Möchten Sie Push-Benachrichtigungen von unserer Zeitung erhalten? Ja Nein, danke
  • 19. Februar 2026 7:49

Kognitive Fähigkeiten, Vorurteile und politische Einstellungen: Ein evidenzbasierter Überblick

BySarah Koller

Feb. 5, 2026

In der Sozialpsychologie untersucht die Forschung seit Jahren den Zusammenhang zwischen kognitiver Fähigkeit, politischen Einstellungen und sozialen Vorurteilen. Zahlreiche Studien zeigen, dass Menschen mit niedrigerer kognitiver Fähigkeit tendenziell stärker voreingenommene oder rechtlich konservative Einstellungen aufweisen. Dabei spielt die kognitive Fähigkeit – definiert als die Kapazität zur Informationsverarbeitung, Problemlösung und analytischem Denken – eine zentrale Rolle.

Kognitive Fähigkeit und Vorurteile

Hodson & Busseri (2012) konnten in ihrer Studie nachweisen, dass niedrigere kognitive Fähigkeiten mit einer höheren Neigung zu Vorurteilen gegenüber sozialen Gruppen korrelieren. Dabei wirkt die ideologische Orientierung als Vermittlungsmechanismus: Personen mit geringerer kognitiver Fähigkeit neigen eher zu rechter politischer Einstellung, und diese wiederum ist mit stärker ausgeprägten Vorurteilen verbunden. Die Studie stützt sich auf standardisierte Intelligenztests und Erhebungen zu politischen Einstellungen in repräsentativen Stichproben.

Eine Meta-Analyse von Onraet et al. (2015) bestätigt diese Ergebnisse. Sie fasst 24 Studien zusammen und zeigt konsistent: Niedrigere kognitive Fähigkeiten korrelieren moderat mit rechter Ideologie und Vorurteilen (Effektgrößen r ≈ –0,19 bis –0,20). Die Ergebnisse legen nahe, dass kognitive Fähigkeit ein signifikanter, wenn auch nicht alleiniger Faktor bei der Ausbildung politischer Einstellungen ist.

Selbstüberschätzung und der Dunning-Kruger-Effekt

Ein verwandtes Phänomen ist der sogenannte Dunning-Kruger-Effekt, der beschreibt, dass Menschen mit geringer Kompetenz dazu neigen, ihre Fähigkeiten zu überschätzen. Dies wurde in zahlreichen experimentellen Studien belegt (Kruger & Dunning, 1999). Der Effekt zeigt vor allem die Diskrepanz zwischen Selbstwahrnehmung und tatsächlicher Fähigkeit, hat aber keine direkte Verbindung zu emotionaler Intelligenz oder Empathieverhalten, wie es populäre Ratgeber manchmal suggerieren.

Einordnung der Befunde

Es ist wichtig zu betonen, dass die Studien Korrelationen untersuchen, keine kausalen Zusammenhänge. Niedrigere kognitive Fähigkeiten erhöhen nicht zwangsläufig Vorurteile oder rechte Einstellungen; viele weitere Faktoren – Bildung, soziale Umwelt, Erfahrungen – beeinflussen politische Einstellungen und soziale Wahrnehmung. Ebenso sind kognitive Fähigkeiten nur ein Aspekt des menschlichen Verhaltens und lassen keine Rückschlüsse auf die emotionale Intelligenz oder den Wert einer Person zu.

Darüber hinaus zeigen die Befunde, dass Menschen mit niedrigerer kognitiver Fähigkeit nicht grundsätzlich weniger fähig zu Perspektivübernahme oder Konfliktbewältigung sind. Die Forschung misst hier eher statistische Tendenzen in großen Gruppen, nicht individuelles Verhalten.

Die wissenschaftliche Literatur weist auf einen klaren, aber moderaten Zusammenhang zwischen kognitiver Fähigkeit, politischer Orientierung und sozialen Vorurteilen hin. Dabei ist zu beachten, dass diese Zusammenhänge komplex, multikausal und nicht deterministisch sind. Kognitive Fähigkeit erklärt nur einen Teil der Unterschiede in politischen Einstellungen; soziale, kulturelle und bildungsbezogene Faktoren spielen ebenfalls eine zentrale Rolle.

Bitte geben Sie in Ihrer E-Mail die folgenden Informationen sachlich an: Ort des Fehlers: Geben Sie uns die genaue URL/Webadresse an, unter der Sie den Fehler gefunden haben.

Wenn Sie einen Fehler entdecken, der Ihrer Meinung nach korrigiert werden sollte, teilen Sie ihn uns bitte mit, indem Sie an feedback@dmz-news.online schreiben. Wir sind bestrebt, eventuelle Fehler zeitnah zu korrigieren, und Ihre Mitarbeit erleichtert uns diesen Prozess erheblich.

Beschreibung des Fehlers:

Teilen Sie uns bitte präzise mit, welche Angaben oder Textpassagen Ihrer Meinung nach korrigiert werden sollten und auf welche Weise. Wir sind offen für Ihre sinnvollen Vorschläge.

Belege: Idealerweise fügen Sie Ihrer Nachricht Belege für Ihre Aussagen hinzu, wie beispielsweise Webadressen. Das erleichtert es uns, Ihre Fehler- oder Korrekturhinweise zu überprüfen und die Korrektur möglichst schnell durchzuführen. Wir prüfen eingegangene Fehler- und Korrekturhinweise so schnell wie möglich.

Vielen Dank für Ihr konstruktives Feedback!

Seit unserer Gründung setzt sich die DMZ dafür ein, dass verlässliche Informationen für alle zugänglich sind. In einer Zeit, in der Desinformation und soziale Medien die Nachrichtenlandschaft prägen, ist unabhängiger Journalismus wichtiger denn je.

Wir glauben daran, dass jede und jeder das Recht hat, faktenbasierte, hochwertige Nachrichten zu erhalten – ohne Paywall und ohne Unterbrechungen. Unser Ziel ist es, Journalismus zu machen, der informiert, erklärt und Vertrauen schafft.

Unsere Leserinnen und Leser sind das Herzstück dieser Arbeit. Nur durch Ihre Unterstützung können wir weiterhin unabhängig, kritisch und engagiert berichten. Jeder Beitrag – egal wie klein – hilft uns, dieses Ziel zu erreichen.

Helfen Sie mit, Journalismus frei zugänglich zu halten. Unterstützen Sie die DMZ noch heute.

By Sarah Koller

Sarah Koller schreibt vor allem zu Gesundheits- und Wissenschaftsthemen, behandelt aber auch soziale und historische Fragestellungen. Ihre Texte zeichnen sich durch Vielseitigkeit und die Fähigkeit aus, komplexe Inhalte verständlich aufzubereiten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert