KOMMENTAR
Das Pentagon hat via WSJ einen lesenswerten Bericht über eine eigene Drohne der «Shahed-Klasse» lanciert. Vermutlich motiviert durch die vielen Berichte über die eigenen Probleme mit ähnlichem Material des Irans.
Was das WSJ übersieht: Bereits seit der Operation «Spiderweb» der Ukraine ist diese Technologie breiter bekannt geworden. Auch Israel nutzte solche Drohnen in dem 12tägigen Angriff letztes Jahr, als man damit in der ersten Welle die Boden-Luft-Raketenstellungen des Irans ausschaltete, um die Hoheit im Luftraum zu erlangen.
Natürlich ist diese Technologie weiter, wir reden inzwischen von KI-gesteuerten Schwärmen in der Spitze. Dass die Amerikaner diese laut führender deutscher Rüstungsindustrie als Hausfrauendrohnen bezeichneten Systeme auch besitzen, ist nicht der Punkt. Das war klar – es geht aber um die Abwehr solcher Systeme und die hat letztlich bisher niemand.
Wobei die Europäer – außer den Ukrainern – sich dadurch auszeichnen, dass sie weder diese Technologie, noch irgendein Gegenmittel haben. Der Hausfrauen-Spruch lässt die Befürchtung zu, dass zu vielen Entscheidern bei uns sogar das Wissen über moderne Drohnentechnologie fehlt.
Drohnen im Vergleich: Zwei Systeme prägen den modernen Krieg
Im aktuellen Drohnenkrieg lassen sich vor allem zwei Typen unterscheiden, die sich in Reichweite, Bauweise und Einsatzzweck deutlich voneinander abheben.
Kleine FPV-Quadcopter (First-Person-View)
Diese kompakten, propellergetriebenen Drohnen sind vergleichsweise günstig – oft kosten sie nur wenige Tausend Franken. Sie sind sehr wendig, haben jedoch eine begrenzte Reichweite von etwa 10 bis 20 Kilometern. Gesteuert werden sie in der Regel in Echtzeit per Funk, häufig mithilfe einer Video-Brille.
Internationale Aufmerksamkeit erlangte ihr Einsatz bei der ukrainischen Operation „Spiderweb“ am 1. Juni 2025. Nach Angaben dazu schmuggelte der ukrainische Sicherheitsdienst SBU insgesamt 117 solcher FPV-Drohnen, darunter Modelle des Typs Osa, in eigens konstruierten Holzcontainern auf Lastwagen weit nach Russland hinein. Von dort aus gestartet, griffen sie aus unmittelbarer Nähe strategische Luftbasen an. Der Einsatz verdeutlichte, wie verwundbar selbst stark gesicherte Ziele durch vergleichsweise einfache und kostengünstige Drohnen sein können.
Größere Einweg-Kamikaze-Drohnen vom Shahed-Typ
Deutlich grösser sind sogenannte Kamikaze-Drohnen mit Deltaflügeln, etwa die iranische Shahed-136 oder die russische Geran-2. Sie erreichen Reichweiten von bis zu 2’000 Kilometern und werden ebenfalls von Propellern angetrieben. Technisch zählen sie zur sogenannten „Loitering Munition“: Sie können über einem Zielgebiet kreisen, bevor sie gezielt zum Angriff ansetzen.
Ein wesentlicher Vorteil dieser Systeme liegt in ihrer vergleichsweise einfachen und kostengünstigen Herstellung. Die Stückkosten werden häufig auf 20’000 bis 50’000 US-Dollar geschätzt, was ihren massenhaften Einsatz begünstigt.
Auch das US-Militär hat inzwischen ein ähnliches System entwickelt: LUCAS (Low-Cost Uncrewed Combat Attack System). Dabei handelt es sich um eine weitgehend an die Shahed-136 angelehnte Drohne, die laut Berichten des Wall Street Journal bereits bei Einsätzen im Nahen Osten verwendet wurde.
Ein zentrales Problem: die Kosten-Asymmetrie
Beide Drohnentypen machen ein grundlegendes Problem moderner Konflikte deutlich: die enorme Kosten-Asymmetrie. Während Angriffe mit solchen Drohnen vergleichsweise günstig sind, ist ihre Abwehr oft deutlich teurer. Flugabwehrsysteme wie Patriot oder Iris-T verursachen pro Einsatz erheblich höhere Kosten.
Vor diesem Hintergrund gilt die Entwicklung effizienter und zugleich kostengünstiger Abwehrsysteme – etwa auf Basis von Lasertechnologie, elektronischer Kampfführung oder speziellen Abfangdrohnen – derzeit als eine der zentralen Herausforderungen für westliche Streitkräfte.
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