KOMMENTAR
Zur sogenannten «KI-Blase» mit Vergleich zur «Dotcom-Blase» lautet meine These unverändert, dass es keine «Dotcom-Blase» gab und auch keine «KI-Blase» geben wird.
Vor 25 Jahren hatten wir eine sehr schlechte Selektion ökonomischer Folgen der Digitalisierung. Zuerst wurde blind alles hoch bewertet, was «Internet» sein sollte, dann wurde alles abgewertet, was das zuvor behauptete. Eine Blase wäre das aber nur, wenn sich die Digitalisierung selbst als leerer Hype verlaufen hätte. Insofern war die Dotcom-Phase eine der sowohl falschen Über- wie auch Unterbewertungen. Gut zu sehen an Unternehmen wie Cisco, die erst nach 25 Jahren ihren damaligen Höchstwert wieder erreichten, während Google&Co sich vervielfachten – auch vom damaligen Höchstwert, der also selbst vor 25 Jahren unterbewertet war.
Anmerkung 1: In Deutschland war das ein Verbrechen am Anleger, denn von Informations- und Berichtspflichten börsennotierter Gesellschaften bis zu Haftungsfragen der Finanzdienstleister war nichts sachgerecht geregelt. Der «Neue Markt» hat systematischen Schaden in der schwachen Aktienkultur Deutschlands verursacht. Es wurden Pommesbuden gelistet und in fahrlässigen Hochglanzprospekten vertrieben, gestützt durch Ursünden des Wirtschaftsjournalismus.
Anmerkung 2: Als Folge der Börsenkorrektur, die kein Crash war, wurde in Deutschland von aussichtsreichen Start-Ups bis zu tausenden Digitalprojekten in der Wirtschaft die Digitalisierung selbst gestoppt. Das war ein Multibillionen-Fehler führender Manager und Spitzenpolitiker!
Die KI-Phase sollte man jetzt als nächste Digitalisierungsphase verstehen. Geschichte wiederholt sich aber nicht, denn die Märkte versuchen bereits eine bessere Selektion. Die Rotation der Einschätzungen zeigt die Schwierigkeit: Vor einem Jahr galt Google/Alphabet als großer Verlierer und alles im Dunstkreis von OpenAI als Weltmeister. Jetzt ist es genau umgekehrt und das neuste Momentum gehört Anthropic, deren codegenierende AI angeblich alle Software-Geschäftsmodelle killen soll.
Anders als vor 25 Jahren laufen die einzelnen Werte also viel divergenter. Daher wird eine so breite Korrektur an den Gesamtmärkten unwahrscheinlich, die findet vielmehr auf Ebene von Einzelwerten längst statt. Ob das die klügere Selektion als damals ist, werden wir sehen. Meine These lautet, dass die Rotation weiter gehen wird, wegen der Komplexität des Themas unvermeidlich.
Systemische Risiken sind das wie vor 25 Jahren nicht. Die Risiken liegen ganz woanders: Erstens im Finanzsystem, denn niemand weiß, wie viele KI-Investments durch wacklige Hebelkonstrukte tief im Bauch des Schattenbankensystems schlummern, das die Derivateberge der Subprime-Affäre abgelöst hat, bei vielfachem Volumen. Wenn da ein größerer Player kippt, kann es eine Finanzkrise auslösen.
Die wäre dann aber immer noch keine KI-Blase. Deren Risiko ist leider schon ersichtlich: Je mehr die Deutschen darüber reden, desto größer das Risiko einer Wiederholung von Anmerkung 2.
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