Washington/Minneapolis – Das US-Heimatschutzministerium (Department of Homeland Security, DHS) hat den hochrangigen Border-Patrol-Offizier Gregory Bovino von seiner Rolle als „Commander at Large“ entbunden. Bovino, der in den vergangenen Monaten als öffentliches Gesicht der aggressiven Immigrationsdurchsetzung in mehreren US-Städten agierte, wird in seine frühere Position im El-Centro-Sektor in Kalifornien zurückversetzt. Dort wird er voraussichtlich bald in den Ruhestand gehen.
Die Entscheidung erfolgt nur zwei Tage nach dem tödlichen Schuss auf Alex Pretti, einen 37-jährigen Intensivpfleger am Veterans Affairs Hospital, durch Border-Patrol-Agenten in Minneapolis. Pretti wurde am 24. Januar 2026 mehrmals getroffen, nachdem er offenbar die Beamten mit seinem Smartphone filmte. Es handelt sich um den zweiten tödlichen Vorfall innerhalb weniger Wochen: Bereits am 7. Januar war Renee Nicole Good bei einer Razzia von Bundesagenten getötet worden.
Bovino und einige seiner Agenten sollen Minneapolis bereits am 27. Januar verlassen. Die operative Leitung vor Ort übernimmt nun Tom Homan, der von Präsident Donald Trump als „Border Czar“ eingesetzte Koordinator für Immigrationsfragen. Trump hatte Homan am 26. Januar angekündigt und betont, dieser berichte direkt an ihn.
Das DHS dementiert eine Entlassung Bovinos: Sprecherin Tricia McLaughlin erklärte, Bovino bleibe „ein Schlüsselmitglied des Teams des Präsidenten“ und ein „großartiger Amerikaner“. Dennoch berichten Quellen von einer Degradierung und der Sperrung seines Zugangs zu Social-Media-Konten.
Hintergrund: Operation Metro Surge und Eskalation in Minneapolis
Die Vorfälle ereignen sich im Rahmen der „Operation Metro Surge“, einer großangelegten Immigrationsoperation, die seit Dezember 2025 läuft und als „größte Durchsetzungsaktion aller Zeiten“ bezeichnet wird. Bis zu 3.000 Agenten von ICE (Immigration and Customs Enforcement) und CBP (Customs and Border Protection) wurden in den Twin Cities (Minneapolis–Saint Paul) und ganz Minnesota eingesetzt, um vor allem gegen mutmaßliche illegale Einwanderer vorzugehen.
Die Operation führte zu massiven Protesten, Klagen des Bundesstaates Minnesota sowie der Städte Minneapolis und Saint Paul sowie zu Vorwürfen verfassungswidriger Methoden, darunter gewaltsames Eindringen in Häuser ohne richterlichen Beschluss.
Videos des Vorfalls mit Pretti zeigen, wie Agenten ihn zu Boden drücken und mehrfach schießen – nach Angaben von Experten und unabhängigen Analysen (u. a. ABC News, New York Times) ohne dass Pretti eine Waffe gezogen hätte. Die DHS-Führung, darunter Ministerin Kristi Noem, bezeichnete Pretti unmittelbar nach dem Vorfall als „domestic terrorist“, der die Agenten angegriffen habe – eine Darstellung, die durch Videos und forensische Analysen stark in Zweifel gezogen wird.
Politische Reaktionen und parteiübergreifende Kritik
Die Ereignisse lösten landesweite Empörung aus. Minneapolis-Bürgermeister Jacob Frey und Gouverneur Tim Walz führten Gespräche mit Präsident Trump, der eine Deeskalation signalisierte und einen teilweisen Abzug zusagte. Frey erklärte, einige Agenten verließen die Stadt am 27. Januar; er dränge auf einen vollständigen Rückzug.
Auch republikanische Stimmen, darunter einige Gouverneure und Abgeordnete, fordern eine unabhängige Untersuchung und eine Verlegung der Agenten.
Heimatschutzministerin Kristi Noem und ihr enger Berater Corey Lewandowski stehen unter Druck. Beide trafen Trump am Abend des 26. Januar zu einem fast zweistündigen Krisengespräch im Weißen Haus. Insider berichten von internen Spannungen; Noem und Lewandowski galten als wichtigste Unterstützer Bovinos. Es gibt Spekulationen über eine mögliche Neuausrichtung oder personelle Konsequenzen.
Der Abzug Bovinos und die Übergabe an Homan könnten ein Signal für eine Mäßigung der harten Linie sein – zumindest in Minneapolis. Laufende Untersuchungen durch Bundes- und Staatsbehörden, darunter Bodycam-Aufnahmen der Agenten, müssen die genauen Umstände der Schüsse klären. Kritiker wie die ACLU und Minnesotas Generalstaatsanwalt Keith Ellison fordern einen sofortigen Stopp der Operation Metro Surge und unabhängige Ermittlungen.
Die Entwicklungen testen die Immigrationspolitik der zweiten Trump-Administration und zeigen, wie schnell Eskalationen zu politischem Rückschlag führen können. Ob der Führungswechsel zu einer nachhaltigen Deeskalation führt, bleibt abzuwarten.
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