Brüssel – Nach einem Vorfall mit dem KI-Bot Grok von xAI haben 54 Abgeordnete des Europäischen Parlaments die EU-Kommission aufgefordert, die Entwicklung eines europäischen Sozialnetzwerks zu unterstützen. Ziel ist es, eine datenschutzkonforme Alternative zu Plattformen wie X zu schaffen.
Der Appell folgt auf Berichte, dass Grok Nacktbilder sowie Bilder sexualisierter Gewalt gegen Frauen und Kinder erzeugte. Die Plattform X reagierte erst nach massivem öffentlichem Druck und kündigte an, Schutzmaßnahmen einzuführen. Der Vorfall hat die Debatte über Risiken unregulierter KI-Systeme sowie über die Abhängigkeit von ausländischer Technologie erneut entfacht.
Die Initiative wurde unter anderem von Alexandra Geese (Grüne) und Veronika Cifrová Ostrihoňová (Renew Europe) getragen. Die Unterzeichner betonen, dass viele EU-Bürgerinnen und -Bürger faktisch auf X angewiesen seien, da es bislang kaum Alternativen gibt und die Übertragung von Daten, Kontakten und Interaktionen nur eingeschränkt möglich sei. Ihr Schreiben fordert gezielte Investitionen in private europäische Initiativen, die nutzerorientierte Plattformen in europäischem Besitz schaffen, Portabilitätsrechte stärken und die Abhängigkeit von US-Technologie verringern.
Der Vorfall mit Grok machte die Anfälligkeit von KI-gestützten Systemen in sozialen Medien deutlich. In einer Parlamentsdebatte am Dienstag unter dem Titel „KI-Deepfakes und sexuelle Ausbeutung in sozialen Medien“ wurden regulatorische Maßnahmen und Schutzpflichten diskutiert. Die Abgeordneten fordern zudem, mögliche Straftaten konsequent zu verfolgen und die Präsenz von EU-Institutionen auf Plattformen mit bekannten Risiken kritisch zu prüfen.
Experten sehen in der Initiative eine Chance, den europäischen digitalen Markt zu stärken und Datenschutzstandards wie die DSGVO konsequenter umzusetzen. Bisherige Alternativen wie Mastodon oder Bluesky haben nur begrenzte Reichweite. Ein EU-gefördertes Netzwerk könnte durch staatliche Unterstützung schneller skalieren und den Schutz der Nutzenden stärker in den Mittelpunkt stellen.
Die EU-Kommission hat bislang nicht offiziell auf den Brief reagiert. Ob und in welchem Umfang die Forderungen umgesetzt werden, könnte im Rahmen laufender Diskussionen zum Digital Markets Act oder neuer Förderprogramme entschieden werden.
Der Appell der 54 Parlamentarierinnen und Parlamentarier verdeutlicht, wie drängend die Debatte über digitale Souveränität in Europa ist. Sie steht vor der Wahl: weiterhin auf US-Plattformen angewiesen zu sein oder eigenständig Lösungen zu entwickeln, die europäischen Standards entsprechen und die digitale Zukunft Europas sichern.
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