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  • 19. Februar 2026 7:07

USA 2026: Eine Debatte über Demokratie, Autoritarismus und der Begriff „Faschismus“

ByDavid Aebischer

Jan. 28, 2026

In den Vereinigten Staaten entbrennt gerade eine der kontroversesten politischen Debatten der jüngeren Geschichte. Namensgebende politische Beobachter und Historiker diskutieren, ob die Regierungsweise von Präsident Donald Trump und seiner Bewegung nicht nur autoritär, sondern als eine Form von Faschismus zu bezeichnen sei. Was lange Zeit eher gemieden wurde, wird nun offen verteidigt und begründet – auch in renommierten Publikationen.

Warum der Begriff „Faschismus“ wieder aufkommt

Traditionell versteht man unter Faschismus eine politische Ideologie und ein Herrschaftssystem, das durch einen starken Führer, die Unterordnung der Gesellschaft unter den Staat, Gewaltglorifizierung, Unterdrückung der Opposition sowie aggressiven Nationalismus gekennzeichnet ist. In seiner klassischen europäischen Ausprägung war Faschismus eine klar umrissene historische Erscheinung – etwa in Italien unter Mussolini oder im nationalsozialistischen Deutschland. Deshalb war der Begriff lange umstritten, wenn es um aktuelle politische Systeme ging.

In einem kürzlich erschienenen Essay argumentiert der US-Publizist Jonathan Rauch, dass sich die politischen Entwicklungen in den USA – besonders unter der zweiten Präsidentschaft von Donald Trump – so zuspitzen, dass diese historische Kategorie wieder relevant wird. Rauch beschreibt, dass die US-Regierung nicht einfach autoritär oder populistisch ist, sondern Merkmale zeigt, die mit historisch faschistischen Mustern verwandt sind.

Kernpunkte der Argumentation

Nach dieser Lesart lassen sich mehrere zentrale Elemente herausarbeiten:

Gewalt und Paramilitärisierung als politisches Mittel
Staatsorgane wie die U.S. Immigration and Customs Enforcement (ICE) wurden laut Rauch nicht nur vergrößert, sondern zunehmend als paramilitärische Einheiten eingesetzt, die auch in zivilen Kontexten Gewalt demonstrieren. Diese Inszenierung von Stärke und Gewalt steht im Zentrum dessen, was klassische Faschismusforscher als Glorifizierung von Gewalt beschrieben haben.

Politische Instrumentalisierung der Rechtsstaatlichkeit
Die systematische Nutzung von Strafverfolgung und Justiz zur Schwächung politischer Gegenspieler, das Androhen oder Blockieren demokratischer Verfahren und die Offenheit, Verfassungsnormen zu dehnen, gelten als weitere Anzeichen für einen Zustand, in dem Rechtsstaatlichkeit nicht mehr uneingeschränkt verbindlich erscheint.

Dehumanisierung von Gegnern
Rauch weist darauf hin, dass die Sprache der politischen Führung zunehmend polarisierend, abwertend und auf Spaltung ausgerichtet sei – ein Merkmal autoritärer, ja faschistischer Bewegungen in der Vergangenheit. Kritiker sehen darin weniger eine analytische Zuschreibung, sondern vielmehr eine bewusste politische Kampfstrategie.

Ideologie und Personenkult
Während der Begriff „Faschismus“ ursprünglich eine konkrete ideologische Konstruktion bezeichnete, argumentieren heutige Befürworter dieser Kategorie, dass sich der Trumpismus in eine ähnliche Richtung entwickelt: eine Mischung aus Personenkult, ideologischer Rhetorik und der Ausrichtung des Staatsapparats auf Loyalität statt auf institutionelle Neutralität.

Eine kontroverse Debatte – nicht nur eine Semantikfrage

Nicht alle Experten teilen diese Einschätzung. Viele Historiker und Politikwissenschaftler betonen, dass die USA weiterhin funktionierende Institutionen besitzen, dass Wahlen abgehalten werden, Gerichte noch unabhängig urteilen und dass gesellschaftlicher Widerstand möglich ist. Sie warnen davor, den Begriff „Faschismus“ zu verwässern, indem er auf jeden autoritären Regierungsstil angewandt wird. Stattdessen sehen sie die Entwicklungen eher in der Tradition autoritärer oder illiberaler Tendenzen, die gefährlich, aber nicht deckungsgleich mit dem historischen Faschismus sind.

