Forschende haben den molekularen Auslöser der sehr seltenen Blutgerinnsel‑Erkrankung VITT identifiziert, die nach Impfungen mit bestimmten COVID‑19‑Vektorimpfstoffen auftreten kann. Die Ergebnisse könnten helfen, zukünftige Impfstoffe noch sicherer zu gestalten. (Berichtet in Nature; Originalarbeit in The New England Journal of Medicine)
Während der COVID‑19‑Pandemie kam es nach Impfungen mit den vektor‑basierten Impfstoffen von AstraZeneca (AZD1222) und Johnson & Johnson (Ad26.COV2.S) in äußerst seltenen Fällen zu ungewöhnlichen Blutgerinnseln in Kombination mit einem Abfall der Blutplättchen – ein Krankheitsbild, das als vakzin‑induzierte immunthrombotische Thrombozytopenie (VITT) bekannt wurde.
Erworbenes molekulares Muster während der Immunantwort
Die Analyse in NEJM beschreibt, dass bei Betroffenen eine erworbene Veränderung in Antikörper-produzierenden Zellen während der Immunreaktion auf den Impfstoff auftritt (sogenannte somatische Hypermutation). Diese verändert die Antikörper so, dass sie nicht nur das Virus erkennen, sondern auch das körpereigene Plättchenfaktor 4 (PF4) angreifen.
Die Bindung von Antikörpern an PF4 kann eine übermäßige Aktivierung der Blutgerinnung auslösen, was zu Blutgerinnseln in seltenen Venengebieten und gleichzeitig zu einem Abfall der Thrombozytenzahlen führt.
Seltene, aber relevante Nebenwirkung
VITT tritt extrem selten auf – die Inzidenz wird auf etwa 1 von 100 000 bis 1 von 200 000 Impfdosen geschätzt. Obwohl die absolute Zahl gering ist, hatte das Risiko zur Folge, dass viele Länder die Nutzung der betroffenen Impfstoffe einschränkten.
Die neue Studie liefert eine präzise molekulare Erklärung, warum diese seltene Reaktion auftritt, ohne dass sie die allgemeine Sicherheit und den Nutzen der COVID‑19-Impfkampagnen in Frage stellt.
Bedeutung für künftige Impfstoffe
Mit diesen Erkenntnissen lassen sich Vektorproteine gezielt anpassen, um die Bildung PF4-bindender Antikörper zu verhindern, während der Impfschutz erhalten bleibt. Damit liefert die Arbeit einen wertvollen Ansatz für die sichere Entwicklung zukünftiger Vektorimpfstoffe, etwa bei neuen Pandemien.
Einordnung
Die Entdeckung zeigt exemplarisch, wie die Wissenschaft seltene, aber schwere Nebenwirkungen analysiert und künftig vermeiden kann. Trotz der gelegentlichen VITT-Fälle blieb der Nutzen der Impfstoffe in der Pandemie deutlich höher als das Risiko, da schwere COVID‑19-Erkrankungen und Todesfälle massiv reduziert wurden.
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