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  • 11. März 2026 10:26

Trump-Friedensrat: Privates Gremium oder echte Alternative zur UNO?

ByLiselotte Hofer

Jan. 20, 2026

Das von Präsident Trump initiierte „Board of Peace“ soll den Gaza-Wiederaufbau steuern – Experten warnen vor Machtkonzentration, fehlender internationaler Legitimation und potenzieller Fragmentierung der multilateralen Ordnung.

it der formellen Ankündigung des „Board of Peace“ am 15. Januar 2026 hat US-Präsident Donald Trump ein neues internationales Gremium ins Leben gerufen, das nach offizieller Darstellung die Umsetzung seines 20-Punkte-Plans für Gaza überwachen soll. Das Weiße Haus betont, das Board solle strategische Koordination, Ressourcenmobilisierung und Rechenschaftspflicht sicherstellen – und beruft sich dabei auf die UN-Sicherheitsratsresolution 2803 (November 2025), die den Plan und die Einrichtung des Boards ausdrücklich begrüßt hat.

Experten sehen das Projekt jedoch kritisch: Zwar handelt es sich formal um ein Gremium für den Gaza-Wiederaufbau, doch seine Struktur und die Vorgehensweise werfen grundlegende Fragen zu Legitimation, Transparenz und Machtkonzentration auf.

Exklusive Zusammensetzung und Finanzhürden

Das Board steht unter dem persönlichen Vorsitz Trumps. Dem Exekutivkomitee gehören unter anderem Außenminister Marco Rubio, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, Sondergesandter Steve Witkoff, der ehemalige britische Premierminister Tony Blair sowie Finanz- und Entwicklungsexperten wie Marc Rowan und Ajay Banga an.

Länder können als „permanente Mitglieder“ einen Beitrag von einer Milliarde US-Dollar leisten, der offiziell dem Gaza-Wiederaufbau zugutekommen soll. Ohne diese Zahlung ist eine zeitlich befristete Mitgliedschaft von drei Jahren möglich.

Politikwissenschaftler und Völkerrechtler kritisieren diese Regelung: Sie binde Einfluss an Zahlungsfähigkeit statt an Verantwortung oder demokratische Legitimation, wodurch Staaten mit geringeren Ressourcen faktisch ausgeschlossen werden. Dies widerspricht dem Prinzip souveräner Gleichheit und gefährdet die Unabhängigkeit des Gremiums.

Selektive Einladungen und potenzielle Risiken

Die Auswahl der teilnehmenden Staaten erfolgt per einseitiger Einladung durch die US-Regierung. Bisher haben mehrere Länder zugesagt, darunter die Vereinigten Arabischen Emirate, Ungarn, Marokko, Belarus und Kanada. Weitere Regierungen prüfen eine Beteiligung oder lehnen sie ab. Frankreich verweist auf potenzielle Konflikte mit bestehenden multilateralen Strukturen, während Berlin und Brüssel skeptisch bleiben.

Kritiker weisen darauf hin, dass diese Einladungspolitik das Risiko politischer Selektivität birgt und dass der Rat als Machtinstrument der USA genutzt werden könnte. Besonders problematisch sei die geplante Teilnahme verfeindeter Staaten, ohne dass ein klarer Mechanismus zur Konfliktlösung vorliege.

Mögliche Ausweitung über Gaza hinaus

Offiziell liegt der Fokus des Boards auf Gaza: Übergangsverwaltung, Wiederaufbau und Stabilisierung. Beobachter warnen jedoch, dass die Äußerungen Trumps („bold new approach to resolving global conflict“) auf eine mögliche Ausweitung des Gremiums hindeuten. Ein paralleles Gremium ohne formale UN-Verankerung könnte bestehende multilaterale Strukturen unterlaufen und die internationale Ordnung fragmentieren.

Ausblick

Ein formeller Unterzeichnungsakt ist für Donnerstag in Davos geplant. Ob das Board tatsächlich internationale Akzeptanz gewinnt oder bestehende Institutionen herausfordert, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Entscheidend wird sein, wie transparent Entscheidungsprozesse sind, wie fair die Mitgliedschaft geregelt wird und ob es gelingt, Vertrauen bei Staaten und der internationalen Gemeinschaft aufzubauen.

Faktisch ist bereits klar: Das Gremium ist kein Ersatz für die UNO, sondern ein privates, exklusives Forum, das erheblichen Kritikpunkten ausgesetzt ist – insbesondere was Legitimation, Machtverteilung und potenzielle geopolitische Risiken betrifft.

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By Liselotte Hofer

Liselotte Hofer ist freie Autorin bei DMZ-News und schreibt zu Themen aus den Bereichen Soziales, Kino, Kultur, Politik, Geschichte und Musik. Ihre Texte zeichnen sich durch fundierte Recherche und klare, verständliche Darstellung aus.

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