Bern – Eine Delegation der Expertengruppe GREVIO des Europarats besucht in dieser Woche die Schweiz, um zu prüfen, wie das Land die Istanbul-Konvention zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt umsetzt. Der Besuch dauert vom 9. bis 13. März und fällt in die Woche des Internationalen Frauentags.
Die Schweiz hat die Konvention 2018 ratifiziert und sich damit verpflichtet, Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt konsequent zu verhindern, Betroffene besser zu schützen und Täter strafrechtlich zu verfolgen. Wie alle Vertragsstaaten wird auch die Schweiz regelmäßig von der unabhängigen Expertengruppe GREVIO überprüft. Diese bewertet anhand von Staatenberichten, Länderbesuchen und Gesprächen mit Behörden sowie zivilgesellschaftlichen Organisationen, wie die Vorgaben der Konvention praktisch umgesetzt werden.
Grundlage des aktuellen Besuchs ist der zweite Staatenbericht der Schweiz, den der Bundesrat im September 2025 verabschiedet hat. Darin zieht die Regierung eine Zwischenbilanz der Maßnahmen seit der ersten Evaluierung im Jahr 2021. Der Bericht befasst sich unter anderem mit Entwicklungen in der Prävention, im Opferschutz und in der Strafverfolgung sowie mit neuen statistischen Erkenntnissen zu häuslicher Gewalt.
Ein zentraler Rahmen für die Umsetzung ist der Nationale Aktionsplan gegen Gewalt 2022–2026. Er umfasst Maßnahmen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit, zur Aus- und Weiterbildung von Fachkräften sowie zur Bekämpfung sexualisierter und sexistischer Gewalt. Geplant sind unter anderem die Einführung einer zentralen dreistelligen Telefonnummer für Opferhilfe im Mai 2026 sowie eine landesweite Prävalenzstudie zu Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt, die für 2027 vorgesehen ist.
Trotz verschiedener Initiativen bleibt das Problem erheblich. Nach Angaben der Polizeistatistik wurden im Jahr 2024 insgesamt 21 127 Straftaten im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt registriert. Rund 70 Prozent der Opfer waren Frauen.
Frauenorganisationen und zivilgesellschaftliche Netzwerke sehen daher weiterhin Handlungsbedarf. Das Netzwerk Réseau Convention d’Istanbul fordert unter anderem eine verlässlichere Finanzierung von Frauenhäusern, eine bessere Koordination zwischen Bund und Kantonen sowie stärkere Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Gruppen – etwa Migrantinnen, Frauen mit Behinderungen oder queere Personen.
Während ihres Aufenthalts führt die GREVIO-Delegation Gespräche mit Behörden, Fachstellen, Opferschutzorganisationen und Vertreterinnen der Zivilgesellschaft. Ziel ist es, ein möglichst umfassendes Bild über die praktische Umsetzung der Konvention zu gewinnen.
Der neue Evaluierungsbericht von GREVIO wird voraussichtlich bis Ende 2026 veröffentlicht. Er dürfte maßgeblich beeinflussen, welche weiteren Schritte die Schweiz in den kommenden Jahren im Kampf gegen Gewalt gegen Frauen unternehmen wird.
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