Berlin – Die militärische Eskalation zwischen Iran, USA und Israel hat die internationalen Energiemärkte in kurzer Zeit deutlich bewegt. Berichte über Angriffe auf Energieinfrastruktur im Golfraum und vorübergehende Behinderungen im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus führten zu starken Preisaufschlägen.
Marktbeobachter berichteten, dass die Rohölpreise zeitweise um bis zu 13 Prozent stiegen. Am niederländischen TTF-Handelsplatz verteuerte sich der Frontmonat für Gas zwischenzeitlich um fast 50 Prozent auf knapp 60 Euro pro Megawattstunde, bevor eine leichte Korrektur einsetzte. Energiehändler betonen, dass die weitere Entwicklung stark vom Verlauf der militärischen Auseinandersetzung abhängt.
Bedeutung der Straße von Hormus
Die Straße von Hormus gehört zu den wichtigsten Transitrouten für Öl und Flüssiggas weltweit. Nach Angaben der U.S. Energy Information Administration (EIA) wird ein erheblicher Teil des global gehandelten LNG sowie ein bedeutender Anteil der Ölexporte durch die Meerenge transportiert. Katar zählt dabei zu den zentralen LNG-Exporteuren.
Längerfristige Einschränkungen in der Region würden nicht nur Asien treffen, sondern auch Europa, das seit dem Ausfall russischer Pipelinegaslieferungen verstärkt auf LNG-Importe angewiesen ist. Laut International Energy Agency (IEA) bleibt Europa mittelfristig ein bedeutender Nachfragemarkt für LNG.
Deutschlands veränderte Gasstruktur
Nach dem russischen Lieferstopp 2022 hat Deutschland seine Gasimporte neu strukturiert. In kurzer Zeit wurden LNG-Terminals unter anderem in Wilhelmshaven, Brunsbüttel und Stade in Betrieb genommen. Betreiber berichten, dass der überwiegende Teil der 2025 angelandeten LNG-Mengen aus den USA stammt.
Die europäischen Gasmärkte sind weiterhin eng miteinander verbunden. Fällt ein größerer Anbieter auf dem Weltmarkt aus, verschärft dies die Konkurrenz um alternative Lieferungen und wirkt sich unmittelbar auf die europäischen Großhandelspreise aus.
Aktuelle Daten der europäischen Speicherplattform zeigen, dass die deutschen Gasspeicher Anfang März nur rund ein Fünftel ihrer Kapazität gefüllt waren. Für die Versorger bedeutet das: Die Wiederbefüllung für den kommenden Winter könnte – abhängig vom Preisniveau – teurer werden als in den Vorjahren.
Debatte über neue Gaskraftwerke
Die energiepolitische Diskussion in Berlin gewinnt angesichts der Lage an Dynamik. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kündigte bereits zuvor an, die Energiewende einem „Reality Check“ zu unterziehen. Geplant ist der Zubau wasserstofffähiger Gaskraftwerke mit einer Leistung im zweistelligen Gigawattbereich, die zunächst mit Erdgas betrieben werden sollen. Ziel ist es, Versorgungslücken in Zeiten geringer Wind- und Solarstromproduktion – sogenannte Dunkelflauten – abzusichern.
Die Bundesregierung argumentiert, dass zusätzliche flexible Kraftwerkskapazitäten notwendig sind, um Versorgungssicherheit und Netzstabilität zu gewährleisten. Nach Abstimmung mit der Europäischen Kommission wurde das ursprünglich diskutierte Ausbauvolumen angepasst; erste Ausschreibungen sollen noch in diesem Jahr erfolgen.
Kritik kommt von Umwelt- und Energieverbänden: Sie warnen vor langfristigen Investitionen in fossile Infrastruktur und verweisen auf die Klimaziele sowie die weiterhin bestehenden Importabhängigkeiten. Auch Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, betonte, dass mögliche Preiseffekte maßgeblich von Dauer und Ausmaß des Konflikts abhängen.
Industrie sieht Risiken
Für energieintensive Branchen sind stabile und planbare Gaspreise entscheidend. Vorläufige Branchendaten zeigen, dass der deutsche Gasverbrauch 2025 leicht über dem Vorjahreswert lag. Vertreter aus Industrie und Ländern warnen, dass dauerhaft hohe Preise insbesondere Chemie-, Stahl- und Grundstoffindustrien belasten könnten.
Strukturelle Verwundbarkeit bleibt Thema
Verglichen mit dem Zeitpunkt unmittelbar nach dem russischen Lieferstopp ist Deutschland heute breiter diversifiziert. Norwegen, die USA und weitere Anbieter tragen wesentlich zur Versorgung bei. Dennoch zeigen die jüngsten Preissprünge, wie sensibel die global vernetzten Energiemärkte auf geopolitische Spannungen reagieren.
Unabhängig von parteipolitischen Bewertungen wird die aktuelle Entwicklung die Debatte über Tempo und Ausgestaltung der Energiewende weiter prägen. Im Zentrum steht die Frage, wie Versorgungssicherheit, Preisstabilität und Klimaziele langfristig miteinander vereinbart werden können.
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