Von unserem Korrespondenten in Nairobi
Nairobi – Afrika hat sich im Jahr 2025 zum weltweit am schnellsten wachsenden Markt für Solarenergie entwickelt, während das weltweite Wachstum erneuerbarer Energien insgesamt abgenommen hat. Das geht aus dem Jahresbericht der Africa Solar Industry Association (AFSIA) hervor, der Ende Januar veröffentlicht wurde.
Demnach wuchs die installierte Solarkapazität auf dem Kontinent im Jahr 2025 um 17 Prozent, trotz eines globalen Verlangsamungstrends im Solarsektor.
Starke Nachfrage trotz Verzögerungen bei der Inbetriebnahme
Obwohl seit 2017 fast 64 Gigawatt Peak (GWp) an Solarausrüstung auf den Kontinent geliefert wurden, sind derzeit nur 23,4 GWp an Kapazität tatsächlich betriebsbereit. Ein Gigawatt Peak entspricht einer Milliarde Watt maximaler Leistung unter idealen Bedingungen.
Diese Diskrepanz zwischen importierter Ausstattung und aktiver Stromproduktion unterstreicht, dass Teile der installierten Module noch nicht ans Netz angeschlossen sind – u. a. weil Infrastrukturprojekte und Netzanschlüsse verzögert sind.
China dominiert Importströme
Ein deutlicher Treiber für das Wachstum in Afrika ist die steigende Zahl von Solarimporten aus China – dem weltweit größten Produzenten von PV‑Modulen. Im Zeitraum Juli 2024 bis Juni 2025 stiegen die Exporte chinesischer Solarpaneele nach Afrika um rund 60 Prozent auf über 15 GW im Vergleich zum Vorjahr, wie Daten des Energie‑Thinktanks Ember zeigen.
Diese Importe verteilen sich zunehmend über den gesamten Kontinent, nicht nur auf die traditionellen Märkte. So verzeichneten 20 afrikanische Staaten neue Rekordwerte bei Solarimporten, und 25 Länder überschritten die Schwelle von jeweils mehr als 100 Megawatt (MW) an Importkapazität.
Sinkende Kosten für Speicher und Energietechnik
Parallel zu den Solarkapazitäten sind auch die Preise für Batteriespeicher gefallen – ein entscheidender Faktor für die Integration von Solarenergie in Stromnetze. Die durchschnittlichen Kosten für Batteriespeicher sanken von etwa 144 US‑Dollar pro Kilowattstunde 2023 auf rund 112 US‑Dollar 2025, was maßgeblich dazu beiträgt, Solarenergie auch für Haushalte und Unternehmen erschwinglich zu machen.
Dieser Preisrückgang macht es möglich, dass Solarsysteme nicht nur tagsüber Strom liefern, sondern über Batteriespeicher auch rund um die Uhr verfügbar sind, was die Zuverlässigkeit der Stromversorgung erhöht.
Politische Rahmenbedingungen beeinflussen Nachfrage
In mehreren Ländern haben politische Entscheidungen die Nachfrage nach Solarenergie begünstigt. In Nigeria etwa führte der schrittweise Abbau von Diesel‑Subventionen dazu, dass Diesel‑Generatoren wirtschaftlich weniger attraktiv wurden, was zahlreiche Haushalte und Unternehmen dazu veranlasste, auf Solarlösungen umzusteigen.
Zudem sind mehrere große Produktionsprojekte für Solarpaneele auf dem Kontinent angekündigt worden oder im Bau, etwa in Nigeria, Ägypten, Südafrika und Äthiopien. Diese Entwicklungen könnten langfristig dazu beitragen, die Abhängigkeit von Importen zu reduzieren.
Breitere wirtschaftliche und soziale Auswirkungen
Die wachsende Solarbranche schafft nicht nur direkte Beschäftigungsmöglichkeiten in der Fertigung, sondern auch in Installation, Wartung, Vertrieb und Finanzierung von Solarsystemen. Dieses Beschäftigungswachstum geht über traditionelle Energiearbeitsplätze hinaus und trägt zur wirtschaftlichen Diversifizierung bei.
Herausforderungen bleiben bestehen
Trotz der positiven Entwicklung bestehen weiterhin strukturelle Herausforderungen: Viele afrikanische Märkte verfügen nicht über langfristige, verlässliche Energieroadmaps. Schwankende Einfuhrzölle, unklare Steuerregelungen und mangelnde Transparenz in politischen Planungen erschweren Investitionsentscheidungen.
Analysten betonen, dass diese Unsicherheiten die Sichtbarkeit des Marktes für internationale und lokale Investoren beeinträchtigen und daher ein Hindernis für nachhaltiges Wachstum darstellen.
Ausblick
Afrikas Solarboom zeigt, dass der Kontinent nicht nur in der Lage ist, Energieengpässe zu adressieren, sondern auch eine wachsende Rolle im globalen Übergang zu erneuerbaren Energien einzunehmen. Ob dieser Schwung anhält, hängt entscheidend von stabilen politischen Rahmenbedingungen, verstärkter regionaler Zusammenarbeit und weiter sinkenden Kosten für Technologien ab.
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