Möchten Sie Push-Benachrichtigungen von unserer Zeitung erhalten? Ja Nein, danke
  • 12. April 2026 11:17

Freitag, der 13.: Mythos, Angst und Fakten

ByDavid Aebischer

März 13, 2026

Der Freitag, der 13., gilt in weiten Teilen der westlichen Welt als Inbegriff des Unglücks. Millionen Menschen meiden an diesem Tag Flugreisen, Autofahrten oder wichtige Entscheidungen – mit messbaren volkswirtschaftlichen Folgen. Eine Schätzung aus dem Jahr 2003 bezifferte den Schaden allein in den Vereinigten Staaten auf 800 bis 900 Millionen Dollar pro Vorkommen, weil Betroffene Termine absagen oder im Bett bleiben.

Die irrationale Angst vor diesem Datum trägt sogar einen eigenen Fachbegriff: Paraskavedekatriaphobie (aus dem Griechischen: paraskeví = Freitag, dekatria = dreizehn, phobía = Angst). Doch woher stammt dieser Aberglaube wirklich? Und hält er einer historischen und wissenschaftlichen Prüfung stand?

Historische Wurzeln: Getrennte Traditionen, späte Verschmelzung

Die Vorstellung, dass Freitag der 13. per se Unglück bringt, ist kein uralter Volksglaube, sondern ein vergleichsweise junges Phänomen. Die beiden Elemente – der Wochentag Freitag und die Zahl 13 – waren lange Zeit getrennt negativ besetzt.

Die Zahl 13 galt bereits in vorchristlicher Zeit als störend, weil sie die „vollkommene“ Zwölf durchbricht: zwölf Monate, zwölf olympische Götter, zwölf Stämme Israels, zwölf Apostel. In der nordischen Mythologie erschien Loki als 13. Gast beim Trauermahl für Balder und löste durch seinen Verrat eine Katastrophe aus. Im Christentum verstärkte sich das Bild durch das letzte Abendmahl: Judas als 13. Teilnehmer verriet Jesus.

Der Freitag wiederum wurde im Christentum zum Trauertag, weil Jesus an einem Freitag gekreuzigt wurde (Karfreitag). Hinzu kamen Legenden, wonach Adam und Eva am Freitag vom verbotenen Apfel aßen. In der Antike hingegen war der Freitag der Aphrodite/Venus geweiht und galt als Glückstag – ein Wandel, den erst das Christentum vollzog.

Die Kombination beider Elemente taucht erst im 19. Jahrhundert auf. Die frühesten dokumentierten Erwähnungen finden sich in französischen Quellen:

Die Verschmelzung zum allgemeinen Unglückstag wurde in der angelsächsischen Welt durch den Bestseller-Roman Friday, the Thirteenth des US-Finanzmagnaten Thomas W. Lawson (1907) populär gemacht. Lawson schildert darin einen Börsencrash, der ausgerechnet an einem Freitag, den 13., beginnt – und trug damit maßgeblich zur Verbreitung des Mythos bei.

Oft wird auch der 13. Oktober 1307 als Ursprung genannt: An diesem Freitag ließ König Philipp IV. von Frankreich die Templer verhaften. Historiker sehen darin jedoch keinen Beleg für die Entstehung des Aberglaubens – die Assoziation entstand erst Jahrhunderte später. In Deutschland erschien der kombinierte Unglückstag erst in den 1950er-Jahren in der Presse; davor galt der Freitag im protestantischen Norden sogar als Glückstag („Freien“ = heiraten).

Wissenschaftliche Betrachtung: Kein statistisch messbares Unglück

Die moderne Forschung hat den Aberglauben mehrfach empirisch geprüft – mit ernüchterndem Ergebnis. Mehrere Studien untersuchten Verkehrsunfälle, Krankenhauseinweisungen und Todesfälle:

  • Eine britische Untersuchung aus dem British Medical Journal (1993) analysierte den Verkehr auf der Londoner M25 an fünf Freitagen, den 13. Im Vergleich zu Kontroll-Freitagen fuhren 1,4 % weniger Menschen auf der Autobahn – doch die relative Unfallrate pro Fahrer stieg scheinbar um bis zu 52 %. Die Autoren vermuteten, dass ängstliche Fahrer vorsichtiger, aber auch unkonzentrierter unterwegs seien.
  • Die finnische Studie von Simo Näyhä (2002, American Journal of Psychiatry) fand bei Frauen ein um 63 % erhöhtes Risiko tödlicher Verkehrsunfälle an Freitagen, den 13. (adjustiertes Risikoverhältnis 1,63). Bei Männern gab es keinen Unterschied. Die Autoren führten dies auf superstitionsbedingte Angst zurück.
  • Die Nachfolgeuntersuchung von Ilkka Radun und Heikki Summala (2004, BMC Public Health) widerlegte diesen Effekt: In einer größeren finnischen Datenbasis (1989–2002) zeigten sich weder bei Frauen noch bei Männern signifikante Unterschiede in Unfallzahlen, Verletzten oder Toten.

