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  • 11. März 2026 11:27

Ehemaliger SBB-Mitarbeiter wegen Millionenbetrugs angeklagt

ByLena Wallner

Feb. 28, 2026

Bern – Die Bundesanwaltschaft (BA) hat am 24. Februar 2026 Anklage gegen einen früheren Mitarbeiter der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) erhoben. Dem 54-Jährigen werden gewerbsmäßiger Betrug, ungetreue Amtsführung, schwere Geldwäscherei und Urkundenfälschung vorgeworfen. Laut Anklageschrift soll er die SBB über mehrere Jahre hinweg gemeinsam mit vier Mitbeschuldigten um mehr als fünf Millionen Schweizer Franken geschädigt haben. Die Mitbeschuldigten stehen wegen Gehilfenschaft zum mehrfachen, teils gewerbsmäßigen Betrug, teilweise Gehilfenschaft zur ungetreuen Amtsführung sowie teilweise schwerer Geldwäscherei vor Gericht.

Systematische Täuschung der SBB

Die Anklage legt dar, dass der Hauptbeschuldigte bereits 2007 zusammen mit zwei Mitbeschuldigten ein Betrugssystem entwickelt habe. In seiner Funktion als Projekt- und später Abteilungsleiter der SBB soll er Materialbestellungen erfasst und über die Unternehmen der Mitbeschuldigten Rechnungen gestellt haben. Auf diese Weise blieb der 54-Jährige gegenüber der SBB unauffällig. Teilweise wurden tatsächlich Waren geliefert, die SBB jedoch nicht benötigte, oder diese wurden überteuert in Rechnung gestellt. Den Großteil der Bestellungen lieferte er jedoch gar nicht.

Geldflüsse über Mitbeschuldigte und Drittpersonen

Den Ermittlungen zufolge flossen die Zahlungen zunächst auf Konten der beiden Mitbeschuldigten, teils eigens zu diesem Zweck gegründeter Gesellschaften. Nach Abzug eines sogenannten „Verbrecherlohns“ wurden die Gelder an eine weitere Gesellschaft weitergeleitet, deren Gründung die dritte Mitbeschuldigte begleitete. Einzelne Zahlungen landeten auf einem Konto einer unbeteiligten Person, auf das der Hauptbeschuldigte mittels Vollmacht Zugriff hatte. Anschließend wurden die Gelder entweder weiter transferiert oder verbraucht.

Neue Gesellschaften und Manipulationen

2010 wurden zwei weitere Firmen im Handelsregister eingetragen, bei denen die dritte Mitbeschuldigte als Geschäftsführerin und alleinige Verwaltungsratsmitglied fungierte. Sie soll für ihre Dienste – etwa Handelsregistereintragungen und Unterzeichnung von Dokumenten – Gewinnanteile erhalten haben. Teilweise soll der Hauptbeschuldigte auch ihre Unterschrift sowie einen Darlehensvertrag gefälscht haben, um den plötzlichen Vermögenszuwachs gegenüber der zuständigen Treuhandgesellschaft zu rechtfertigen. Über diese neuen Gesellschaften stellte der Hauptbeschuldigte ebenfalls Rechnungen an die SBB, wodurch die Zusammenarbeit mit den beiden ersten Mitbeschuldigten beendet wurde.

Vierter Mitbeschuldigter involviert

Ein vierter Mitbeschuldigter soll für die von der dritten Mitbeschuldigten gegründeten Gesellschaften fingierte Rechnungen ausgestellt haben, um Buchungen und Geldflüsse zu simulieren. Das bezahlte Geld wurde nach Abzug eines „Verbrecherlohns“ über weitere Konten an den Hauptbeschuldigten zurückgeleitet.

Teilweise verjährte Vorwürfe

Die SBB erstattete Ende September 2024 Strafanzeige bei der Bundesanwaltschaft. Das Strafverfahren wurde wenige Tage später eröffnet. Zwischen 2007 und 2024 soll die SBB insgesamt knapp 8,7 Millionen Schweizer Franken geschädigt worden sein. Aufgrund der 15-jährigen Verjährungsfrist sind einige Delikte jedoch nicht mehr strafbar. Die vorgeworfene deliktische Bereicherung reduziert sich daher auf rund fünf Millionen Franken.

Anklagepunkte und mutmassliche Gewinne

Dem Hauptbeschuldigten wird laut BA eine Bereicherung in Höhe von rund 4,4 Millionen Franken vorgeworfen. Er muss sich wegen gewerbsmäßigem Betrug, ungetreuer Amtsführung, schwerer Geldwäscherei und mehrfacher Urkundenfälschung verantworten. Die Mitbeschuldigten sollen zwischen 14.750 und 413.044 Franken aus den Delikten erzielt haben und werden der Gehilfenschaft zu den genannten Straftaten beschuldigt.

Bis zum rechtskräftigen Urteil gilt für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung. Zuständig für die weitere Berichterstattung ist das Bundesstrafgericht.

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By Lena Wallner

Lena Wallner ist Journalistin und behandelt vor allem politische und gesellschaftliche Themen. Sie schreibt über aktuelle Entwicklungen und gesellschaftliche Zusammenhänge. Ihre Texte zeichnen sich durch ein ausgezeichnetes Netzwerk und die Einbindung relevanter Quellen aus.

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