KOMMENTAR
Nach Netzplan nun Gebäude, man will «technologieoffen» «grüne» Kraftstoffe zulassen, «hoch effizienter Verbrenner» als Heizungsversion.
Die Urheber und Treiber dieser klug und differenziert in mehreren Regulierungsfeldern gesetzten Nadelstiche haben an irgendwelchen «alternativen» Kraftstoffen keinerlei Interesse. Die wissen genau, dass es die ökonomisch nie geben kann. Ebenso haben sie kein Interesse an alternativen Technologien oder Geschäftsmodellen. Es geht alleine um den Erhalt des Erdgasgeschäfts und die Sicherstellung von Kraftwerks- sowie Netzoligopolen.
Die schon nicht wenigen Milliarden Investitions- und Kaufkraft, die von gewerblichen bis privaten Verbrauchern in nur wenigen Konzernkassen landen, dürften über die Jahre bereits ein dreistelliger volkswirtschaftlicher Schaden sein. Schädigt das nachhaltig das wichtigste Industrieprogramm der Gegenwart, die Elektrifizierung, wird der Schaden vierstellig. Dagegen könnte die Kohl’sche Kupferkabelsünde Kleingeld sein. Und wieder liegt die Oberaufsicht bei einem Kanzler, der keinerlei Ahnung von der Materie hat und vermutlich gar nicht überblickt, was diese kleine Klientel an Interessen für Kollateralschäden anrichtet.
Das beigefügte Chart illustriert dieses Oligopol mit E.ON, deren hauseigner Ministerin sowie RWE als größte Player. Dabei sind E.ON und RWE seit deren «Entflechtung» keine Wettbewerber mehr, sondern eng auf Interessen- und Kapitalebene verflochten. Der eine dominiert Infrastruktur und Zwischenhandel, der andere Kraftwerke und Großhandel. Beide bis zu den tief abhängigen >1.000 Stadtwerken engstens verflochten mit dem Staat selbst. Die ehemaligen Versorgermonopole haben sich unter den Übertragungsnetzbetreibern hübsch eingerichtet. Lediglich Gazprom wurde jüngst rausgenommen, seitdem ist der Staat selbst größter Gasgroßhändler.

Was Ministerin Reiche treibt, ist eine Lex E.ON/RWE, die nebst den direkten multiplen Staatseinnahmen Erdgas- und Netzgeschäfte zum Schaden der Gesamtökonomie skrupellos absichern. Dazu gehört perfiderweise im Netzbereich, den Gassektor zu erhalten und den Stromsektor als Wettbewerber auszubremsen. Erneuerbare, Stromspeicher und Elektrifizierung (E-Mobilität, Wärmepumpen, Hochtemperaturwärmepumpen) sind Todfeinde dieser Interessen. Die einzig noch existierenden Instanzen, die darauf sachgerecht hinweisen, sind Netzagentur und Kartellamt, beide unter Reiche weisungsgebunden.
Das schreibe ich aus meinem jährlichen Asienaufenthalt. Ironischerweise ist Merz gerade auch hier. Der sollte sich mal die am 30. Januar beschlossene Speicherplanung ansehen, mit der Peking bis 2027 Kraftwerke aus dem Tagesbetrieb rausnehmen will. Die machen hier mit der aggressivsten defossilen Strategie unter Hochdruck weiter, während auch dieser Beitrag in Deutschland wieder mit irgendwelchen Kommentaren über chinesische Kohlekraftwerke beschmutzt werden dürfte.
Demnächst mehr aus Asien, wohin ich immer gerne aus der verstaubten Energie- und Digitalwirtschaft Europas fliehe.
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