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  • 19. Februar 2026 8:02

Großbritannien verliert den Masern-Eliminationsstatus

ByDavid Aebischer

Jan. 29, 2026

WHO stuft Land nach anhaltender Übertragung erneut als betroffen ein – Impfquoten bleiben kritisch niedrig

London – Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Großbritannien den Status als Land ohne endemische Masernübertragung entzogen. Die Entscheidung basiert auf der erneuten Ausbreitung der hoch ansteckenden Krankheit seit 2024 und dem deutlichen Rückgang der Impfquoten.

Nach Angaben der WHO wurde die Übertragung im Vereinigten Königreich 2024 wieder als dauerhaft eingestuft – ein Kriterium, das für den Verlust des Eliminationsstatus entscheidend ist. Im Jahr 2024 wurden landesweit 3.681 bestätigte Fälle registriert, der höchste Wert seit über einem Jahrzehnt. Auch 2025 setzte sich der Trend fort: Bis Ende Januar 2026 lagen die laborbestätigten Fälle in England bereits bei über 950, darunter ein Todesfall bei einem Kind.

Historischer Kontext

Der Statusverlust war absehbar. Großbritannien hatte den Eliminationsstatus erstmals 2017 erreicht, ihn 2019 wieder verloren und 2021 – vor allem dank der Pandemie-bedingten Kontaktbeschränkungen – vorübergehend zurückerlangt. Seit Ende 2023 breitet sich das Virus erneut aus, begünstigt durch Impflücken.

Impfquoten bleiben kritisch

Für eine nachhaltige Unterbrechung der Übertragungsketten gilt eine Zweidosis-Impfquote von mindestens 95 Prozent als erforderlich. Ende 2024 lag die Abdeckung mit der ersten MMRV-Dosis (Masern-Mumps-Röteln-Windpocken) bei etwa 92 Prozent, die zweite Dosis erreichte rund 84 Prozent – der niedrigste Wert seit über 15 Jahren. Besonders betroffen sind bestimmte Stadtteile in London und den West Midlands, wo die Quote teilweise deutlich unter 80 Prozent sank.

Experten warnen vor Folgen

„Infektionen kehren rasch zurück, sobald die Impfquoten bei Kindern nachlassen“, warnte Dr. Vanessa Saliba, leitende Epidemiologin bei der UK Health Security Agency (UKHSA). „Der Eliminationsstatus ist nur erreichbar, wenn alle Kinder vor Schuleintritt beide Dosen erhalten haben. Ältere Kinder und Erwachsene, die Impfungen versäumt haben, müssen dringend nachgeholt werden.“

Der National Health Service (NHS) reagiert bereits: Seit Januar 2025 wird die zweite Dosis früher – mit 18 Monaten – verabreicht, um den Schutz zu beschleunigen. Ergänzend laufen Nachholkampagnen für versäumte Impfungen.

Dr. Bharat Pankhania von der University of Exeter betonte: „Masern sind durch Impfung vollständig vermeidbar. In Großbritannien gibt es weiterhin Regionen mit niedriger oder fehlender Impfabdeckung. Ein besserer Zugang zu Hausärzten, mehr Hausbesuche durch Impfteams und gezielte Aufklärung über Impfungen sind dringend notwendig.“

Internationale Perspektive

Die WHO wertet den Schritt nicht als Einzelfall: Neben Großbritannien verloren auch Spanien, Österreich, Armenien, Aserbaidschan und Usbekistan ihren Eliminationsstatus. In der gesamten europäischen Region stieg die Zahl der Masernfälle 2024 auf über 125.000 – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr.

Experten sehen in der Entwicklung einen Weckruf. Ohne rasche und nachhaltige Steigerung der Impfquoten drohen weitere Ausbrüche – besonders für Kleinkinder, Schwangere und immungeschwächte Menschen. Großbritannien steht nun vor der Aufgabe, durch gezielte Maßnahmen den Schutz wiederherzustellen und den Status langfristig zurückzugewinnen.

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By David Aebischer

David Aebischer ist Journalist und Autor mehrerer Bücher, darunter Romane und literarische Texte. Er schreibt zudem zu gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Themen. Seine Texte zeichnen sich durch Vielseitigkeit, klare Struktur und reflektierte Darstellung aus.

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