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  • 12. April 2026 11:45

Persönliches Vermächtnis: Ein zentraler Motor von Trumps imperialer Außenpolitik

ByAnton Aeberhard

März 18, 2026

GASTKOMMENTAR von Istvan Dobozi

Die Literatur über amerikanische Schulen der Außenpolitik ist so umfangreich, dass man leicht den Überblick verlieren kann. Im Kern dominieren jedoch zwei große Traditionen. Der Idealismus betont den amerikanischen Exzeptionalismus und die weltweite Verbreitung demokratischer Werte. Der Realismus dagegen richtet den Blick auf Machtpolitik, das Gleichgewicht der Kräfte und den Einsatz militärischer und wirtschaftlicher Mittel.

Während seiner ersten Präsidentschaft wurde Donald Trump – geprägt von der Doktrin „America First“ – meist dem realistischen Lager zugeordnet. Häufig wurde er als moderner Isolationist beschrieben. Trump selbst bekräftigte dieses Bild mit der Erklärung: „Ich bin ein nationalistischer Präsident der Vereinigten Staaten – nicht der Welt.“

Seine Regierung zeigte sich gegenüber multilateralen Institutionen ausgesprochen skeptisch. Die Vereinigten Staaten traten aus mehreren internationalen Abkommen und Organisationen aus, und zeitweise drohte Trump sogar damit, das westliche Verteidigungsbündnis NATO zu verlassen.

Doch schon zu Beginn seiner zweiten Amtszeit widersprach Trump selbst dem Etikett des Isolationisten. In seiner Antrittsrede am 20. Januar 2025 sprach er offen von territorialem Wachstum. Die Vereinigten Staaten, sagte er, sollten sich wieder als „wachsende Nation“ verstehen – eine Nation, die ihren Wohlstand mehre, ihr Territorium erweitere und ihre Flagge „in neue und schöne Horizonte“ trage. Eine solche Rhetorik hatte man von einem amerikanischen Präsidenten seit mehr als einem Jahrhundert kaum gehört.

Alles andere als isolationistisch

Auch die Praxis seiner zweiten Amtszeit passt kaum zum Bild eines Isolationisten. Zwar stilisierte sich Trump immer wieder als „Präsident des Friedens“ und äußerte offen den Wunsch, eines Tages den Friedensnobelpreis zu erhalten. Gleichzeitig stützt sich seine Außenpolitik zunehmend auf harte Instrumente militärischen und wirtschaftlichen Drucks.

So ordnete er fast tausend Raketenangriffe in verschiedenen Ländern an – darunter Iran, Venezuela, Syrien, Irak, Somalia, Jemen und Nigeria. Parallel griff er geopolitische Ideen auf, die lange als politisch undenkbar galten: die Annexion Grönlands vom verbündeten Staat Dänemark, die Vorstellung, Kanada könne „unser 51. Bundesstaat“ werden, oder die Forderung, die Vereinigten Staaten müssten den Panamakanal „zurückholen“.

Zuletzt kam ein weiteres Element hinzu: die offene Unterstützung eines Regimewechsels im Iran als mögliches Ziel gemeinsamer amerikanisch-israelischer Militärschläge.

Über Jahrzehnte hinweg orientierte sich amerikanische Außenpolitik an großen strategischen Konzepten – internationaler Ordnung, amerikanischer Führung, Abschreckung, Machtgleichgewicht, internationalen Normen und kollektiver Sicherheit. Präsidenten unterschieden sich in Ideologie und Stil, doch sie teilten eine grundlegende Annahme: Außenpolitik diene dazu, ein komplexes internationales System zu stabilisieren und zu steuern.

Trumps zweite Amtszeit markiert hier einen Bruch.

Für viele Beobachter wirkt seine Außenpolitik impulsiv, transaktional, teilweise chaotisch und schwer vorhersehbar – besonders vor dem Hintergrund eines eskalierenden globalen Zollkonflikts und einer sichtbaren Schwächung der regelbasierten internationalen Ordnung. Doch ganz ohne Logik ist dieser Kurs nicht.

Was auf den ersten Blick wie Unordnung wirkt, folgt häufig einem Muster: einer Außenpolitik, in der institutionelle Strategie zunehmend durch einer Ein-Mann-Show ersetzt wird.

