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  • 11. März 2026 11:31

Long Covid: Herzprobleme gehen über Trainingsverlust hinaus

ByAnton Aeberhard

Feb. 14, 2026

Neue Erkenntnisse zu Post-Exertional-Malaise deuten auf tiefere Mechanismen hin
Wissenschaftler:innen fordern eine Anpassung von Diagnose und Therapie, um Betroffene vor potenziell schädlichen Empfehlungen zu schützen.

Berlin – Monate nach einer Covid-19-Infektion berichten viele Patient:innen über anhaltende Erschöpfung und deutliche Einschränkungen bei alltäglichen Aktivitäten. Diese Symptome sind Teil von Long Covid, einer postakuten Verlaufsform der Erkrankung, die weltweit Millionen Menschen betrifft und die medizinische Versorgung vor Herausforderungen stellt.

Eine internationale Expertengruppe hat in der Fachzeitschrift British Journal of Sports Medicine darauf hingewiesen, dass Herzprobleme bei Long-Covid-Patient:innen nicht allein auf mangelnde körperliche Aktivität („Herz-Enttrainment“) zurückzuführen sind. Vielmehr erfordern die Befunde ein Umdenken in Diagnose und Therapie.

Post-Exertional-Malaise: Kernsymptom von Long Covid

Im Fokus der Forschenden steht die Post-Exertional-Malaise (PEM), ein verzögertes Nachhallen von Erschöpfung nach körperlicher oder geistiger Belastung. Studien zeigen, dass etwa 80 % der Long-Covid-Betroffenen von PEM berichten. Bereits kurze Belastungen, wie ein Spaziergang oder ein Telefonat, können Symptome wie Schwindel, Schmerzen oder kognitive Einschränkungen für Tage oder Wochen verstärken. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft PEM als Kernmerkmal von Long Covid ein und warnt vor standardisierten Belastungstherapien, die PEM auslösen könnten.

Herzprobleme: Mehr als nur Inaktivität

Bisher wurde angenommen, dass reduzierte Herzleistung bei Long-Covid-Patient:innen vor allem auf Inaktivität zurückgeht. Die Expert:innen um Braeden T. Charlton (University of Toronto) und David M. Systrom (Massachusetts General Hospital) zeigen jedoch, dass dies nur einen Teil der Fälle erklärt.

Neuere Studien mit bildgebenden Verfahren (PET/MRT) und invasiven Belastungstests weisen auf komplexere Mechanismen hin:

  • Entzündungen, die Herzgewebe schädigen
  • Unzureichende Blutfüllung des Herzens (Preload-Failure)
  • Störungen der zellulären Sauerstoffnutzung

Zusätzlich werden Funktionsstörungen von Mitochondrien (zelluläre Energieproduktion) und Endothelzellen (Gefäßinnenhaut) beobachtet, die zu einer gestörten Gefäßregulation führen. Autoimmunreaktionen und neurologische Dysregulationen könnten weitere Faktoren darstellen. Die Forschenden ziehen Vergleiche zum Chronischen Fatigue-Syndrom (ME/CFS), das ähnliche postvirale Muster zeigt.

Personalisierte Therapieansätze

Die Ergebnisse haben konkrete Implikationen für die medizinische Praxis:

  • PEM-Abklärung: Systematische Erhebung mittels standardisierter Fragebögen (z. B. DePaul Symptom Questionnaire) und Herzfrequenz-Monitoring
  • Pacing: Dosierte Aktivitäten, um PEM zu vermeiden
  • Sanfte Mobilisation: Vermeidung von längerer Immobilität, aber innerhalb physiologischer Grenzen
  • Kontraindikationen: Graded Exercise Therapy (GET) kann PEM verschärfen und wird nicht empfohlen

Medikamentöse Optionen, etwa Betablocker oder niedrig dosiertes Naltrexon, werden in Einzelfällen eingesetzt, jedoch ausschließlich unter ärztlicher Überwachung.

Forderungen an Gesundheitssystem und Forschung

Die Studie weist auf Limitationen hin: Tiermodelle zur Langzeitbeobachtung fehlen, und Herzbiopsien sind ethisch sowie technisch herausfordernd. Dennoch sehen die Expert:innen in Deutschland und anderen Ländern mit Hunderttausenden Betroffenen einen Handlungsbedarf. Individualisierte Programme, unterstützt durch Wearables und Telemedizin, könnten die Lebensqualität erhöhen und gesundheitliche sowie gesellschaftliche Kosten reduzieren.

Die WHO betont weiterhin die Bedeutung einer differenzierten Diagnostik. Long Covid sei kein Zeichen von „Schwäche“ oder Inaktivität, sondern das Ergebnis komplexer, multifaktorieller Prozesse.

-> Zur Studie

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By Anton Aeberhard

Anton Aeberhard ist Journalist und schreibt zu gesundheitlichen, wissenschaftlichen sowie politischen und gesellschaftlichen Themen. Seine Beiträge befassen sich mit aktuellen Entwicklungen und deren Hintergründen. Seine Texte zeichnen sich durch analytische Tiefe und eine klare Gewichtung der zentralen Argumente aus.

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