Singapur – In einer groß angelegten nationalen Kohortenstudie haben singapurische Forscher die Post-Acute Sequelae of COVID-19 (PASC) in einer Bevölkerung mit extrem hoher Booster-Impfquote untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass das Risiko für multiorgane Langzeitfolgen über Delta- und verschiedene Omicron-Subvarianten hinweg meist niedrig bleibt – besonders bei geboosterten Personen.
Die am 5. Februar 2026 in BMC Global and Public Health veröffentlichte Untersuchung umfasst Daten von 1.427.985 Infizierten und 3.284.081 nicht-infizierten Kontrollpersonen. Analysiert wurden neue Diagnosen in den Bereichen Herz-Kreislauf, Neuropsychiatrie, Autoimmunerkrankungen, Nieren und Verdauungstrakt im Zeitraum von 31 bis 300 Tagen nach Test- bzw. Infektionsdatum.
Methodik im Überblick
Die Forscher analysierten Daten von September 2021 bis Dezember 2022 und teilten die Untersuchung in Phasen mit Delta-, BA.1/2-, BA.4/5- und XBB-Dominanz ein. Risiken wurden als angepasste Hazard Ratios (aHR) und Inzidenzraten berechnet. Die Gruppen wurden mittels Overlap-Weighting balanciert, multiple Tests wurden mit Bonferroni-Korrektur berücksichtigt.
Einbezogen wurden Alter, Geschlecht, Ethnie, Komorbiditäten, Impfstatus und sozioökonomischer Status. Ausgeschlossen wurden Personen mit früherer Infektion, Todesfälle innerhalb der ersten 30 Tage sowie Fälle mit fehlenden Daten.
Zentrale Ergebnisse
Für kombinierte Diagnosen pro Organsystem ergaben sich – mit einer Ausnahme – keine erhöhten Risiken im Vergleich zu Test-Negativen. Lediglich in der BA.1/2-Phase war das renale Komposit-Risiko leicht erhöht (aHR 1,17; 95%-KI 1,09–1,26).
Bei einzelnen Diagnosen traten über alle Varianten hinweg neuropsychiatrische Auffälligkeiten wie Gedächtnisprobleme und Alzheimer-Diagnosen etwas häufiger auf. Geruchs- und Geschmacksverlust war nur in der Delta-Phase signifikant erhöht. Endstadium-Nierenversagen zeigte in BA.1/2 ein aHR von 1,52 (95%-KI 1,27–1,81).
Besonders bei hospitalisierten und intensivpflichtigen COVID-19-Patienten stiegen die Risiken für kardiovaskuläre, neuropsychiatrische und renale Diagnosen in den meisten Phasen an. Ambulant Infizierte zeigten hingegen meist keine erhöhten Komposit-Risiken.
Schutz durch Impfungen
Die Analyse bestätigt den Nutzen von COVID-19-Impfungen, insbesondere von Booster-Dosen, die das Risiko für kombinierte Diagnosen deutlich senken. Dieser schützende Effekt war in den späteren Omicron-Phasen (BA.4/5 und XBB) noch ausgeprägter als in BA.1/2.
Ungeimpfte, ältere Menschen über 65 Jahre und Personen mit Vorerkrankungen trugen höhere Risiken. Singapur bot ideale Studienbedingungen: Bis Ende 2022 hatten rund 90 % der Erwachsenen mindestens eine Booster-Dosis erhalten, überwiegend mRNA-Impfstoffe. Die Autoren weisen darauf hin, dass frühere Studien in weniger geimpften Populationen höhere PASC-Raten berichteten.
Limitationen und Ausblick
Die Ergebnisse beruhen auf Abrechnungsdaten, weshalb milde, nicht behandlungsbedürftige Symptome wie Fatigue oder Brain Fog wahrscheinlich unterschätzt werden. Reinfectionen und antivirale Therapien, zum Beispiel Paxlovid, wurden nicht berücksichtigt.
Die Forscher betonen die Notwendigkeit weiterer Studien in verschiedenen Bevölkerungen, um Long-COVID besser zu verstehen und Ressourcen gezielt einzusetzen – insbesondere vor dem Hintergrund anhaltender Variantenentwicklung.
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