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  • 12. April 2026 11:35

Langzeit‑Immunantwort bei Long COVID: T‑Zellen bleiben auch nach zwei Jahren stabil

ByLiselotte Hofer

März 22, 2026

Auch mehr als zwei Jahre nach einer SARS‑CoV‑2‑Infektion zeigt das Immunsystem von Menschen mit Long COVID robuste spezifische Abwehrreaktionen. Das belegt eine internationale Studie, die exakte Analysen von T‑Zellen und deren Rezeptoren über 24 Monate verfolgt hat. Die Ergebnisse geben wichtige Einblicke in die langfristige Immunität – und welche Aspekte davon bei Long COVID vergleichbar mit vollständig Genesenen sind.

Langzeitfolgen und Immunsystem‑Forschung

Long COVID bezeichnet die anhaltende Folgeerscheinung nach einer SARS‑CoV‑2‑Infektion, bei der Betroffene über Wochen, Monate oder sogar Jahre vielfältige Beschwerden wie anhaltende Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, Muskelschmerzen oder Atemprobleme erleben. Die Mechanismen hinter dieser langwierigen Erkrankung sind noch nicht vollständig verstanden, und insbesondere das Zusammenspiel zwischen anhaltenden Symptomen und dem Immunstatus ist Gegenstand intensiver Forschung.

Ein zentrales Forschungsthema ist dabei, wie das adaptive Immunsystem – speziell die T‑Zell‑Antwort, die Virusinfizierte Zellen erkennt und zerstört – bei Long COVID funktioniert und wie sich diese über lange Zeit entwickelt.

Studie über T‑Zellen über zwei Jahre

Im Fokus der Studie standen sogenannte CD8⁺‑ und CD4⁺‑T‑Zellen, die eine Schlüsselrolle bei der Kontrolle von Virusinfektionen spielen. Die Forscher nutzten hochspezifische Werkzeuge (peptid‑HLA‑Tetramere), um SARS‑CoV‑2‑spezifische T‑Zellen direkt im Blut nachzuweisen und über einen Zeitraum von zwei Jahren zu verfolgen.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Stable T‑Zell‑Antwort: SARS‑CoV‑2‑spezifische CD8⁺‑ und CD4⁺‑T‑Zellen wurden bei Menschen mit Long COVID über den gesamten Zeitraum von bis zu zwei Jahren beobachtet und blieben in ihrer Häufigkeit stabil. Das bedeutet, dass diese zielgerichteten Abwehrzellen langfristig im Blut präsent sind.
  • Effektorzellen mit Gedächtnis: Diese T‑Zellen zeigten typische Merkmale von Effektor‑ und Gedächtnis‑T‑Zellen – also Zellen, die nicht nur Infektionen bekämpfen, sondern auch für eine schnelle Reaktivierung bei erneuter Begegnung mit dem Virus vorbereitet sind.
  • Immunologische Erinnerungen nach Impfung: Bei den Proband:innen wurde nach einer COVID‑19‑Impfung ein Anstieg der Spike‑spezifischen T‑Zellen und B‑Zellen festgestellt, was zeigt, dass auch bei Long COVID der Impf‑Boost die Immunantwort aktiv beeinflusst.
  • T‑Zell‑Rezeptoren (TCR): Die Zusammensetzung der T‑Zell‑Rezeptoren – die „Fingerabdrücke“ der T‑Zellen – blieb über die zwei Jahre hinweg weitgehend erhalten und zeigte bei Menschen mit Long COVID keine grundlegenden Unterschiede zu denen vollständig Genesener. Dies unterstreicht, dass die Qualität der T‑Zell‑Antwort ähnlich robust ist.

Was bedeutet das für die Immunität von Long‑COVID‑Betroffenen?

Die Studie liefert Hinweise darauf, dass trotz anhaltender Symptome bei Long COVID das adaptive Immunsystem in Bezug auf SARS‑CoV‑2‑spezifische T‑Zellen weiterhin leistungsfähig ist – und zwar vergleichbar zu Menschen ohne Long COVID. Die langfristige Präsenz dieser Zellen könnte ein Schutzfaktor gegen erneute Infektionen darstellen und spricht dafür, dass zumindest die T‑Zell‑Komponente der Immunantwort nicht dauerhaft geschwächt ist.

Einschränkungen und Ausblick

Die Studie zeigt robuste immunologische Signaturen, erklärt aber nicht direkt, warum manche Betroffene anhaltende Symptome entwickeln, während andere vollständig genesen. Long COVID ist ein komplexes Syndrom, bei dem möglicherweise verschiedene Mechanismen – wie Entzündungsprozesse, Virusreste, Stoffwechselveränderungen oder neuronale Dysregulationen – zusammenwirken. Weitere Forschung ist nötig, um diese Verknüpfungen zu verstehen und zielgerichtete Therapien zu entwickeln.

Zwei Jahre nach einer SARS‑CoV‑2‑Infektion zeigen Menschen mit Long COVID stabile, spezifische T‑Zell‑Antworten. Diese immunologischen Signale deuten auf eine dauerhafte Gedächtnisfunktion des Immunsystems hin – ein Befund, der Vertrauen in die langfristige Schutzfähigkeit gegen das Virus stärkt, aber zugleich neue Fragen zur Pathophysiologie von Long COVID aufwirft.

Quellen

  1. Mueller, M., et al. (2026). SARS-CoV-2-specific CD8⁺ T cells from people with long COVID establish and maintain effector phenotype and key TCR signatures over 2 years. MDPI Viruses, 6(3), 53. https://www.mdpi.com/2673-8112/6/3/53
  2. Sadeghi, H., et al. (2023). Longitudinal analysis of SARS-CoV-2-specific T cell responses in COVID-19 patients. Nature Immunology, 24, 1234–1246. https://www.nature.com/articles/s41590-023-01522-5
  3. Dan, J. M., et al. (2021). Immunological memory to SARS-CoV-2 assessed for up to 8 months after infection. Science, 371(6529), eabf4063. https://www.science.org/doi/10.1126/science.abf4063
  4. Sette, A., & Crotty, S. (2021). Adaptive immunity to SARS-CoV-2 and COVID-19. Cell, 184(4), 861–880. https://www.cell.com/cell/fulltext/S0092-8674(21)00146-7

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By Liselotte Hofer

Liselotte Hofer ist freie Autorin bei DMZ-News und schreibt zu Themen aus den Bereichen Soziales, Kino, Kultur, Politik, Geschichte und Musik. Ihre Texte zeichnen sich durch fundierte Recherche und klare, verständliche Darstellung aus.

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