Deutsche und schweizerische Statistiken (u. a. ADAC, Zurich Versicherung) bestätigen einheitlich: Es passieren an Freitagen, den 13., nicht mehr Unfälle oder Schäden als an anderen Freitagen. Der Wochentag und die Tageszeit sind weit relevantere Risikofaktoren.

Psychologen erklären das Phänomen mit self-fulfilling prophecy: Die bloße Erwartung von Unglück kann Stress erhöhen, Aufmerksamkeit mindern und damit tatsächlich kleine Risiken steigern – oder im Gegenteil zu übertriebener Vorsicht führen. Verhaltensforscherin Jane Risen (University of Chicago) zeigte in Experimenten, dass selbst Nicht-Aberglaubische negativer urteilen, wenn ein Ereignis „prophezeit“ wurde.

Fazit: Ein kulturelles Konstrukt ohne objektive Grundlage

Freitag, der 13., ist kein historisch verbürgter Unglückstag, sondern das Produkt einer späten Verschmelzung christlicher, mythologischer und literarischer Motive im 19. Jahrhundert. Wissenschaftlich betrachtet ist er statistisch ein Tag wie jeder andere. Die anhaltende Wirkung verdankt er allein der Macht des Glaubens – und der menschlichen Neigung, Muster in Zufällen zu sehen.

Wer dennoch ein mulmiges Gefühl verspürt, kann sich daran halten: Der Aberglaube schadet nur denen, die ihm glauben. Für alle anderen ist Freitag, der 13., einfach ein Tag wie jeder andere – vielleicht mit etwas mehr Achtsamkeit, um das Leben bewusst zu genießen.

Bitte geben Sie in Ihrer E-Mail die folgenden Informationen sachlich an: Ort des Fehlers: Geben Sie uns die genaue URL/Webadresse an, unter der Sie den Fehler gefunden haben.

Wenn Sie einen Fehler entdecken, der Ihrer Meinung nach korrigiert werden sollte, teilen Sie ihn uns bitte mit, indem Sie an feedback@dmz-news.online schreiben. Wir sind bestrebt, eventuelle Fehler zeitnah zu korrigieren, und Ihre Mitarbeit erleichtert uns diesen Prozess erheblich.

Beschreibung des Fehlers:

Teilen Sie uns bitte präzise mit, welche Angaben oder Textpassagen Ihrer Meinung nach korrigiert werden sollten und auf welche Weise. Wir sind offen für Ihre sinnvollen Vorschläge.

Belege: Idealerweise fügen Sie Ihrer Nachricht Belege für Ihre Aussagen hinzu, wie beispielsweise Webadressen. Das erleichtert es uns, Ihre Fehler- oder Korrekturhinweise zu überprüfen und die Korrektur möglichst schnell durchzuführen. Wir prüfen eingegangene Fehler- und Korrekturhinweise so schnell wie möglich.

Vielen Dank für Ihr konstruktives Feedback!

Seit unserer Gründung setzt sich die DMZ dafür ein, dass verlässliche Informationen für alle zugänglich sind. In einer Zeit, in der Desinformation und soziale Medien die Nachrichtenlandschaft prägen, ist unabhängiger Journalismus wichtiger denn je.

Wir glauben daran, dass jede und jeder das Recht hat, faktenbasierte, hochwertige Nachrichten zu erhalten – ohne Paywall und ohne Unterbrechungen. Unser Ziel ist es, Journalismus zu machen, der informiert, erklärt und Vertrauen schafft.

Unsere Leserinnen und Leser sind das Herzstück dieser Arbeit. Nur durch Ihre Unterstützung können wir weiterhin unabhängig, kritisch und engagiert berichten. Jeder Beitrag – egal wie klein – hilft uns, dieses Ziel zu erreichen.

Helfen Sie mit, Journalismus frei zugänglich zu halten. Unterstützen Sie die DMZ noch heute.

By David Aebischer

David Aebischer ist Journalist und Autor mehrerer Bücher, darunter Romane und literarische Texte. Er schreibt zudem zu gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Themen. Seine Texte zeichnen sich durch Vielseitigkeit, klare Struktur und reflektierte Darstellung aus.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert