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  • 12. April 2026 11:24

COVID-19-Pandemie verlangsamt Entwicklung der Exekutivfunktionen bei Kindern

ByLena Wallner

März 28, 2026

Längsschnittstudie aus Massachusetts zeigt Verzögerung kognitiver Selbstregulationsfähigkeiten

Boston/Massachusetts – Eine groß angelegte Längsschnittstudie deutet darauf hin, dass die COVID-19-Pandemie bei Kindern im Alter von drei bis elf Jahren mit einer verlangsamten Entwicklung der sogenannten Exekutivfunktionen verbunden war. Diese kognitiven Fähigkeiten steuern Aufmerksamkeit, Selbstkontrolle und zielgerichtetes Verhalten und sind entscheidend für schulischen Erfolg, Gesundheit und Wohlbefinden.

Die Studie mit dem Titel „The Impact of the COVID-19 Pandemic on Young Children’s Executive Function: A Longitudinal, Population-based Study“ wurde am 24. März 2026 in der Fachzeitschrift Child Development veröffentlicht. Forschende der Harvard University und der University of California, Berkeley – darunter Stephanie M. Jones, Caitlin M. Dermody, Jen Acosta, Nonie K. Lesaux und Alan F. Mozaffari – nutzten Daten der Early Learning Study at Harvard (ELS@H), einer repräsentativen, bevölkerungsbasierten Untersuchung.

Studienaufbau und Ergebnisse

Insgesamt wurden 3.107 Kinder untersucht. Die Datenerhebung erstreckte sich von 2018 bis 2023 – also vor, während und nach den Pandemiewellen. Getestet wurden die Kinder mit der standardisierten, tabletbasierten Minnesota Executive Function Scale (MEFS). Die ersten drei Erhebungswellen fanden persönlich, die vierte und fünfte virtuell statt.

Nach Beginn der Pandemie lag die durchschnittliche Wachstumsrate der Exekutivfunktionen um 0,5 Standardabweichungen unter dem entwicklungstypischen Niveau, wie es in früheren nationalen Normdaten beobachtet wurde. Dieser Effekt trat in allen untersuchten sozioökonomischen Gruppen auf. Vor der Pandemie bestehende Einkommensunterschiede in den Exekutivfunktionen verringerten sich, da Kinder unterschiedlicher sozialer Hintergründe ähnlich betroffen waren.

Stimmen der Autorinnen und Autoren

„Exekutivfunktion ist eine essenzielle kognitive Fähigkeit, die sich rasch in der frühen Kindheit entwickelt und durch frühe Erfahrungen geprägt wird. Wir waren daher nicht überrascht, dass eine extreme Störung wie die Pandemie die Entwicklung dieser Fähigkeiten beeinflussen könnte. Die Größenordnung unserer Befunde war jedoch überraschend“, erklären die Autorinnen und Autoren.

Weiter heißt es: „Vor der Pandemie war das bekannte Muster einer Einkommensabhängigkeit der Exekutivfunktionen in unserer Stichprobe vorhanden; nach Pandemiebeginn schienen sich die einkommensbasierten Unterschiede jedoch zu verringern.“

Einschränkungen der Studie

Die Forschenden weisen darauf hin, dass die Datenerhebung während der Pandemie angepasst werden musste (Wechsel von Präsenz- zu virtuellen Tests) und dass die Stichprobe ausschließlich aus Massachusetts stammt. Eine automatische Übertragung der Ergebnisse auf die gesamte US-Bevölkerung oder andere Länder ist daher nicht möglich. Zudem seien keine starken kausalen Aussagen über die Wirkung der Pandemie möglich, da andere Einflussfaktoren nicht vollständig ausgeschlossen werden konnten.

Die Studie wurde von der Saul Zaentz Charitable Foundation gefördert. Der vollständige Artikel ist unter DOI 10.1093/chidev/aacag003 abrufbar.

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By Lena Wallner

Lena Wallner ist Journalistin und behandelt vor allem politische und gesellschaftliche Themen. Sie schreibt über aktuelle Entwicklungen und gesellschaftliche Zusammenhänge. Ihre Texte zeichnen sich durch ein ausgezeichnetes Netzwerk und die Einbindung relevanter Quellen aus.

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