Forscher der ETH Zürich und der Empa haben ein neuartiges Holzmaterial aus Sägemehl entwickelt, das deutlich schwerer entflammbar ist als herkömmliches Holz. Als Bindemittel dient das Mineral Struvit, dessen Kristallbildung die Wissenschaftler mithilfe eines Enzyms aus Wassermelonen-Kernen steuern. Erste Labortests zeigen: Das Material bietet einen deutlich besseren Brandschutz als unbehandeltes Holz.
Die Platten bestehen zu etwa 60 % aus Sägemehl – meist Fichtenholz – und zu 40 % aus Struvit. Im Vergleich zu herkömmlichen zementgebundenen Spanplatten ist der Anteil des Bindemittels deutlich geringer. Das macht die Platten leichter und ihre Herstellung energieeffizienter, da sie bei Raumtemperatur erfolgen kann. Sägemehl, Struvit und das Enzym werden in einer wässrigen Mischung verarbeitet, wodurch große Struvit-Kristalle entstehen, die die Holzpartikel mechanisch verbinden. Danach wird das Material zwei Tage lang verpresst und getrocknet.
In standardisierten Brandtests entzündet sich unbehandeltes Fichtenholz nach rund 15 Sekunden. Die neuen Platten benötigen mehr als dreimal so lange, bevor sich eine Flamme bildet. Unter Hitzeeinwirkung setzt Struvit Wasserdampf und Ammoniak frei. Diese Gase entziehen der Umgebung Wärme, verdrängen Sauerstoff und sorgen dafür, dass die Oberfläche des Holzes verkohlt – eine zusätzliche Brandschutzbarriere entsteht.
Mechanisch übertrifft das Material reines Fichtenholz in der Druckfestigkeit senkrecht zur Faserrichtung, sodass es grundsätzlich für den Innenausbau geeignet ist. Auch die Kreislauffähigkeit ist ein Vorteil: Nach Erhitzung auf über 100 °C kann das Sägemehl abgetrennt und der mineralische Rest wiederverwendet werden. Überschüssiger Struvit könnte als langsamer Phosphatdünger in der Landwirtschaft eingesetzt werden.
Das Verfahren beruht auf Arbeiten von Ronny Kürsteiner, Doktorand an der Professur für holzbasierte Materialien der ETH Zürich unter der Leitung von Prof. Ingo Burgert. Tests wurden teils gemeinsam mit Forschenden am Polytechnikum Turin durchgeführt. Die Ergebnisse wurden am 19. März 2026 in einer Mitteilung von ETH Zürich und Empa veröffentlicht.
Trotz der vielversprechenden Laborergebnisse ist die Marktreife noch offen. Struvit ist derzeit teurer als Zement oder synthetische Polymere. Eine wirtschaftliche Produktion wäre vor allem durch die Nutzung von Struvit-Ablagerungen aus Kläranlagen möglich, wo das Mineral bisher oft als unerwünschte Verkrustung anfällt. Zudem müssen größere Brandtests zeigen, ob das Material die erforderlichen Normen für den Einsatz in Gebäuden erfüllt.
Die Forschenden arbeiten nun daran, den Produktionsprozess zu optimieren und eine Skalierung zu prüfen. Ob sich das neue Holz tatsächlich in der Baupraxis durchsetzen kann, hängt vor allem von der wirtschaftlichen Machbarkeit ab.
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