Brüssel – Die Menschen in Europa werden im Durchschnitt zwar älter, verbringen in mehreren Ländern jedoch weniger Jahre ohne größere gesundheitliche Einschränkungen. Das zeigen aktuelle Daten von Eurostat.
Besonders deutlich ist der Rückgang in Schweden: Dort sank die Zahl der sogenannten gesunden Lebensjahre zwischen 2019 und 2023 von 73,3 auf 66,2 Jahre. Auch in Deutschland ging der Wert zurück – von 66,3 auf 62,5 Jahre. Im EU-Durchschnitt fiel er dagegen nur moderat von 64,6 auf 63,1 Jahre.
Der Indikator „gesunde Lebensjahre“ (Healthy Life Years) gibt an, wie viele Jahre eine Person voraussichtlich ohne erhebliche Einschränkungen im Alltag lebt. Er basiert auf einer Kombination aus Sterbetafeln und Befragungen zur selbst eingeschätzten Gesundheit (EU-SILC). Fachleute verweisen darauf, dass sowohl Veränderungen in der subjektiven Gesundheitswahrnehmung als auch methodische Effekte die zeitliche Vergleichbarkeit der Daten beeinflussen können.
Deutliche Rückgänge, aber komplexe Ursachen
Die teils starken Rückgänge in einzelnen Ländern lassen sich mit den vorliegenden Daten nicht eindeutig erklären. Auffällig ist, dass sowohl Staaten mit strikteren Pandemie-Maßnahmen als auch Länder mit weniger restriktiven Strategien betroffen waren. Ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen den nationalen Corona-Strategien und der Entwicklung der gesunden Lebensjahre lässt sich daraus nicht ableiten.
In der Diskussion werden verschiedene Faktoren genannt: direkte und indirekte Folgen von Covid-19-Infektionen, einschließlich möglicher Langzeitfolgen, verschobene oder ausgefallene Behandlungen anderer Erkrankungen, psychische Belastungen durch Isolation und wirtschaftliche Unsicherheit sowie mögliche Veränderungen in der Selbsteinschätzung der eigenen Gesundheit in Krisenzeiten.
Einordnung im europäischen Kontext
Trotz des Rückgangs zählt Schweden auch 2023 weiterhin zu den Ländern mit vergleichsweise hohen Werten bei den gesunden Lebensjahren, insbesondere bei Männern. Insgesamt zeigt sich in der EU ein heterogenes Bild mit teils deutlichen Unterschieden zwischen den Mitgliedstaaten.
Parallel dazu hat sich die allgemeine Lebenserwartung in vielen Ländern nach einem pandemiebedingten Einbruch wieder erholt und liegt teilweise bereits auf oder über dem Niveau vor der Pandemie. Dadurch wird die Lücke zwischen reiner Lebensdauer und gesunden Lebensjahren deutlicher sichtbar.
Bedeutung für die Gesundheitssysteme
Ein anhaltender Rückgang gesunder Lebensjahre könnte langfristig zu einer stärkeren Belastung der Gesundheitssysteme führen – etwa durch höheren Pflegebedarf und steigende Behandlungskosten. Gleichzeitig rücken Prävention, frühzeitige Versorgung und die Resilienz der Systeme stärker in den Fokus.
Die Eurostat-Daten liefern wichtige Hinweise auf Entwicklungen in der öffentlichen Gesundheit, erlauben jedoch keine abschließende Bewertung der Ursachen – insbesondere nicht im Hinblick auf die Pandemie und nationale Maßnahmen. Die vollständigen Datensätze sind im Eurostat-Databrowser unter dem Code hlth_hlye abrufbar (Stand: Juli 2025).
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