Köln/Berlin, 4. Februar 2026 – Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) sieht trotz hoher Investitionen und neuer Sondervermögen ein zunehmendes strukturelles Defizit im Bundeshaushalt. Ohne zusätzliche Reformen könnte die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen mittel- bis langfristig unter Druck geraten, warnen die Ökonomen um IW-Haushaltsexperte Tobias Hentze.
Nach vorläufigem Abschluss lag das Finanzierungsdefizit des Bundes für 2025 bei 65,4 Milliarden Euro. Die Ausgaben betrugen 493,3 Milliarden Euro, die Einnahmen (ohne Münzeinnahmen) 427,9 Milliarden Euro. Die Nettokreditaufnahme stieg auf 66,9 Milliarden Euro – ein Anstieg von 33,6 Milliarden Euro im Vergleich zu 2024.
Für 2026 plant die Bundesregierung Investitionen in Rekordhöhe von 126,7 Milliarden Euro: 56,1 Milliarden Euro im Kernhaushalt, 48,9 Milliarden Euro im Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) sowie 21,7 Milliarden Euro im Klima- und Transformationsfonds (KTF).
Laut IW-Berechnungen werden jedoch bis zu 133 Milliarden Euro der geplanten neuen Kredite in Höhe von 271 Milliarden Euro bis 2029 für Ausgaben verwendet, die zuvor aus dem regulären Haushalt oder von Ländern und Krankenkassen getragen werden sollten. Dazu zählen beispielsweise 10 Milliarden Euro Verschiebungen im Verkehrsbereich und 6 Milliarden Euro für Krankenhäuser im Jahr 2026. Das IW bezeichnet dies als teilweise Zweckverlagerung bestehender Verpflichtungen.
Hintergrund ist eine strukturelle Belastung des Kernhaushalts: Steigende Zinsausgaben, demografisch bedingte Mehrausgaben in den Bereichen Rente, Pflege und Gesundheit sowie anhaltend hohe Verteidigungsausgaben wirken langfristig auf die Finanzen. Offizielle Prognosen, unter anderem von der OECD und dem mittelfristigen Finanzplan, sehen das gesamtstaatliche Defizit von 2,7 Prozent des BIP (2024) auf rund 3,3 Prozent im Jahr 2026 steigen. Die Maastricht-Schuldenstandsquote wird von 62,5 Prozent (2024) auf voraussichtlich über 64 Prozent (2026) anwachsen und könnte bis 2029 deutlich über 70 Prozent liegen.
Auch der Bundesrechnungshof weist auf ähnliche Entwicklungen hin: Im Haushaltsentwurf 2026 (Gesamtausgaben inkl. Sondervermögen rund 630 Milliarden Euro) verlieren zukunftsorientierte Investitionen im Kernhaushalt relativ an Gewicht, während laufende Ausgaben und die Zinslast steigen. Bis 2029 würde die Verschuldung des Bundes auf 2,7 Billionen Euro wachsen, die Zinsquote auf fast 12 Prozent des Haushalts.
Das IW empfiehlt daher, neben den investiven Sondervermögen auch klare Konsolidierungsmaßnahmen und Strukturreformen – insbesondere bei Sozialausgaben und der Rentenfinanzierung – umzusetzen, um das strukturelle Defizit nachhaltig zu verringern und Spielraum für künftige Krisen zu sichern.
Quellen: BMF-Monatsbericht Januar 2026, Bundeshaushalt 2026 – Regierungsentwurf, IW-Analysen September/November 2025, OECD Economic Survey Germany 2025, Bundesrechnungshof-Analyse November 2025.
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