Personalistische Außenpolitik –

Trumps Ansatz erinnert an ein Modell der Außenpolitik, das man eher aus autoritären Systemen kennt und auf einen dominanten Führer zugeschnitten ist.

Gerade deshalb wirkt dieser Stil im Kontext der amerikanischen politischen Kultur ungewöhnlich.

Trumps außenpolitisches Verhalten zeigt mehrere charakteristische Eigenschaften: ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Status und Anerkennung, eine stark transaktionale Denkweise, sowie eine gewisse Neigung, institutionelle Regeln im In- und Ausland zu umgehen oder zu ignorieren.

Häufig ersetzt er klassische diplomatische Verfahren durch persönliche Beziehungen zwischen Staats- und Regierungschefs. Dahinter steht die Annahme, direkte Kontakte zwischen politischen Führern könnten strukturelle Interessenkonflikte überlagern.

Das erklärt auch seine auffällige Nähe zu autoritären Politikern wie Putin, Xi, Kim Jong Un oder Viktor Orbán. So lässt sich auch erklären, warum seine politischen Kurswechsel mitunter abrupt erfolgen – ausgelöst durch persönliche Kränkungen oder durch demonstrative Gesten der Bewunderung. Darauf haben sich viele ausländische Regierungschefs inzwischen eingestellt. Sie versuchen, Trumps emotionale Reaktionen durch Schmeicheleien, symbolische Gesten, wertvolle Geschenke oder öffentlichkeitswirksame Lobhudeleien zu beeinflussen.

Trump selbst formulierte seine politische Philosophie einmal schlicht: „Ein starker Staat braucht einen starken Führer.“ Seine Diplomatie ähnelt deshalb in mancher Hinsicht dem hyperaktiven Stil, der häufig mit der Herrschaft starker Männer verbunden ist – allerdings ohne die institutionelle Disziplin, die in etablierten autoritären Systemen oft vorhanden ist.

Der Präsident, der sich selbst gern als „Künstler“ des Geschäftsabschlusses beschreibt, ist überzeugt, dass der Ausgang internationaler Verhandlungen weniger von Regeln und Institutionen abhängt als davon, wer am Verhandlungstisch sitzt.

Der Wunsch nach historischem Vermächtnis

Das eigentliche ordnende Prinzip von Trumps Außenpolitik liegt daher möglicherweise nicht in der Verwaltung globaler Ordnung oder im Erhalt westlicher Bündnisse. Im Mittelpunkt steht vielmehr etwas Persönlicheres: das historische Vermächtnis des Präsidenten. Er hat mehrfach angedeutet, in welche historische Reihe er sich einordnen möchte. In seiner Antrittsrede verwies er auf amerikanische Präsidenten wie James K. Polk, William McKinley und Theodore Roosevelt – Politiker, die die geopolitische Landkarte neu formten und den Einfluss der Vereinigten Staaten Mitte des 19. Jahrhunderts erheblich erweiterten.

Die Vereinigten Staaten dehnten sich auf riesige Gebiete aus, darunter Texas, Kalifornien, Arizona und New Mexico. An diese Präsidenten wird weniger wegen innenpolitischer Reformen als wegen territorialer Expansion erinnert.

Trumps Vorstellung politischer Größe bewegt sich auf einer ähnlichen Ebene. Historische Bedeutung misst sich für ihn nicht daran, Bündnisse zu stabilisieren oder internationale Ordnung zu managen. Entscheidend ist vielmehr, etwas Dauerhaftes zu hinterlassen: Territorium, strategische Wasserwege oder neue Einflusssphären.

Das Element persönlicher Eitelkeit ist dabei kaum zu übersehen. Trump sucht gezielt nach Erfolgen, die dramatisch, leicht zu vermarkten und einprägsam sind – „historisch“, „beispiellos“ und eindeutig mit seinem Namen verbunden.

Auch sein Friedensrat (Board of Peace), den er beim Weltwirtschaftsforum in Davos vorstellte, passt in dieses Muster. Das Projekt basiert auf der Annahme, internationale Konflikte ließen sich vor allem durch direkte Verhandlungen mit Donald Trump und weniger durch internationale Institutionen oder rechtliche Verfahren lösen.

Grenzen personalisierter Machtpolitik

Die Realität der internationalen Politik setzt solchen Ambitionen jedoch Grenzen. Das zeigte sich bereits in der Debatte über eine mögliche Annexion Grönlands. Die Eingliederung der größten Insel der Erde würde das Territorium der Vereinigten Staaten um etwa 22 Prozent vergrößern – die größte territoriale Expansion seit dem 19. Jahrhundert.

Doch hier stießen persönliche Ambitionen auf institutionelle Beschränkungen: Bündnisverpflichtungen innerhalb der NATO, europäische Geschlossenheit und die Normen der modernen internationalen Ordnung.

Ähnliche Probleme könnten auch seinen Friedensrat begleiten. Die Initiative hängt stark von Trumps persönlicher Autorität ab und verfügt bislang über begrenzte internationale Legitimität. Daher wollen da westliche Demokratien kaum teilnehmen.

Ohne breite internationale Unterstützung wirkt das Projekt weniger wie eine dauerhafte diplomatische Institution als vielmehr wie ein politisches Bühnenrequisit – eines, das vor allem Trumps Image als „Präsident des Friedens“ stärken soll.

Der Krieg gegen Iran

Auch der gegenwärtige amerikanische Luftangriff gegen den Iran passt in dieses Muster einer personalisierten Außenpolitik. Er scheint weniger aus langen Beratungen mit Verbündeten oder dem US-Kongress hervorgegangen zu sein als aus dem persönlichen Urteil des Präsidenten. Trump rechtfertigte die Operation öffentlich mit der Hoffnung, sie könne den Iranern eine Gelegenheit geben, ihre Regierung zu stürzen – obwohl amerikanische Geheimdienste dieses Ziel nicht eindeutig stützten. Kritiker sehen deshalb einen klassischen „Krieg aus freier Entscheidung“. Eine unmittelbare iranische Bedrohung für die Vereinigten Staaten wurde öffentlich nicht nachgewiesen. Frühere Einschätzungen amerikanischer Geheimdienste gingen sogar davon aus, dass Iran noch viele Jahre keine Interkontinentalraketen besitzen würde, die die USA erreichen könnten.

Ein möglicher Hintergrund ist Trumps früheres Vorgehen gegen das Regime von Nicolás Maduro in Venezuela. Der Präsident selbst zog mehrfach Parallelen und stellte diese Intervention als Beispiel für entschlossenes amerikanisches Handeln dar.

Auf im Falle Iran könnte der Wunsch nach historischem Ruhm eine Rolle spielen. Trump könnte als der Präsident in Erinnerung bleiben wollen, der das seit Jahrzehnten ungelöste „Iran-Problem“ endgültig gelöst hat.

Eine neue Logik der amerikanischen Außenpolitik

Trumps Persönlichkeit ist damit kein Nebenaspekt, sondern ein zentraler Motor amerikanischer Außenpolitik in seiner zweiten Amtszeit. Prioritäten verschieben sich: persönliches Vermächtnis rückt vor systemische Stabilität, Zwang vor institutionelle Zusammenarbeit.

Zwar setzen strukturelle Kräfte der amerikanischen Außenpolitik weiterhin Grenzen. Doch innerhalb dieser Grenzen hängt der konkrete Kurs stärker als früher von der Person des Präsidenten ab. Damit verändert sich auch die Logik internationaler Politik. Außenpolitik wird improvisierter, stärker von persönlicher Intuition, spontanen Impulsen und Loyalitäten zwischen einzelnen Führern geprägt.

Sollte sich eine Weltordnung herausbilden, die stärker von dominanten Persönlichkeiten geprägt ist – etwa von Politikern wie Trump, Putin oder Xi –, könnte das institutionelle internationale System, das im 20. Jahrhundert entstand, allmählich erodieren.

An seine Stelle träte eine personalisierte Weltordnung, in der die Ambitionen einzelner Machthaber das internationale Geschehen bestimmen.

Eine stabile Perspektive ist das nicht.

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By Anton Aeberhard

Anton Aeberhard ist Journalist und schreibt zu gesundheitlichen, wissenschaftlichen sowie politischen und gesellschaftlichen Themen. Seine Beiträge befassen sich mit aktuellen Entwicklungen und deren Hintergründen. Seine Texte zeichnen sich durch analytische Tiefe und eine klare Gewichtung der zentralen Argumente aus.

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