New York – Patientinnen und Patienten mit Long-COVID weisen in einer neuen MRT-Studie ein deutlich vergrößertes Volumen des Choroid-Plexus auf – jenes Gefäßgeflechts in den Hirnventrikeln, das die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) produziert. Gleichzeitig ist die Durchblutung in dieser Struktur reduziert. Beide Veränderungen korrelieren mit erhöhten Werten von Alzheimer-Biomarkern im Blut (insbesondere p-tau217 und GFAP) sowie mit kognitiven Beeinträchtigungen und starker Tagesschläfrigkeit.
Der Choroid-Plexus spielt eine Schlüsselrolle bei der Immunüberwachung des Gehirns und der Abfallstoffentfernung über das glymphatische System. Störungen dort könnten Entzündungsprozesse verstärken und die Clearance schädlicher Proteine wie Amyloid-β behindern – Mechanismen, die auch bei der Alzheimer-Krankheit bekannt sind.
Das Team um den Radiologen Yulin Ge (NYU Grossman School of Medicine) untersuchte 179 Personen: 86 mit Long-COVID (neurologische Symptome mindestens drei Monate nach Infektion), 67 Genesene (Symptome innerhalb von 30 Tagen abgeklungen) und 26 gesunde Kontrollpersonen. Per 3-Tesla-MRT wurden Choroid-Plexus-Volumen und regionale Durchblutung (CBF) bestimmt; ergänzend erfolgten kognitive Tests (u. a. MMSE, MoCA) und Blutanalysen auf Entzündungs- und Alzheimer-Marker.
Wichtigste Befunde:
- Medianes Choroid-Plexus-Volumen: Long-COVID 2025,72 mm³ (IQR 1618,55–2322,36), Genesene 1844 mm³, Gesunde 1468,67 ± 363,28 mm³ (Unterschiede signifikant, p < 0,05 nach Adjustierung für Alter, Geschlecht, intrakranielles Volumen).
- Durchblutung (CBF): Long-COVID 31,16 ± 10,75 ml/100 g/min, Genesene 33,42 ± 11,37, Gesunde 41,96 ± 12,38 ml/100 g/min (signifikant reduziert in beiden COVID-Gruppen).
- Starke Korrelationen (adjustiert): Größeres Volumen mit höherem p-tau217 (r = 0,54; p < 0,001) und GFAP (r = 0,35; p = 0,005); geringere Durchblutung mit höherem p-tau217 (r = –0,56; p = 0,001).
- Klinisch: 24,4 % der Long-COVID-Patientinnen und -Patienten zeigten leichte kognitive Beeinträchtigungen; Volumen und reduzierte Durchblutung korrelierten mit Tagesschläfrigkeit (Epworth-Skala) und kognitiven Scores.
Die Veränderungen traten regional selektiv am Choroid-Plexus auf, nicht global im Gehirn. Die Autorinnen und Autoren sehen mögliche Ursachen in chronischer Entzündung, Gefäßschäden oder einem direkten Effekt von SARS-CoV-2 auf das Plexus-Epithel.
Einschränkungen:
Die Studie ist querschnittlich – sie zeigt Zusammenhänge, keine Kausalität. Die Kontrollgruppe war klein, Long-COVID-Patientinnen und -Patienten waren jünger und hatten häufiger Vorerkrankungen. Biomarker lagen nicht bei allen vor. Die Forscherinnen und Forscher fordern longitudinale Studien mit altersgematchten Kohorten.
Die Arbeit unterstreicht die Notwendigkeit gezielter Nachsorge bei Long-COVID-Betroffenen mit kognitiven oder Schlafproblemen. Bildgebung und Biomarker könnten helfen, Risiken für neurodegenerative Prozesse frühzeitig zu erkennen.
(Ge et al., Alzheimer’s & Dementia, 30. Januar 2026, Open Access; Förderung u. a. durch NIH/NIA)
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