Hannover/Braunschweig – Eine aktuelle Studie des Centre for Individualised Infection Medicine (CiiM) – einer Kooperation des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) – identifiziert bei Long-COVID-Patienten nach milden bis moderaten SARS-CoV-2-Infektionen einen charakteristischen Transkriptionszustand in zirkulierenden Monozyten, den die Forscher LC-Mo (Long-COVID-Monozyten) nennen.
Die Forscher analysierten Immunzellen von Long-COVID-Patienten mit einem single-cell-multiomics-Ansatz, der Genaktivität, epigenetische Merkmale und weitere molekulare Ebenen auf Einzelzellebene erfasst. Ergänzt wurden diese Daten durch immunologische Profilierungen, Zytokin-Messungen im Blutplasma und funktionelle Tests. Die Patientendaten wurden gezielt nach Schweregrad der akuten COVID-19-Erkrankung stratifiziert.
Im Zentrum der Ergebnisse steht, dass LC-Mo besonders bei Patienten nach milden bis moderaten Infektionen vorkommt. Dieser Zustand geht einher mit erhöhten Plasmaspiegeln der Entzündungsmediatoren CCL2, CXCL11 und TNF und korreliert mit der Schwere von Fatigue (Erschöpfung) und Dyspnoe (Atemnot). Epigenetisch zeigt LC-Mo Aktivierung profibrotischer Programme, die mit Bindegewebsvermehrung in Zusammenhang stehen. In bronchoalveolärer Lavage (BAL)-Flüssigkeit von Patienten mit schweren Atemproblemen wurden ähnliche Makrophagenprofile gefunden.
Funktionelle Tests zeigten, dass Patienten mit hoher LC-Mo-Transkriptionssignatur nach Stimulation eine beeinträchtigte Interferon-Antwort aufwiesen. Die Forscher beschreiben LC-Mo daher als einen „pathogenen Monozyten-Transkriptionszustand“, der eine systemische Immun-Dysregulation mit persistierender Long-COVID-Erkrankung und pulmonaler Beeinträchtigung verbindet.
Die Studienleiter betonen, dass die genaue Rolle von LC-Mo in der Pathogenese von Long COVID noch weiter untersucht werden muss. Die Forschung bietet jedoch Ansatzpunkte für zukünftige Untersuchungen zu genetischen Risikofaktoren oder individualisierter Medizin.
Die Studie wurde unter anderem durch einen ERC Starting Grant (ModVaccine), das COVID-19-Forschungsnetzwerk Niedersachsen (COFONI), das Niedersächsische Zentrum für Künstliche Intelligenz und Kausale Methoden in der Medizin (CAIMed) sowie das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Einige Autoren, darunter Mihai G. Netea, gaben Interessenkonflikte an (Mitgründung mehrerer Biotech-Firmen und Beratungstätigkeiten); die übrigen Autoren erklärten keine Interessenkonflikte.
Originalpublikation:
Saumya Kumar et al.: „A distinct monocyte transcriptional state links systemic immune dysregulation to pulmonary impairment in long COVID“. Nature Immunology, online 14. Januar 2026. DOI: 10.1038/s41590-025-02387-1
Fehler- und Korrekturhinweise
Bitte geben Sie in Ihrer E-Mail die folgenden Informationen sachlich an: Ort des Fehlers: Geben Sie uns die genaue URL/Webadresse an, unter der Sie den Fehler gefunden haben.
Wenn Sie einen Fehler entdecken, der Ihrer Meinung nach korrigiert werden sollte, teilen Sie ihn uns bitte mit, indem Sie an feedback@dmz-news.online schreiben. Wir sind bestrebt, eventuelle Fehler zeitnah zu korrigieren, und Ihre Mitarbeit erleichtert uns diesen Prozess erheblich.
Beschreibung des Fehlers:
Teilen Sie uns bitte präzise mit, welche Angaben oder Textpassagen Ihrer Meinung nach korrigiert werden sollten und auf welche Weise. Wir sind offen für Ihre sinnvollen Vorschläge.
Belege: Idealerweise fügen Sie Ihrer Nachricht Belege für Ihre Aussagen hinzu, wie beispielsweise Webadressen. Das erleichtert es uns, Ihre Fehler- oder Korrekturhinweise zu überprüfen und die Korrektur möglichst schnell durchzuführen. Wir prüfen eingegangene Fehler- und Korrekturhinweise so schnell wie möglich.
Vielen Dank für Ihr konstruktives Feedback!
Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus
Seit unserer Gründung setzt sich die DMZ dafür ein, dass verlässliche Informationen für alle zugänglich sind. In einer Zeit, in der Desinformation und soziale Medien die Nachrichtenlandschaft prägen, ist unabhängiger Journalismus wichtiger denn je.
Wir glauben daran, dass jede und jeder das Recht hat, faktenbasierte, hochwertige Nachrichten zu erhalten – ohne Paywall und ohne Unterbrechungen. Unser Ziel ist es, Journalismus zu machen, der informiert, erklärt und Vertrauen schafft.
Unsere Leserinnen und Leser sind das Herzstück dieser Arbeit. Nur durch Ihre Unterstützung können wir weiterhin unabhängig, kritisch und engagiert berichten. Jeder Beitrag – egal wie klein – hilft uns, dieses Ziel zu erreichen.
Helfen Sie mit, Journalismus frei zugänglich zu halten. Unterstützen Sie die DMZ noch heute.
