Der Schweizer Eishockey-Verband (SIHF) hat sich von Nationaltrainer Patrick Fischer getrennt. Der 50-Jährige wird freigestellt. Der Grund: Ein schwerer Vertrauensbruch aus dem Jahr 2022. Fischer reiste damals zu den Olympischen Winterspielen in Peking mit einem gefälschten Covid-Impfzertifikat – obwohl er nicht geimpft war. Laut Verband geschah dies ohne Wissen des SIHF und von Swiss Olympic.
Fischer selbst hat den Vorfall inzwischen eingeräumt. Am Montagabend bestätigte er, das falsche Zertifikat beschafft und verwendet zu haben. Gemäß Strafbefehl des Kantons Luzern aus dem Jahr 2023 bestellte er das Dokument über Telegram, zahlte rund 400 Franken in Bitcoin und lud es in die Covid-Cert-App hoch. Wegen Urkundenfälschung wurde er zu einer unbedingten Geldstrafe von rund 39’000 Franken verurteilt – die er bereits bezahlt hat.
SIHF-Präsident Urs Kessler machte klar: Vertrauen und Integrität seien im Sport zentral. Es gehe um Werte und Respekt, die 2022 nicht eingehalten worden seien. Der Verband gibt inzwischen zu, dass die frühere Einordnung als reine „Privatangelegenheit“ aus heutiger Sicht zu kurz gegriffen war. Man nehme die öffentliche Debatte über diese Werte ernst.
Als neuer Nationaltrainer übernimmt Jan Cadieux bereits vor der Heim-WM im Mai in Zürich und Fribourg. Der 46-Jährige war bisher Assistenztrainer und U20-Coach und hätte das Amt eigentlich erst danach antreten sollen.
Sportlich gibt es an Fischers Bilanz wenig auszusetzen. Seit 2015 formte er die Nati zu einem Top-Team, das mehrmals im WM-Final stand und drei Silbermedaillen holte. In der Weltrangliste kletterte die Schweiz zeitweise auf Platz zwei. Der Verband würdigte diese Leistungen ausdrücklich.
Die Trennung hat aber nichts mit sportlichen Gründen zu tun – sie erfolgt allein wegen des ethischen und rechtlichen Fehlverhaltens.
Ein Nationaltrainer ist mehr als nur ein Taktikgeber. Er ist Vorbild für junge Spieler und Repräsentant eines ganzen Verbandes. Der bewusste Verstoß gegen die damaligen Einreise- und Gesundheitsregeln in China hatte auch eine gesundheitspolitische Seite. Studien zur Pandemie (unter anderem im The Lancet) zeigen, dass hohe Impfquoten und transparente Zertifikate in engen Umfeldern wie Olympia das Übertragungsrisiko senken konnten. Wer solche Regeln umgeht, nimmt zumindest ein potenziell höheres Risiko für das gesamte Umfeld in Kauf.
Führungsforschung bestätigt ebenfalls: Wenn Führungspersonen einen Integritätsbruch begehen, leidet das Vertrauen im Team spürbar – das gilt besonders bei einer Nationalmannschaft, die weit über den Sport hinaus Symbolcharakter hat.
Der SIHF stand vor einer unangenehmen Abwägung: große sportliche Verdienste auf der einen, Glaubwürdigkeit und klare Werte auf der anderen Seite. Mit der Freistellung sendet der Verband ein deutliches Signal: Auch langjährige Erfolge geben keinen Freibrief, wenn das Vertrauen schwer beschädigt wurde. Fischers sportliche Leistung bleibt davon unberührt – sein Abschied hat trotzdem einen bitteren Beigeschmack.
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