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  • 12. April 2026 10:32

Österreich greift in strategische Ölreserven

BySarah Koller

März 26, 2026

Wien – Der Hauptausschuss des österreichischen Nationalrats hat am Mittwoch die Freigabe von 325.000 Tonnen Rohöl aus den strategischen Notstandsreserven beschlossen. Hintergrund sind die aktuellen Verwerfungen am Ölmarkt, die durch den Krieg im Nahen Osten verstärkt werden. Mit der Maßnahme will die Regierung die Versorgung sichern und zugleich ein Signal an die Märkte senden. Der Beschluss fand die Zustimmung von ÖVP, SPÖ, NEOS und Grünen; die FPÖ stimmte dagegen.

Koordination auf internationaler Ebene

Die Entscheidung Österreichs ist Teil einer breiteren, von der Internationalen Energieagentur (IEA) koordinierten Aktion. Bereits am 11. März hatten die 32 Mitgliedsländer der IEA beschlossen, insgesamt 400 Millionen Barrel strategischer Reserven freizugeben – die größte derartige Maßnahme in der Geschichte der Organisation. Österreich beteiligt sich damit aktiv an der Stabilisierung der europäischen Versorgungssituation.

Wirtschafts- und Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) betonte, dass Österreich derzeit ausreichend versorgt sei. Gleichzeitig könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass der Konflikt in der Region zu Marktverwerfungen oder vorübergehenden Mangellagen führen könnte. „Die Freigabe der Reserven dient in erster Linie der Versorgungssicherheit. Eine unmittelbare Preisdämpfung steht nicht im Vordergrund, vielmehr geht es um ein klares Signal an die Märkte“, erklärte der Minister.

Rohöl statt Fertigprodukte – für den heimischen Markt

Die Freigabe erfolgt auf Grundlage einer ministeriellen Verordnung, die eine Zweidrittelmehrheit im Hauptausschuss benötigt. Die Erdöl-Lagergesellschaft (ELG) bietet die Rohölmenge der OMV, Betreiberin der einzigen Raffinerie Österreichs, zu marktüblichen Preisen an. Die OMV entscheidet über Annahme und Verarbeitung entsprechend ihrer Kapazitäten. Die daraus gewonnenen Treibstoffe dürfen ausschließlich in Österreich verkauft werden.

Ab 1. April werden zunächst 65.000 Tonnen bereitgestellt. Die Maßnahme ist auf sechs Monate angelegt. Die Entscheidung, Rohöl statt bereits veredelter Produkte freizugeben, soll die Verarbeitungskapazitäten schonen und eine schrittweise Versorgung sicherstellen. Durch diese Freigabe wird der Vorrat, der normalerweise 90 Tage abdeckt, um etwa elf Tage reduziert.

Eine Expertin aus dem Wirtschaftsministerium unterstrich, dass die Verordnung in enger Abstimmung mit der OMV entwickelt wurde. Die Wiederauffüllung der Reserven soll zu Marktpreisen erfolgen; die EU-Richtlinien werden den Zeitrahmen hierfür in Kürze festlegen.

Breite Unterstützung – unterschiedliche Perspektiven

Die Regierungsparteien und die Grünen stimmten der Maßnahme zu, wenn auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten. ÖVP-Abgeordneter Laurenz Pöttinger bezeichnete sie als „wichtiges Signal an die Bevölkerung“. Die SPÖ hob die Bedeutung politischer Geschlossenheit hervor. Grünen-Abgeordneter Lukas Hammer mahnte einen „sorgsamen Umgang“ mit den Reserven an und verwies auf mögliche Kapazitätsgrenzen der Raffinerie.

Die FPÖ lehnte die Maßnahme ab. Abgeordneter Paul Hammerl argumentierte, dass aktuell keine Versorgungslücke bestehe, sondern es primär um Preisentwicklungen gehe. Zudem warnte er vor möglichen Risiken bei der Wiederauffüllung der Reserven, falls die Ölpreise weiter steigen sollten.

Energiepolitische Debatten parallel

Die Freigabe der Ölreserven fällt in eine Woche intensiver energiepolitischer Diskussionen im Parlament. Gleichzeitig verhandelt die Regierung mit den Grünen über eine „Spritpreisbremse“, die eine zeitlich begrenzte Senkung der Mineralölsteuer sowie eine Begrenzung der Raffinerie- und Tankstellenmargen vorsieht. Auch dafür ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich; die FPÖ hat das Paket bereits abgelehnt.

Österreich bleibt weiterhin von fossilen Energieimporten abhängig. Die aktuelle Maßnahme ist ein klassisches Instrument der Krisenvorsorge, das die kurzfristige Versorgung absichert. Langfristig bleibt die Reduktion der Abhängigkeit von Öl und Gas ein zentraler Bestandteil der energiepolitischen Planung.

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By Sarah Koller

Sarah Koller schreibt vor allem zu Gesundheits- und Wissenschaftsthemen, behandelt aber auch soziale und historische Fragestellungen. Ihre Texte zeichnen sich durch Vielseitigkeit und die Fähigkeit aus, komplexe Inhalte verständlich aufzubereiten.

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