Diese Kontroverse zeigt einerseits eine tiefe Sorge über den Zustand der amerikanischen Demokratie – und andererseits die Schwierigkeit, historische Begriffe sinnvoll auf neue politische Realitäten anzuwenden.

Kontext: Gesellschaftliche Spannungen und Protestbewegungen

Die Diskussion findet nicht im luftleeren Raum statt. Parallel dazu formieren sich breite gesellschaftliche Proteste gegen die Politik der Regierung, insbesondere gegen die Verschärfung der Einwanderungspolitik und den Einsatz von Bundesbehörden im Inland. So kam es zuletzt zu landesweiten Aktionen, bei denen zahlreiche Bürgerinnen und Bürger ihre Ablehnung dieser Entwicklungen zum Ausdruck brachten.

Diese Proteste sind ein sichtbares Zeichen dafür, dass das politische Klima in den USA polarisiert ist und dass die Diskussion über Begriffe wie „Autoritarismus“ oder „Faschismus“ nicht nur akademisch geführt wird, sondern reale Resonanz in der Bevölkerung hat.

Ob man die gegenwärtige US-Politik als Faschismus, illiberalen Autoritarismus oder schlicht als eine gefährliche Form des politischen Extremismus bezeichnet – diese Debatte reflektiert eine ernste Auseinandersetzung mit dem Zustand der Demokratie in einer der mächtigsten Nationen der Welt. Historische Kategorien helfen, Kontinuitäten und Gefahren zu erkennen, müssen aber mit Sorgfalt und analytischer Präzision angewendet werden.

Für seriöse Berichterstattung bedeutet das vor allem eines: die Debatte in all ihren Facetten abzubilden, die Argumente kritisch zu prüfen und dem Publikum die Möglichkeit zu geben, auf Grundlage fundierter Informationen zu urteilen.

Verwendete Quellen & Primärbelege

  1. Jonathan Rauch – „Yes, It’s Fascism“
    Essay in The Atlantic, 25. Januar 2026. Direkte Analyse der Parallelen zu faschistischen Merkmalen unter der Trump-Administration 2025/2026.
    https://www.theatlantic.com/ideas/2026/01/america-fascism-trump-maga-ice/685751/
  2. CIVICUS Monitor – „The People Power Under Attack 2025“
    Globaler Bericht (Dezember 2025), der die USA von „Narrowed“ auf „Obstructed“ herabstuft – mit Belegen zu exekutiven Orders, Militarisierung von Protesten und Einschränkung der Bürgerrechte.
    Pressemitteilung: https://monitor.civicus.org/press_release/2025/united-states-of-america
    Vollbericht (PDF): https://civicusmonitor.contentfiles.net/media/documents/Embargoed9December.CIVICUSMonitorReport25.pdf
    Zusammenfassung „One year of Trump 2.0“: https://monitor.civicus.org/explore/one-year-of-trump-20-civic-freedoms-under-pressure
  3. John Kelly (ehem. Stabschef) – Interview-Transkripte
    Aussagen, dass Trump der Definition eines Faschisten entspricht und positive Äußerungen über Hitler gemacht habe.
    CNN-Transkript (22. Oktober 2024): https://transcripts.cnn.com/show/skc/date/2024-10-22/segment/01
    NYT-Interview-Zusammenfassung & Audio: https://www.nytimes.com/2024/10/22/us/politics/john-kelly-trump-fitness-character.html (Originalberichterstattung)
  4. Gerichtsurteile zu National-Guard-Einsätzen gegen Proteste
  5. ICE-Expansionsberichte & offizielle DHS/ICE-Dokumente
  6. Historische Referenz: Benito Mussolini – „The Doctrine of Fascism“ (1932)
    Originaltext zur Definition von Faschismus (als Vergleichsgrundlage für aktuelle Debatten).
    Archiv-Version: https://archive.org/details/doctrineoffascism

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By David Aebischer

David Aebischer ist Journalist und Autor mehrerer Bücher, darunter Romane und literarische Texte. Er schreibt zudem zu gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Themen. Seine Texte zeichnen sich durch Vielseitigkeit, klare Struktur und reflektierte Darstellung aus.

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