische Mechanismen von Long Covid bei Kindern und jungen Erwachsenen. Die Arbeit, an der Forschende aus den USA und Kanada beteiligt waren und die auch von der PolyBio Research Foundation unterstützt wurde, zeigt: Die Erkrankung geht mit messbaren Veränderungen im Blut einher – insbesondere mit sogenannten Mikrogerinnseln, Gefäßschäden und einer anhaltenden Aktivierung bestimmter Immunzellen.

Long Covid: Mehr als unspezifische Beschwerden

Long Covid – definiert als anhaltende oder neu auftretende Symptome nach einer SARS-CoV-2-Infektion – betrifft weltweit Millionen Menschen, darunter auch Kinder und junge Erwachsene. Zu den häufigsten Beschwerden zählen Erschöpfung, Atemprobleme sowie Herz-Kreislauf-Symptome wie Schwindel, Herzrasen oder Belastungsintoleranz.

Gerade bei jüngeren Patientinnen und Patienten war bislang unklar, welche biologischen Prozesse hinter diesen Symptomen stehen. Die neue Studie setzt genau hier an.

Studiendesign: Vergleich mit gesunden Kontrollpersonen

Untersucht wurden insgesamt 84 Personen im Alter von bis zu 25 Jahren, darunter

  • 61 mit diagnostiziertem Long Covid
  • 23 gesunde Kontrollpersonen

Die Forschenden analysierten Blutproben und erfassten systematisch Symptome. Im Fokus standen drei zentrale Bereiche:

  • Mikrogerinnsel („Microclots“) im Blut
  • Marker für Gefäßschäden (Endothel)
  • Aktivierung des angeborenen Immunsystems, insbesondere neutrophiler Granulozyten

Zentrale Ergebnisse

1. Deutlich erhöhte Mikrogerinnsel

Bei Long-Covid-Betroffenen fanden sich signifikant mehr und größere Mikrogerinnsel im Blut als bei gesunden Vergleichspersonen.

Diese sogenannten fibrin-amyloiden Mikrogerinnsel sind winzige Ablagerungen, die die Durchblutung in kleinsten Gefäßen beeinträchtigen könnten. Ihre genaue klinische Bedeutung ist noch nicht vollständig geklärt, doch sie gelten als möglicher Faktor für Symptome wie Müdigkeit oder Belastungsintoleranz.

2. Hinweise auf Gefäßschäden

Zusätzlich identifizierte das Forschungsteam Veränderungen in Biomarkern, die auf eine Schädigung und Umstrukturierung der Gefäßinnenwände (Endothel) hindeuten.

Solche Endothelveränderungen sind medizinisch relevant, da sie:

  • die Gefäßfunktion beeinträchtigen
  • Entzündungsprozesse verstärken
  • die Gerinnungsneigung erhöhen können

3. Aktiviertes Immunsystem: Neutrophile im Fokus

Ein zentrales Ergebnis ist die erhöhte Aktivität sogenannter neutrophiler Granulozyten, einer wichtigen Gruppe von Immunzellen.

Die Studie zeigt:

  • Erhöhte Werte von zellfreier DNA im Blut weisen auf die Bildung sogenannter Neutrophil Extracellular Traps (NETs) hin.
  • Diese NETs können Krankheitserreger binden, aber gleichzeitig auch Gefäßschäden verursachen.

Laborversuche deuten darauf hin, dass Bestandteile des Virus (insbesondere Spike-Protein-Komplexe) diese Prozesse auslösen können.

Ein mögliches Krankheitsmodell

Die Ergebnisse lassen sich zu einem biologischen Erklärungsansatz zusammenführen:

  1. Aktivierung des Immunsystems (insbesondere neutrophiler Zellen)
  2. Bildung von NETs
  3. Schädigung der Gefäßinnenwand
  4. Entstehung von Mikrogerinnseln
  5. Beeinträchtigung der Mikrozirkulation

Dieses Zusammenspiel könnte zentrale Symptome von Long Covid erklären – insbesondere solche, die das Herz-Kreislauf-System betreffen.

Bedeutung der Ergebnisse

Die Studie ist aus mehreren Gründen bemerkenswert:

  • Objektive Biomarker: Sie liefert messbare Hinweise auf biologische Veränderungen – ein wichtiger Schritt in einer bislang schwer greifbaren Erkrankung.
  • Junge Population: Da Kinder und junge Erwachsene weniger Vorerkrankungen haben, lassen sich krankheitsspezifische Mechanismen klarer erkennen.
  • Neue Ansatzpunkte: Mikrogerinnsel, Endothelschäden und NETs könnten künftig als diagnostische Marker oder therapeutische Ziele dienen.

Einordnung und Grenzen

Trotz der Bedeutung der Ergebnisse betonen die Forschenden selbst:

  • Die klinischen Folgen der gefundenen Veränderungen sind noch nicht vollständig geklärt.
  • Es bleibt offen, ob die Mikrogerinnsel Ursache oder Folge der Erkrankung sind.
  • Weitere Studien sind notwendig, um Therapieansätze abzuleiten.

Die neue Studie stärkt die wissenschaftliche Evidenz dafür, dass Long Covid keine rein subjektive oder psychosomatische Erkrankung ist, sondern mit klar nachweisbaren biologischen Veränderungen einhergeht – auch bei jungen Menschen.

Insbesondere die Kombination aus Mikrogerinnseln, Gefäßschäden und fehlregulierter Immunreaktion könnte ein zentrales Element der Krankheitsmechanismen darstellen.

Damit rückt die Forschung einen entscheidenden Schritt näher an ein besseres Verständnis – und langfristig auch an gezielte Behandlungsmöglichkeiten für Betroffene.

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By David Aebischer

David Aebischer ist Journalist und Autor mehrerer Bücher, darunter Romane und literarische Texte. Er schreibt zudem zu gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Themen. Seine Texte zeichnen sich durch Vielseitigkeit, klare Struktur und reflektierte Darstellung aus.

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