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  • 11. März 2026 10:28

Ketamin gegen chronische Müdigkeit? Kleine Studie liefert erste Hinweise – aber keine Beweise

ByLena Wallner

Feb. 18, 2026

Eine sehr kleine klinische Studie der Rutgers University untersucht einen ungewöhnlichen Ansatz zur Behandlung chronischer Müdigkeit: das Narkosemittel Ketamin. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Pharmacological Reports veröffentlicht. Sie deuten auf eine kurzfristige Verbesserung von Fatigue-Symptomen hin – erlauben jedoch keine belastbaren Aussagen zur Wirksamkeit.

Zehn Teilnehmende, kurzfristige Effekte

In der randomisierten, doppelblinden Crossover-Studie erhielten zehn erwachsene Patientinnen und Patienten mit chronischer Fatigue entweder eine einmalige Infusion von Ketamin (0,5 mg pro Kilogramm Körpergewicht) oder Midazolam, ein kurz wirksames Beruhigungsmittel, das als aktive Kontrollsubstanz eingesetzt wurde. Zu den Teilnehmenden gehörten Krebsüberlebende sowie Personen mit Fibromyalgie, Lupus oder Myalgischer Enzephalomyelitis/Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS).

Die Müdigkeit wurde mithilfe einer visuellen Analogskala erfasst. Nach der Ketamin-Infusion sank der durchschnittliche Fatigue-Wert innerhalb von 24 Stunden um rund 39 Prozent. Drei Tage später lag er noch etwa 21 Prozent unter dem Ausgangswert. Auch unter Midazolam kam es zu einer Verbesserung, allerdings schwächer ausgeprägt.

Die Studie war als sogenannte „Proof-of-Concept“-Untersuchung angelegt. Das bedeutet: Sie sollte prüfen, ob ein therapeutischer Effekt grundsätzlich möglich erscheint. Aussagen zur langfristigen Wirksamkeit oder Sicherheit sind damit nicht verbunden.

Keine Aussagen zur Dauertherapie

Die geringe Teilnehmerzahl – nur zehn Personen – begrenzt die Aussagekraft erheblich. Kleine Stichproben bergen ein hohes Risiko statistischer Zufallseffekte. Zudem war die Nachbeobachtungszeit kurz. Ob wiederholte Anwendungen wirksam oder sicher wären, wurde nicht untersucht.

Midazolam wurde als Vergleichssubstanz gewählt, um die verblindete Studiendurchführung zu gewährleisten. Da auch diese Substanz zu einer gewissen Symptomverbesserung führte, lassen sich Placeboeffekte oder natürliche Schwankungen der Erkrankung nicht ausschließen.

Eine größere Folgestudie ist nach Angaben der Forschenden geplant.

Chronische Fatigue – ein schwer behandelbares Symptom

Chronische Fatigue beschreibt eine anhaltende, durch Ruhe nicht ausreichend besser werdende Erschöpfung. Beim Krankheitsbild ME/CFS kommt es zusätzlich zu einer sogenannten Belastungsintoleranz (Post-Exertional Malaise), bei der selbst geringe körperliche oder geistige Anstrengung zu einer deutlichen Verschlechterung führen kann.

Therapeutische Optionen sind bislang begrenzt. Die Behandlung erfolgt überwiegend symptomorientiert. Ein allgemein anerkanntes, kausales Therapieverfahren existiert nicht.

Ketamin: etabliertes Medikament mit Risiken

Ketamin wird seit Jahrzehnten als Anästhetikum eingesetzt und ist in niedriger Dosierung auch zur Behandlung therapieresistenter Depressionen zugelassen. Seine antidepressive Wirkung setzt oft rasch ein. Der genaue Wirkmechanismus ist komplex und betrifft unter anderem das glutamaterge Nervensystem.

Das Medikament ist jedoch nicht risikofrei. Mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem Wahrnehmungsstörungen, Blutdruckanstieg und in bestimmten Kontexten Missbrauchspotenzial. Eine Anwendung außerhalb klar geprüfter Indikationen erfordert daher besondere Zurückhaltung.

Ein möglicher Ansatz – mehr nicht

Die Autorinnen und Autoren der Studie sehen Ketamin nicht als dauerhafte Lösung, sondern als potenziell kurzfristige Intervention, um Betroffene möglicherweise vorübergehend zu stabilisieren. Ob sich dieser Ansatz klinisch bewährt, ist offen.

Entscheidend wird sein, ob größere, placebokontrollierte Studien die beobachteten Effekte bestätigen können. Bis dahin bleiben die aktuellen Ergebnisse ein wissenschaftlicher Hinweis – aber kein Therapienachweis.

-> Zur Studie

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By Lena Wallner

Lena Wallner ist Journalistin und behandelt vor allem politische und gesellschaftliche Themen. Sie schreibt über aktuelle Entwicklungen und gesellschaftliche Zusammenhänge. Ihre Texte zeichnen sich durch ein ausgezeichnetes Netzwerk und die Einbindung relevanter Quellen aus.

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