Bern – Bei den eidgenössischen Volksabstimmungen am Sonntag entschieden die Stimmberechtigten über vier Vorlagen. Die Volksinitiative «200 Franken sind genug!» (SRG-Halbierungsinitiative) wurde deutlich abgelehnt. Das Bundesgesetz über die Individualbesteuerung wurde knapp angenommen und schafft damit die Heiratsstrafe ab. Die Klimafonds- und die Bargeld-Initiative wurden abgelehnt, während der direkte Gegenentwurf zur Bargeld-Initiative breite Zustimmung erhielt. Die landesweite Stimmbeteiligung lag nach ersten Schätzungen bei rund 45 Prozent.
SRG-Halbierungsinitiative deutlich abgelehnt
Die Initiative «200 Franken sind genug!» wollte die Serafe-Gebühr (Radio- und Fernsehgebühr) auf maximal 200 Franken pro Haushalt senken und Unternehmen vollständig von der Abgabe befreien. Laut Hochrechnungen von gfs.bern sowie der Tamedia- und Leewas-Gruppe stimmten rund 62 Prozent gegen die Initiative, 38 Prozent dafür (Fehlerbereich ±2 %). Auch das Ständemehr fiel negativ aus, da die Vorlage in den meisten Kantonen abgelehnt wurde.
Die Initiative wurde von der SVP-nahen Gruppe «No Billag 2.0» lanciert. Ein Ja hätte die Finanzierung der SRG SSR etwa halbiert und zu erheblichen Einschnitten bei Radio-, TV- und Online-Angeboten geführt – insbesondere in den Regionen und bei Minderheitensprachen. Die klare Ablehnung wird als Vertrauensbeweis für das duale Mediensystem aus öffentlich-rechtlichem und privatem Rundfunk gewertet. SRG-Direktorin Susanne Wille bezeichnete das Ergebnis als «starkes Signal für unabhängigen Journalismus».
Individualbesteuerung: Ende der Heiratsstrafe
Das Bundesgesetz über die Individualbesteuerung, ein indirekter Gegenvorschlag zur zurückgezogenen Steuergerechtigkeits-Initiative, wurde mit rund 55–56 % Ja angenommen. Es beseitigt die steuerliche Benachteiligung verheirateter Paare: Eheleute und eingetragene Partner werden künftig individuell besteuert.
Die Umsetzung erfolgt schrittweise bis 2030. Der Bund rechnet mit jährlichen Mehrausgaben von etwa einer Milliarde Franken, die durch Anpassungen im Steuersystem ausgeglichen werden sollen. Die Reform entlastet vor allem Doppelverdiener-Haushalte und fördert die Gleichstellung. Trotz anfänglicher Unsicherheit, da Zwischenresultate teilweise Kopf-an-Kopf-Rennen zeigten, setzte sich das Ja durch, getragen von Befürwortern aus FDP, SP, Grünliberalen und Teilen der Mitte.
Klimafonds- und Bargeld-Initiative abgelehnt
Die Volksinitiative «Für eine sichere und nachhaltige Energieversorgung» (Klimafonds) forderte einen Fonds für klimafreundliche Investitionen, finanziert durch eine Abgabe auf fossile Brennstoffe. Sie wurde mit rund 71 % Nein-Stimmen klar abgelehnt und scheiterte auch am Ständemehr.
Die Initiative «Bargeld ist Freiheit», die einen verfassungsrechtlichen Schutz des Bargelds anstrebte, erhielt nur etwa 46 % Ja-Stimmen und wurde abgelehnt. Der direkte Gegenentwurf des Bundes, der den Bargeldzugang moderat sicherstellt, erhielt dagegen breite Zustimmung von etwa 73 %.
Einordnung
Die Abstimmungsergebnisse vom 8. März 2026 zeigen eine klare Präferenz der Schweizer Bevölkerung für moderate und breit abgestützte Reformen gegenüber radikalen Eingriffen. Die Ablehnung der SRG- und Klimafonds-Initiative spiegelt Skepsis gegenüber neuen oder höheren Abgaben wider, während das Ja zur Individualbesteuerung gesellschaftliche Veränderungen in Richtung individueller Gleichstellung und Autonomie bestätigt.
Für die SRG bedeutet das Ergebnis Planungssicherheit, gleichzeitig bleibt die Debatte über Gebührenhöhe, Programmumfang und Medienvielfalt offen.
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