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  • 12. April 2026 11:08

Der globale Meeresspiegel wurde systematisch unterschätzt – mit teils dramatischen Folgen

ByAnton Aeberhard

Apr. 8, 2026

Der globale Meeresspiegel und damit auch das Risiko von Küstenüberschwemmungen könnten deutlich höher sein als bislang angenommen. Eine neue wissenschaftliche Analyse kommt zu dem Schluss, dass zahlreiche Studien die tatsächliche Höhe des Meeresspiegels systematisch unterschätzt haben – in manchen Regionen sogar um mehrere Meter. Die Ergebnisse stellen bisherige Risikobewertungen für Küstengebiete weltweit in Frage.

Fehler in verbreiteten Erdmodellen

Die Untersuchung eines internationalen Forschungsteams unter Leitung von Wissenschaftlern der Wageningen University & Research analysierte rund 385 wissenschaftliche Arbeiten aus den Jahren 2009 bis 2025. Dabei zeigte sich, dass etwa 90 Prozent dieser Studien auf sogenannten Erdmodellen basieren, die den Meeresspiegel anhand von Faktoren wie Schwerkraft und Erdrotation berechnen.

Diese Modelle berücksichtigen jedoch zahlreiche Prozesse nicht ausreichend. Dazu zählen etwa Wind, Meeresströmungen, regionale Gezeiten, Wassertemperatur oder Salzgehalt. Diese Faktoren beeinflussen den tatsächlichen Meeresspiegel an Küsten erheblich und können lokal zu deutlich anderen Höhen führen als in den Modellen angenommen.

Die Folge: Die reale Höhe des Meeresspiegels an vielen Küsten liegt im Durchschnitt um etwa 24 bis 27 Zentimeter höher, als es zwei häufig verwendete globale Referenzmodelle angeben. In extremen Fällen können die Abweichungen sogar mehrere Meter betragen.

Millionen Menschen zusätzlich gefährdet

Die Korrektur dieser Messungen hat unmittelbare Konsequenzen für die Bewertung von Klimarisiken. Wird beispielsweise ein zukünftiger Meeresspiegelanstieg von einem Meter zugrunde gelegt, könnten weltweit bis zu 132 Millionen Menschen von Küstenüberschwemmungen betroffen sein. Frühere Studien gingen lediglich von etwa 34 bis 49 Millionen Betroffenen aus.

Besonders stark betroffen wären Regionen mit flachen Küsten oder niedrig gelegenen Inseln – etwa in Südostasien und im Indopazifik. In vielen dieser Gebiete fehlen präzise Vermessungsdaten, sodass die Modelle bislang vor allem auf Satelliteninformationen angewiesen sind.

Frühwarnsignal für Küstenregionen

Die Ergebnisse unterstreichen eine zentrale Herausforderung der Klimaforschung: Der Meeresspiegel steigt nicht überall gleich stark. Lokale Faktoren – etwa die Absenkung von Land durch Grundwasserentnahme oder tektonische Prozesse – können das Risiko zusätzlich verschärfen.

Zugleich hat sich der globale Meeresspiegelanstieg in den vergangenen Jahrzehnten deutlich beschleunigt. Hauptursachen sind die Erwärmung der Ozeane, die zur Ausdehnung des Wassers führt, sowie das Abschmelzen von Gletschern und großen Eisschilden etwa in Grönland und der Antarktis.

Konsequenzen für Klimaanpassung und Küstenschutz

Die neue Studie legt nahe, dass viele Risikoanalysen für Küstenstädte und Inselstaaten überarbeitet werden müssen. Wenn die Ausgangswerte des Meeresspiegels höher liegen als bislang angenommen, könnten auch Schutzmaßnahmen, Infrastrukturplanung und Evakuierungsstrategien neu bewertet werden müssen.

Für die Forschung bedeutet dies zugleich, dass künftig stärker regional differenzierte Modelle nötig sind, die lokale Prozesse berücksichtigen. Nur so lässt sich genauer abschätzen, welche Regionen besonders gefährdet sind – und wie viel Zeit für Anpassungsmaßnahmen tatsächlich bleibt.

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By Anton Aeberhard

Anton Aeberhard ist Journalist und schreibt zu gesundheitlichen, wissenschaftlichen sowie politischen und gesellschaftlichen Themen. Seine Beiträge befassen sich mit aktuellen Entwicklungen und deren Hintergründen. Seine Texte zeichnen sich durch analytische Tiefe und eine klare Gewichtung der zentralen Argumente aus.

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