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  • 12. April 2026 11:16

Neue Strategien im Kinderschutz: Schweiz stärkt Prävention gegen Gewalt in der Erziehung

ByAnton Aeberhard

März 6, 2026

Der Schutz von Kindern vor Gewalt rückt in Europa immer stärker in den Fokus der Politik. Auch die Schweiz reagiert darauf und hat ihre rechtlichen Grundlagen weiterentwickelt: Eine Gesetzesänderung, die 2025 vom Parlament beschlossen wurde und am 1. Juli 2026 in Kraft tritt, präzisiert ausdrücklich den Schutz von Kindern vor psychischer und physischer Gewalt in der Erziehung. Gleichzeitig wird die Förderung einer gewaltfreien Erziehung offiziell als staatliche Aufgabe verankert.

Hintergrund dieser Reform sind Erkenntnisse aus Forschung und Statistik. Sie zeigen, dass Gewalt in Familien nach wie vor ein relevantes gesellschaftliches Problem darstellt. Laut repräsentativen Studien zu Bestrafungsverhalten erleben rund 7–8 % der Kinder regelmäßig körperliche Strafen, etwa 20–25 % wiederholte psychische Gewalt. Noch alarmierender sind die Lebenszeitprävalenzen: Bis zu 30–50 % der Kinder erfahren zumindest gelegentlich körperliche oder psychische Gewalt in der Familie. Fachleute warnen, dass solche Erfahrungen langfristige Folgen für die psychische und körperliche Entwicklung von Kindern haben können.

Prävention statt Strafe

Die Gesetzesänderung verfolgt einen klar präventiven Ansatz. Eltern sollen stärker unterstützt werden, Konflikte ohne Gewalt zu lösen. Das neue Zivilgesetzbuch (ZGB) legt wörtlich fest, dass Kinder „ohne Anwendung von Gewalt zu erziehen [sind], namentlich ohne körperliche Bestrafungen und andere Formen erniedrigender Behandlung“. Fachleute aus der Kinder- und Jugendhilfe betonen, dass Aufklärung, Beratung und leicht zugängliche Hilfsangebote entscheidend sind, um problematische Erziehungsmuster frühzeitig zu verändern.

Organisationen wie Pro Juventute setzen daher auf Informationskampagnen, Elternberatung und Programme zur Stärkung der Erziehungskompetenz. Auch Fachpersonen in Schulen, Kitas und Beratungsstellen sollen gezielt geschult werden, damit sie Warnsignale erkennen und Familien frühzeitig Unterstützung anbieten können.

Internationale Verpflichtungen

Die Reform orientiert sich zudem an internationalen Kinderrechtsstandards. In der UN-Kinderrechtskonvention ist festgelegt, dass Staaten Kinder wirksam vor jeder Form von Gewalt schützen müssen. Viele europäische Länder haben in den vergangenen Jahren ihre Gesetzgebung angepasst und den Anspruch auf gewaltfreie Erziehung explizit verankert. Mit der Präzisierung im Zivilrecht folgt die Schweiz diesem Trend – und stärkt gleichzeitig die präventive Unterstützung von Familien.

Zustimmung – und Forderung nach konsequenter Umsetzung

Kinderrechtsorganisationen wie Kinderschutz Schweiz und UNICEF Schweiz begrüßen die Reform. Sie sehen darin ein starkes gesellschaftliches Signal, dass Gewalt in der Erziehung nicht akzeptiert wird. Gleichzeitig betonen sie, dass rechtliche Änderungen allein nicht ausreichen. Entscheidend sei, wie konsequent die neuen Vorgaben in Behörden, Schulen und Beratungsstellen umgesetzt werden. Fachleute fordern daher ausreichende Ressourcen für Präventionsprogramme, Fortbildungen und Beratungsangebote.

Für viele Expertinnen und Experten markiert die Gesetzesnovelle dennoch einen wichtigen Schritt: Sie verbindet rechtlichen Schutz mit präventiver Unterstützung – und rückt damit das Ziel einer respektvollen, gewaltfreien Erziehung stärker in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Verantwortung.

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By Anton Aeberhard

Anton Aeberhard ist Journalist und schreibt zu gesundheitlichen, wissenschaftlichen sowie politischen und gesellschaftlichen Themen. Seine Beiträge befassen sich mit aktuellen Entwicklungen und deren Hintergründen. Seine Texte zeichnen sich durch analytische Tiefe und eine klare Gewichtung der zentralen Argumente aus.

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