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  • 16. Mai 2026 10:39

Trump ignorierte seine Berater: Wie der Präsident trotz massiver interner Warnungen in den Krieg mit dem Iran zog

ByMatthias Walter

Apr. 12, 2026

KOMMENTAR

In den entscheidenden Wochen vor dem Beginn der US-Beteiligung am Konflikt mit dem Iran herrschte im Weißen Haus keine einheitliche Kriegsbegeisterung. Im Gegenteil: Die meisten engen Berater von Präsident Donald Trump warnten eindringlich vor einem großangelegten militärischen Engagement. Besonders Vizepräsident JD Vance und die Geheimdienste, darunter CIA-Direktor John Ratcliffe, malten ein düsteres Bild von regionaler Destabilisierung, hohen Kosten und politischem Schaden. Trump hörte zu – und entschied sich dennoch anders (How Trump Took the U.S. to War With Iran, The New York Times).

Der Auslöser für die intensiven internen Debatten war eine mehrstündige Präsentation des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu im Situation Room am 11. Februar 2026. Netanyahu skizzierte einen ambitionierten Plan: Eine gemeinsame US-israelische Operation solle Irans Raketenfähigkeiten zerstören, Aufstände im Land schüren und letztlich zum Sturz des islamischen Regimes führen. Trump reagierte unmittelbar positiv: „Sounds good to me.“ Viele im Raum waren jedoch skeptisch oder ablehnend (Report: This Is How Netanyahu Convinced Trump to Launch a War Against Iran, Haaretz).

Am deutlichsten positionierte sich Vizepräsident JD Vance gegen einen vollen Kriegseintritt. Er warnte Trump wiederholt vor den Risiken: Ein Regime-Change-Versuch könne zu unkontrollierbarem Chaos in der Region führen, hohe Opferzahlen fordern, die ohnehin knappen US-Munitionsvorräte weiter strapazieren und vor allem die Kernwählerschaft enttäuschen, die Trump mit dem Versprechen „no new wars“ ins Amt gebracht hatte. In der finalen Planungssitzung am 26. Februar brachte Vance es auf den Punkt: „You know I think this is a bad idea, but if you want to do it, I’ll support you.“ Damit war er die lauteste und konsequenteste kritische Stimme im inneren Zirkel (Vance most skeptical voice in Trump’s inner circle on Iran strikes, The Hill; sowie How Trump Took the U.S. to War With Iran, The New York Times).

Auch die Geheimdienstseite zeigte sich äußerst pessimistisch. CIA-Direktor John Ratcliffe und andere hochrangige Analysten bezeichneten die Regime-Change-Szenarien, die Netanyahu und Teile der israelischen Seite präsentierten, intern als „farcical“ – also lächerlich oder absurd. Die US-Intelligence bewertete die Erfolgschancen eines schnellen Zusammenbruchs des iranischen Regimes als gering und warnte vor unvorhersehbaren iranischen Vergeltungsmaßnahmen, insbesondere einer möglichen Sperrung der Straße von Hormuz. Sogar Außenminister Marco Rubio soll Teile der israelischen Präsentation als „bullshit“ abgetan haben (What Trump’s inner circle really thought of plan to go to war with Iran, Daily Mail).

Trotz dieser breiten Skepsis setzte sich letztlich Trumps eigenes „gut feeling“ durch. Der Präsident, der sich selbst als der hawkischste in seinem Team beschreiben ließ, vertraute stärker auf seine Instinkte und die enge Abstimmung mit Netanyahu als auf die vorsichtigen Analysen seiner Berater und der Geheimdienste. Verteidigungsminister Pete Hegseth gehörte zu den wenigen, die dem Kurs eher positiv gegenüberstanden. Die anderen Kritiker – darunter Vance – stellten sich nach der Entscheidung loyal hinter den Präsidenten und plädierten zumindest für einen schnellen, überwältigenden Schlag, falls der Krieg unvermeidbar sei.

Heute, wenige Wochen nach Beginn der Operationen und inmitten eines fragilen Ceasefire, zeigen sich einige der damals gewarnten Risiken bereits: steigende Energiepreise, regionale Spannungen und die Herausforderung, einen dauerhaften Ausstieg zu finden. Vance selbst leitet derzeit Verhandlungen, warnt Iran aber gleichzeitig öffentlich davor, die USA „zu spielen“.

Der Fall illustriert ein bekanntes Muster der Trump-Präsidentschaft: intensive interne Debatten, gefolgt von einer Entscheidung, die letztlich auf dem Bauchgefühl des Präsidenten beruht. Ob dieser Instinkt sich langfristig als richtig erweist oder die von Vance und den Geheimdiensten befürchteten Konsequenzen eintreten, wird die Geschichte zeigen. Fest steht: Trump wurde intern massiv abgeraten – und ging dennoch seinen Weg.

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By Matthias Walter

Matthias Walter ist Fachinformatiker, Autor und Kolumnist bei DMZ-News. Er schreibt zu Fußball und Sportkultur, Politik, politischer Philosophie, Gesellschaft, Lyrik und Essays. Seine Texte verbinden journalistische Recherche mit philosophischen und literarischen Perspektiven und zeichnen sich durch analytische Tiefe, kritische Reflexion und klare Argumentation aus.

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