In tropischen Ländern wie Brasilien, Bangladesch oder Argentinien treffen zwei Viruserkrankungen aufeinander, die jeweils Millionen Menschen betreffen: Dengue-Fieber und COVID-19. Eine aktuelle Übersichtsarbeit von Forschern aus Mexiko und Spanien, veröffentlicht in Frontiers in Immunology, zeigt nun, dass die gleichzeitige Zirkulation beider Viren nicht nur das Gesundheitssystem belastet, sondern auch komplexe immunologische Wechselwirkungen hervorruft.
Dengue und COVID-19: Ein gefährliches Zusammentreffen
Dengue-Fieber wird durch das Dengue-Virus (DENV) übertragen, das von Stechmücken verbreitet wird. Jährlich infizieren sich weltweit 300 bis 400 Millionen Menschen, vor allem in tropischen Regionen. SARS-CoV-2, der Erreger von COVID-19, hat seit 2019 über 767 Millionen Menschen infiziert und knapp sieben Millionen Todesfälle verursacht.
In Regionen, in denen beide Viren zirkulieren, treten Koinfektionen auf – Patienten sind also gleichzeitig mit Dengue und COVID-19 infiziert. Die Studie zeigt eine positive Korrelation zwischen Ausbrüchen beider Krankheiten, was die Belastung der Gesundheitssysteme verschärft.
Klinische Daten: Überlappende Symptome erschweren die Diagnose
Die Übersichtsarbeit fasst 811 dokumentierte Koinfektionsfälle zwischen 2020 und 2023 zusammen. Symptome wie Fieber, Muskelschmerzen und niedrige Blutplättchenzahlen (Thrombozytopenie) treten sowohl bei Dengue als auch bei COVID-19 auf. Dadurch können Antikörpertests falsch-positive Ergebnisse liefern.
Die Autoren empfehlen daher, bei Verdacht auf Koinfektion molekulare Tests wie RT-PCR für beide Viren gleichzeitig einzusetzen, um Fehldiagnosen zu vermeiden.
Immunologische Wechselwirkungen: Schutz oder Risiko?
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die sogenannte Kreuzreaktivität: Antikörper gegen ein Virus können teilweise auch auf das andere Virus reagieren. Laboruntersuchungen zeigen, dass Antikörper gegen SARS-CoV-2 Dengue-Viren neutralisieren können und umgekehrt.
Gleichzeitig besteht die theoretische Gefahr eines Antibody-Dependent Enhancement (ADE): Hierbei könnten Antikörper aus einer früheren Infektion eine zweite Infektion verstärken, statt sie zu bekämpfen. Klinische Beweise für ADE bei Koinfektionen fehlen bislang, doch molekulare Hinweise deuten auf ein mögliches Risiko hin.
Darüber hinaus können Koinfektionen Entzündungsprozesse verstärken. In Dhaka, Bangladesch, hatten Koinfizierte ein 4,1-fach höheres Risiko für schwere Verläufe, einschließlich Herz- und Nierenschäden. In Brasilien benötigten 95 % der Koinfizierten eine Krankenhausbehandlung, die Sterblichkeitsrate lag bei rund 50 %, insbesondere bei Patienten mit früherer Dengue-Exposition.
Auswirkungen auf Virus-Evolution
Die Studie zeigt, dass die gleichzeitige Zirkulation von Dengue und SARS-CoV-2 die Evolution beider Viren beeinflussen kann. So neutralisieren Antikörper aus der Omicron-Ära SARS-CoV-2 nur begrenzt gegenüber Dengue-Serotyp 3, was mit einem Anstieg von Dengue-3-Ausbrüchen zusammenfällt. Umgekehrt könnten Dengue-Viren durch Immunreaktionen auf COVID-19 antigenische Veränderungen erfahren.
Maßnahmen gegen COVID-19, wie Lockdowns, reduzierten vorübergehend die Dengue-Übertragung um 40 bis 60 %, da sie auch die Mückenpopulation beeinflussten. Unterbrochene Vektor-Kontrollprogramme führten jedoch ab 2021 zu Rückschlägen.
Ausblick
Die Forscher fordern mehr Studien zu Mechanismen wie ADE, großangelegte Kohortenuntersuchungen und umfassende genomische Daten von Koinfektionsfällen. Sie empfehlen integrierte Überwachungssysteme, die sowohl Dengue als auch COVID-19 berücksichtigen, sowie verbesserte Impfstrategien und Therapien.
In Regionen mit hohem Risiko könnte eine gezielte Vorbereitung Leben retten und die Gesundheitssysteme entlasten. Die Übersichtsarbeit verdeutlicht, dass Viren global vernetzt agieren und Koinfektionen die Bedrohung für Mensch und Gesellschaft erhöhen – ein klarer Hinweis auf die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit im Gesundheitswesen.
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