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  • 11. März 2026 10:31

Westerstede/Berlin – Der Nordwesten Deutschlands erlebt derzeit eine ungewöhnlich hohe Belastung durch Feinstaub, insbesondere die kleineren Partikel PM₂,₅, die tief in die Lunge eindringen.

Laut einem Interview mit Dr. Carsten Vogel, Leiter des Lungenzentrums an der Ammerland-Klinik in Westerstede, in der Nordwest-Zeitung (5. Februar 2026) kann die Luftverschmutzung nicht nur akute Beschwerden wie Husten und Atemnot auslösen, sondern langfristig das Risiko für Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen deutlich erhöhen. „Selbst kurzfristige Spitzenbelastungen können bei vorerkrankten Menschen zu akuten Problemen führen“, betont Vogel.

Die Ursache für die aktuell erhöhten Werte liegt in einem Zusammenspiel aus Straßenverkehr, industriellen Emissionen, Holzfeuerungen und landwirtschaftlicher Tierhaltung. Hinzu kommen wetterbedingte Faktoren: Inversionslagen und geringe Luftbewegung halten die Schadstoffe in Bodennähe.

Nach Messungen des Umweltbundesamts überschreiten viele Regionen Niedersachsens bei solchen Wetterlagen die Kurzzeit-Richtwerte deutlich. Die Jahresmittelwerte für PM₂,₅ liegen zwar in vielen Gebieten unter dem EU-Grenzwert von 25 µg/m³, übersteigen aber den WHO-Richtwert von 5 µg/m³ deutlich.

Vergleicht man die Belastung international, fällt auf, dass Deutschland im globalen Vergleich moderat bis niedrig belastet ist: Länder wie Indien oder China verzeichnen regelmäßig deutlich höhere PM₂,₅-Konzentrationen, die gesundheitlich besonders problematisch sind.

Innerhalb Europas zeigt sich ein differenziertes Bild: Während Städte in Deutschland und Österreich teilweise ähnliche Belastungen aufweisen, sind die Luftwerte in der Schweiz meist besser – nicht zuletzt wegen strengerer Emissionsvorschriften und der geographischen Lage, die häufigen Luftaustausch begünstigt.

Dr. Vogel hebt hervor, dass besonders Menschen mit vorbestehenden Herz- oder Lungenerkrankungen, Kinder und Senioren gefährdet sind. Studien wie die von Pope et al. (2004, NEJM) zeigen, dass Feinstaub langfristig die Entzündungsmarker im Blut erhöht und damit Herzinfarkte oder Schlaganfälle wahrscheinlicher macht.

Auch die Lunge selbst wird beeinträchtigt: Chronische Belastung kann zu COPD, Asthma-Exazerbationen und in extremen Fällen zu Lungenfibrosen führen, während epidemiologische Studien ein geringfügig erhöhtes Risiko für Lungenkrebs belegen.

Der Experte empfiehlt praktische Schutzmaßnahmen, ohne dabei Alarmismus zu verbreiten: Masken der Klassen FFP2 oder FFP3 filtern PM₂,₅ sehr effektiv, und Luftreiniger mit HEPA-Filtern können die Partikelkonzentration in Innenräumen um bis zu 80 % senken. Zugleich betont er die Bedeutung politischer Maßnahmen: Emissionsreduzierung, Förderung von Grünflächen und städtische Luftfilterprogramme sind entscheidend, um die Belastung langfristig zu senken.

Insgesamt verdeutlicht die aktuelle Situation im Nordwesten Deutschlands, wie stark lokale Luftqualität von regionalen Emissionsquellen und Wetterbedingungen abhängt. Sie erinnert zugleich daran, dass der Schutz vor Feinstaub eine Kombination aus persönlicher Vorsorge und politischen Maßnahmen erfordert – eine Herausforderung, die auch andere europäische Länder und global längst erkannt haben.

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By Sarah Koller

Sarah Koller schreibt vor allem zu Gesundheits- und Wissenschaftsthemen, behandelt aber auch soziale und historische Fragestellungen. Ihre Texte zeichnen sich durch Vielseitigkeit und die Fähigkeit aus, komplexe Inhalte verständlich aufzubereiten.

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