Eine umfassende bevölkerungsbasierte Untersuchung aus Schweden liefert neue Hinweise darauf, dass eine Infektion mit SARS-CoV-2 langfristige Auswirkungen auf das Immunsystem haben kann. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Menschen nach einer COVID-19-Erkrankung ein höheres Risiko haben, später am Pfeifferschen Drüsenfieber – medizinisch als infektiöse Mononukleose bezeichnet – zu erkranken.
Deutlich erhöhtes Risiko nach SARS-CoV-2-Infektion
Die Studie stützt sich auf nationale Gesundheitsdaten von rund 10 Millionen Personen im Alter von 3 bis 100 Jahren. Erfasst wurden Fälle aus dem Zeitraum von Januar 2020 bis November 2022.
Die zentralen Befunde zeigen ein deutlich erhöhtes Risiko: Personen mit nachgewiesener SARS-CoV-2-Infektion entwickelten häufiger eine Mononukleose als Menschen ohne dokumentierte COVID-19-Erkrankung.
- Bei milden Verläufen, erkennbar nur durch einen positiven Test, lag das Risiko um rund 61 Prozent höher.
- Nach schweren Verläufen, die einen Krankenhausaufenthalt erforderlich machten, stieg das Risiko sogar um das Mehrfache.
Auch die absoluten Fallzahlen bestätigen diesen Trend: Während in der Gruppe ohne COVID-19 etwa 4,6 Fälle pro 100.000 Personenjahre auftraten, lag die Rate nach Infektion deutlich höher.
Zusammenhang mit dem Epstein-Barr-Virus
Das Pfeiffersche Drüsenfieber wird in den meisten Fällen durch das weit verbreitete Epstein-Barr-Virus (EBV) ausgelöst. Mehr als 90 Prozent der Erwachsenen tragen dieses Virus in sich, häufig ohne Symptome.
Unter bestimmten Bedingungen – etwa bei geschwächtem Immunsystem – kann das Virus reaktiviert werden und Erkrankungen auslösen. Die Forschenden der schwedischen Studie sehen Hinweise darauf, dass diese Reaktivierung nach einer COVID-19-Infektion häufiger auftreten könnte.
Mögliche Ursache: gestörte Immunregulation
Die Autorinnen und Autoren führen den beobachteten Zusammenhang auf eine anhaltende Dysregulation des Immunsystems nach einer SARS-CoV-2-Infektion zurück. Diese Veränderungen könnten dazu führen, dass latente Viren wie EBV leichter wieder aktiv werden. Bereits frühere Untersuchungen hatten Ähnliches nahegelegt und gezeigt, dass EBV-Reaktivierungen mit Langzeitfolgen von COVID-19, etwa Long COVID, in Verbindung stehen könnten.
Einordnung der Ergebnisse
Die Studie gehört zu den bislang größten Analysen dieser Art und basiert auf hochwertigen Registerdaten, was ihre Aussagekraft stärkt. Gleichzeitig handelt es sich um eine Beobachtungsstudie. Ein kausaler Zusammenhang lässt sich daraus nicht eindeutig ableiten, auch wenn die Daten eine klare Assoziation zeigen.
Die Ergebnisse fügen sich jedoch in das wachsende Bild ein, dass COVID-19 nicht nur eine akute Atemwegserkrankung ist, sondern das Immunsystem nachhaltig beeinflussen kann – mit möglichen Konsequenzen für andere Infektionen und Erkrankungen.
Bedeutung für die öffentliche Gesundheit
Die neuen Erkenntnisse verdeutlichen, dass die langfristigen Auswirkungen von SARS-CoV-2 noch nicht vollständig verstanden sind. Neben bekannten Risiken rückt nun eine weitere mögliche Folge in den Fokus: eine erhöhte Anfälligkeit für Virusreaktivierungen.
Für die medizinische Praxis bedeutet dies, bei entsprechenden Symptomen nach einer COVID-19-Erkrankung auch EBV-assoziierte Erkrankungen in Betracht zu ziehen. Die Studie unterstreicht zudem, wie wichtig eine konsequente Prävention von Infektionen bleibt – insbesondere mit Blick auf mögliche Spätfolgen.
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