Washington – Eine Infektion mit SARS-CoV-2 geht mit einem deutlich erhöhten Risiko für akute und chronische Nierenschäden einher, wie eine großangelegte US-Studie der Penn State College of Medicine zeigt. Die Ergebnisse wurden am 25. Februar 2026 in der Fachzeitschrift Communications Medicine (Nature) veröffentlicht. Die Forschenden empfehlen eine engmaschigere Überwachung der Nierenfunktion bei Betroffenen, insbesondere bei Personen mit bekannten Risikofaktoren wie Diabetes oder Bluthochdruck.
Die Untersuchung um Erstautor Djibril M. Ba basierte auf anonymisierten Krankenversicherungsdaten von mehr als drei Millionen erwerbstätigen Erwachsenen in den USA (MarketScan-Datenbank, Januar 2020 bis Dezember 2021). Die Forschenden verglichen drei Gruppen: 939.241 Personen mit bestätigter COVID-19-Infektion, 199.071 mit Influenza als positive Kontrollgruppe und 1,88 Millionen ohne nachweisbare Atemwegsinfektion. Diagnosen wurden anhand standardisierter ICD-10-Codes erfasst, die Analyse erfolgte mit adjustierten Cox-Regressionsmodellen.
Erhöhtes Risiko im Vergleich zur Influenza
Die Ergebnisse zeigen, dass COVID-19-Patientinnen und -Patienten im Vergleich zu Influenza-Erkrankten ein 2,3-fach höheres Risiko für eine akute Nierenschädigung (Acute Kidney Injury, AKI) hatten. Das Risiko für chronische Nierenerkrankungen (Chronic Kidney Disease, CKD) lag um den Faktor 1,4 höher, für ein Nierenversagen im Endstadium (End-Stage Renal Disease, ESRD) sogar um den Faktor 4,7. Im Vergleich zu Personen ohne Infektion zeigten sich ähnlich erhöhte Hazard Ratios (beispielsweise aHR 1,38 für CKD; 95%-Konfidenzintervall 1,32–1,45). Influenza zeigte keinen signifikanten Einfluss auf die Entstehung von CKD, ESRD oder glomerulären Erkrankungen.
Die Effekte auf akute Nierenschädigungen waren in den ersten Wochen nach der Infektion besonders ausgeprägt, während das Risiko für chronische Verläufe langfristig erhöht blieb.
Mögliche Mechanismen und Risikogruppen
Die Forschenden vermuten, dass SARS-CoV-2 direkt Nierenzellen infizieren kann, da diese eine hohe Dichte an ACE2-Rezeptoren aufweisen, über die das Virus eindringt. Erstautorin Yue Zhang betont, dass eine COVID-19-Vorgeschichte künftig bei der Beurteilung langfristiger Nierenrisiken berücksichtigt werden sollte. Co-Autor Nasr Ghahramani, Professor für Medizin und Public Health an der Penn State, weist darauf hin, dass insbesondere Personen mit vorbestehenden Risikofaktoren wie Diabetes und Bluthochdruck eine engmaschigere Kontrolle der Nierenwerte benötigen könnten.
Relevanz für Deutschland
Schätzungen zufolge leiden in Deutschland etwa neun Millionen Menschen an einer chronischen Nierenerkrankung, die Mehrheit jedoch ohne Diagnose. Nach Daten des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) befanden sich 2022 rund 2,94 Millionen Patienten mit diagnostizierter CKD in vertragsärztlicher Behandlung. Jährlich sterben in Deutschland fast 27.000 Menschen an den Folgen einer Nierenerkrankung, die weltweit zu den zehn häufigsten Todesursachen zählt.
Die US-Ergebnisse sind auch für Deutschland von Interesse, da die Studie überwiegend ambulant behandelte Fälle umfasst. Andere internationale Analysen deuten darauf hin, dass das Risiko bei milden COVID-19-Verläufen geringer ausfallen könnte, während hospitalisierte Patientinnen und Patienten ein höheres Risiko tragen. Die Penn-State-Studie legt nahe, dass COVID-19 künftig in Risikobewertungsmodelle für Nierenerkrankungen einbezogen werden sollte.
Früherkennung als zentrale Maßnahme
Studienleiter Djibril Ba betont, dass viele Betroffene erst in fortgeschrittenen Stadien von ihrer Erkrankung erfahren. Einfache Blut- und Urinuntersuchungen (Kreatinin, eGFR, Albumin/Kreatinin-Quotient) können frühzeitig Hinweise auf Nierenschäden liefern.
Die Ergebnisse liefern Hinweise darauf, dass eine systematische Überwachung der Nierenfunktion nach COVID-19-Infektionen sinnvoll sein könnte. Zwar handelt es sich um beobachtete Assoziationen, nicht um nachgewiesene Kausalzusammenhänge, dennoch unterstreicht die Studie die Bedeutung weiterer Untersuchungen zu Long-COVID-Folgen auf die Nieren.
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