Starke Blutungen zählen zu den häufigsten unmittelbaren Todesursachen nach schweren Verletzungen. Bereits ein Verlust von etwa 20 Prozent des Blutvolumens – bei Erwachsenen rund ein Liter – kann kritisch werden; bei höheren Verlusten drohen Schockzustände und lebensbedrohliche Komplikationen. Besonders problematisch sind Verletzungen am Rumpf, die sich nicht durch Abbinden kontrollieren lassen. Vor diesem Hintergrund berichten Forschende aus Südkorea über ein neuartiges Wundpulver, das in Laborversuchen und Tiermodellen innerhalb von Sekunden Blutungen stoppen konnte.
Das entwickelte Hämostatikum mit der Bezeichnung „AGCL“ verschließt Wunden, indem es unmittelbar nach dem Kontakt mit Blut eine Hydrogel-Barriere bildet. Diese wirkt wie eine künstliche Haut, passt sich auch unregelmäßigen Wundvertiefungen an und bedeckt die Verletzung dreidimensional. Nach Angaben der Forschenden kann das Material bis zum Siebenfachen seines Eigengewichts an Blut aufnehmen und bleibt dabei selbst unter mechanischem Druck stabil.
Entwickelt wurde AGCL am Korea Advanced Institute of Science and Technology (KAIST). Die Studie entstand unter anderem mit finanzieller Unterstützung des südkoreanischen Verteidigungsministeriums, weshalb der Fokus zunächst auf Einsatzszenarien mit besonders hohem Risiko für unkontrollierbare Blutungen lag. Zugleich betonen die Autoren das potenzielle zivile Einsatzfeld, etwa bei schweren Unfällen oder in der Notfallmedizin.
Ein zentrales Entwicklungsziel war die Haltbarkeit. Viele bislang verfügbare Hämostatika verlieren unter Hitze oder hoher Luftfeuchtigkeit rasch ihre Wirksamkeit. Das neue Pulver soll laut den Studienautoren bei Raumtemperatur mehr als zwei Jahre lagerfähig sein und auch unter ungünstigen Umweltbedingungen stabil bleiben. Es besteht aus hautverträglichen Naturstoffen wie Alginaten und Gellangummi. Letzteres reagiert mit im Blut enthaltenem Kalzium und bildet so innerhalb kürzester Zeit eine widerstandsfähige Gelschicht.
Darüber hinaus berichten die Forschenden von einer antibakteriellen Wirksamkeit von bis zu 99,9 Prozent gegen getestete Keime unter Laborbedingungen. Dies könnte das Risiko von Wundinfektionen reduzieren – ein Aspekt, der insbesondere bei verzögerter medizinischer Versorgung relevant ist. Unabhängige Bestätigungen dieser Effekte stehen jedoch noch aus.
Trotz der vielversprechenden Ergebnisse betonen die Autoren, dass sich die bisherigen Daten auf präklinische Untersuchungen beschränken. Ob sich AGCL auch beim Menschen als sicher und wirksam erweist, müssen erst klinische Studien zeigen. Erst danach ließe sich beurteilen, ob das Material künftig etwa in militärischen oder zivilen Verbandskästen zum Einsatz kommen kann.
Quellen: KAIST News Center (29.12.2025); Advanced Functional Materials (2025, DOI: 10.1002/adfm.202523910); MedicalXpress; DongA Science; Chosun Ilbo
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